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22.06.2009 - 18:54

Blinde und Sehbehinderte fuhren Auto.

Von Paloma Rändel

Berlin (kobinet) Eberhard Dietrich hat sich schon lange auf diesen Tag gefreut. Endlich ist es soweit: Ein sympathischer Fahrlehrer steht mit seinem roten Golf bereit. Nach einer kurzen Einweisung geht`s los. Das Auto bewegt sich ruhig über die Piste, zu hören ist nur die Stimme des Fahrlehrers: "Ein bisschen nach rechts, jetzt voll nach links und Kupplung treten." Der blinde Fahrer hört konzentriert zu, befolgt akkurat die Anweisungen des Fahrlehrers und sitzt entspannt am Steuer des Fahrzeugs. Jetzt biegt das Auto auf eine gerade Strecke - eine Chance, stärker auf`s Gaspedal zu treten. Die Tachonadel schlägt aus und zeigt 160 km/h an. Kein Problem, die riesige Anlage erlaubt schnelles Fahren sowie Lenk- und Bremsmanöver ohne Risiko. Auf eine schnelle Reaktionszeit kam es bei dem anschließenden Hütchen-Parcours an, links, rechts, links, rechts - kein Hütchen ist umgefahren worden. Und zum Schluss noch einmal eine große Runde zur Entspannung. Eberhard Dietrich ist zufrieden und schmunzelt: "So schnell bin ich letztes Mal nicht gefahren."

Ähnlich begeistert waren die Reaktionen der über 350 blinden und sehbehinderten Teilnehmer aus ganz Deutschland, die sich am vergangenen Samstag in Groß Dölln getroffen haben, um einmal selbstständig ein Fahrzeug zu fahren. Neben PKWs verschiedener Fabrikate standen sogar LKWs und Busse zur Verfügung. Das Autofahren für Blinde und Sehbehinderte ist in dieser Größenordnung einzigartig und verdankt seinen Erfolg der langjährigen Kooperation des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin mit den Fahrlehrerverbänden Berlin und Brandenburg sowie dem Driving Center Groß Dölln, das seine für diese Veranstaltung geradezu ideale Anlage kostenfrei zur Verfügung gestellt hat. Der ehemalige Militärflugplatz ist heute das größte Fahrtrainingszentrum Europas.

Rund 100 Fahrlehrer aus Berlin und Brandenburg waren mit ihren Fahrschulfahrzeugen in die Schorfheide gekommen, um den blinden und sehbehinderten Menschen dieses Fahrerlebnis zu ermöglichen. Für sie war es selbstverständlich, dass sie so einen Tag ehrenamtlich unterstützen und dabei sogar auf mögliche Einnahmen verzichten.

Viele der Teilnehmer waren bereits zum wiederholten Mal dabei, schließlich findet das Autofahren für Blinde und Sehbehinderte bereits zum neunten Mal statt. In diesem Jahr gab es besonders spannende Zusatzangebote: So konnte man in einem Überschlagfahrzeug erfahren, wie wichtig es ist, sich anzuschnallen und trainieren, wie man sich aus einem auf dem Kopf stehenden Fahrzeug befreit. Viele Blinde und Sehbehinderte konnten an diesem Tag zum ersten Mal Motorrad oder Quad fahren - das allerdings auf dem Sozius. Ganz Mutige nahmen an einem Rundflug über das Gelände teil. Bei schönem Wetter und volksfestartiger Stimmung kam jeder auf seine Kosten. Erschöpft, aber glücklich nahmen alle Teilnehmer am späten Nachmittag wieder Platz in "ihrem" Fahrschulfahrzeug, mit dem sie zurück nach Berlin gebracht wurden. sch






 

 
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