
Hannover (kobinet) Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann hat ehemals in kirchlichen und staatlichen Einrichtungen misshandelten Heimkindern Unterstützung beim Zugang zu den im Bestand der Landesverwaltung (Staatsarchive, Gerichte) befindlichen Heimkinderakten zugesichert.
"Die Landesregierung will den ehemaligen Heimkindern helfen, damit die Betroffenen endlich mehr Licht in eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Jugendhilfe bekommen", sagte Ross-Luttmann nach der gestrigen Konferenz mit Vertreterinnen und Vertretern von Kirchen, Kommunen, Opferverbänden und Wohlfahrtsverbänden im Sozialministerium in Hannover. Auch nach mehreren Jahrzehnten könne Akteneinsicht für die Betroffenen noch zur Aufarbeitung beitragen. "Das Bewusstsein in der Gesellschaft für das den Kindern damals zugefügte Unrecht muss erhalten bleiben. Die damaligen unsäglichen Demütigungen sind erschütternd. Sie waren meilenweit entfernt vom pädagogischen Alltag, der heute für unsere Gesellschaft bestimmend ist", erklärte Ministerin Ross-Luttmann.
Im Rahmen eines Fachgespräches erörterten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, in welcher Form die begonnene Aufarbeitung der Vorkommnisse in den Einrichtungen in Niedersachsen fortgesetzt und weiterentwickelt werden soll. Doppelstrukturen zu den im Runden Tisch auf Bundesebene diskutierten Fragen will man vermeiden. Dr. Hubert Meyer vom Niedersächsischen Landkreistag sagte: "Die kommunalen Spitzenverbände setzen sich bei den ihnen angehörenden Städten und Landkreisen dafür ein, dass ehemalige Heimkinder Zugang zu den vorhandenen Akten erhalten." Das Niedersächsische Staatsarchiv in Hannover hat bislang 322 Personalakten sichern können. Auch in den weiteren sechs niedersächsischen Staatsarchiven wird momentan recherchiert.
Niedersachsens Sozialministerin Ross-Luttmann hatte bereits im Herbst 2008 ehemalige Heimkinder, die in der Zeit zwischen 1949 und 1975 in Heimen in Niedersachsen untergebracht waren, aufgerufen, sich zu melden. Diesem Aufruf sind weit über 100 Frauen und Männer gefolgt. Sie haben in teilweise sehr bewegender Weise die Stationen ihrer Heimunterbringung benannt und vielfach erschütternde persönliche Erlebnisse geschildert. Als entlastend wurde empfunden, dass endlich über dieses Leid öffentlich gesprochen wurde. Das Niedersächsische Sozialministerium hilft auch bei der Vermittlung von Adressen für psychologische Hilfen. moh