
Kassel (kobinet) Der blinde kobinet-Autor Per Busch aus Kassel ist im Blog von Christiane Link auf eine Möglichkeiten gestoßen, Barrieren aufzufinden: Die aus Deutschland stammende und nun in London lebende Journalistin und Rollstuhlfahrerin hat eine interessante Möglichkeit gefunden, um Barrieren frühzeitig aufzuspüren, bevor sie auf diese stößt. Dazu nutzt sie Google Street View.
In vielen Ländern hat Google bereits Spezialfahrzeuge ausgeschickt, die 360-Grad-Panoramabilder von Straßen, Plätzen und Gebäuden machen. Am Computer kann man sich diese Bilder dann anschauen und viele Details erkennen. Christiane Link nutzt diese Methode beispielsweise dazu, um herauszufinden, ob bestimmte Gebäude nur über Treppen zugänglich sind oder welcher Bus in der Nähe hält.
Aufgrund von Datenschutz-Bedenken wird weltweit viel gegen Street View protestiert, aber dieses Beispiel zeigt, wie hilfreich die bei Google Maps angebotenen Bilder für mobilitätsbehinderte Menschen sein könnten. Es bleibt abzuwarten, ob die von Google bereits aufgezeichneten Ansichten einiger deutscher Städte auch einmal öffentlich zugänglich sein werden und ob diese sogar irgendwann flächendeckend für die gesamte Bundesrepublik verfügbar sein könnten. sch
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Max Mütze schrieb am 14.04.2009, 19:19
Auch in Berlin waren die Google-Autos mit der Kamera unterwegs. Wäre schön, wenn bald wie in London eine erste Vorschau auf Barrierefreiheit möglich ist. Doch dann sind weitere Infos nötig. Artur Ortegas Idee von der Negativliste zum Beispiel von Gaststätten wurde hier schon diskutiert. Dafür könnte die Datenbank mobidat mobilisiert werden. Der Bezirk Pankow startete im Netz schon die viel diskutierte Schmuddelliste von Lokalen, bei denen behördliche Aufsicht ernste hygienische Mängel in der Küche festgestellt hat. Und es hat sich schon was bewegt. Kritisierte Gaststätten bemühten sich, nach Abstellung der Mängel wieder positiv erwähnt zu werden. Das sollte auch möglich sein, um Gaststätten mit baulichen Barrieren anzuprangern, die behinderten Gästen bewusst den Zutritt verwehren.
Artur Ortega schrieb am 14.04.2009, 16:55
Lieber Herr Hoppe,
ich kann ja verstehen, dass Datenschützer plötzlich alle aufschrecken, wenn jeder Winkel der Welt ohne eigener Anreise von der Autoperspektive angeschaut werden kann. Aber im diesen Fall geht es um reine Pragmatik, um mit der mangelnden Barrierefreiheit und des mangelnden Bewustseins über Barrieren (z.B. bei telefonischen Nachfragen) trotzdem an verlässliche Informationen über die Zugänglichkeit eines Gebäudes zu kommen.
Solange es nun aber in Deutschland gesellschaftlich immer noch akzeptiert wird, dass behinderte vom öffentlichen Leben baulich ausgeschlossen werden und Orte des öffentlichen Lebens immer noch nicht barrierefrei sein müssen, dann müssen die Bürger von Deutschland auch diesen Eingriff in die Privatsphäre verkraften können, um wenigstens eine äußerliche Inschaunahme von Gebäuden über so eine Software zu ermöglichen. Nach dem die Bundesregierung die Verantwortung vür bauliche Zugänglichkeit an die Bundesländer abgegeben hat, wird sich mit wenigen Ausnahmen in Deutschland auf lange Sicht auch diesbezgl. nicht viel ändern, befürchte ich. Aber Vielleicht machen die Datenschützer ja Druck auf die einzelnen Bundesländer, die Bauordnungen anzupassen.
Datenschutz hin oder her, meiner Meinung nach geht die Information über die Barrierefreiheit vor. Ich würde sogar gern ein Schritt weiter gehn und alle deutsche Gassstättenbesitzer samt Namen, Adresse und Telefonnummer an einen virtuellen Pranger stellen, die keinen barrierefreien Zugang zu ihrer Gaststätte haben und kein rollstuhlgerechtes WC besitzen. (Die Gruppe der Gaststatättenbesitzer habe ich hier nur exemplarisch gewählt.) Kein barrierefreier Zugang ist wie ein Schild vor der Tür mit "Hunde und Behinderte unerwünscht!". Die Ähnlichkeit zu den Schildern, die in Deutschland 1938 an vielen Gaststätten zu finden waren, ist nicht ganz zufällig.
Jeder Datenschützer, der gerade schreit, bitte ich darum mal einen Tag mal im Rollstuhl durch die eigene Stadt zu kommen (inkl. WC-Gang), ohne die Zuhilfenahme von Informationen über Barrierefreiheit im Netz zu nutzen.
Mein Motto lautet: Privacy is important - but accessibility comes first.
Besten Gruß
Artur
H.-W. Hoppe schrieb am 13.04.2009, 10:39
Ich möchte die Euphorie nicht schmälern, denn das Erkennen von barrierefreien Zugängen via Google Street View ist eine gute Idee.
Dennoch hat Google Street View auch eine negative Seite.
In den letzten Monaten wurden, für mich nachvollziehbare, kritische Stimmen laut.
Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte "heise.de" einen Beitrag:
www.heise.de/newsticker/Niedersaechsische-Datenschuetzer-haben-Bedenken-gegen-Google-Street-View--/meldung/135863
Wäre es, hinsichtlich der Barrierefreiheit von Objekten, nicht besser, wenn sich Betroffene unterschiedlicher Behinderungsarten zusammentun (z.B. in Form einer Interessenvertretung unter der Leitung der Stadt-/ Gemeindeverwaltung) und regelmäßig "Barrierefrei"-Stadt-/ Gemeindeführer in Papier-/ PDF-/ Audio-Format herausbringen?
Ich weiß, das ist teurer als Google Street View, hat aber auch Vorteile:
- Fachleute in Sachen eigener Behinderung erheben die Daten und testen "vor Ort" das Objekt und erkennen so auch Treppenstufen und Engstellen in dem Objekt welche nicht von Google Street View erfasst werden.
- Während der Datenerhebung kann, gemeinsam mit dem Objektinhaber, über die Überwindung kleinerer Barrieren diskutiert werden.
- Auch nach der Datenerhebung kann, im Team, nochmals über die Barrieren einzelner Objekte diskutiert werden.
- Der Datenschutz bleibt gewährt, denn der Inhaber des Objektes muß vor der Datenerhebung ein schriftliches Einverständniss unterzeichen. Bei Google Street View wird jedoch einfach fotografiert.
H.-W. Hoppe