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29.06.2009 - 00:01

Schildbürgerstreich an S-Bahnhaltestelle Porschemuseum.

Stuttgart (kobinet) Einen Schildbürgerstreich an der S-Bahnhaltestelle Porschemuseum in Stuttgart durften Hans Kreiter von der Nationalen Koordinierungsstelle Tourismus für Alle und Stefan Krusche von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland vor kurzem an einem angeblich für 2,5 Millionen Euro barrierefrei umgebauten Bahnsteig erleben.

Anläßlich des Weltkongress 2009 "cities for mobility" in Stuttgart, die von der Stabsstelle des Stuttgarter Oberbürgermeisters Schuster koordiniert wurde, fand eine Abendveranstaltung im Porschemuseum in Stuttgart statt, an der die beiden Rollstuhlnutzer Stefan Krusche und Hans Kreiter teilnehmen wollten. Die beiden fuhren mit der S-Bahn zum Veranstaltungsort. "Wir hatten uns vorher in der Mobilitätszentrale am Arnulf-Klett-Platz über die Bedingungen vor Ort informiert. Diese seien für uns 'kein Problem', so der Mann am Schalter", so Hans Kreiter. "Allerdings konnten wir sehr schnell feststellen, dass es ein großes Problem war, aus der S-Bahn zu kommen, in Form einer nicht selbstständig überwindbaren Höhe von 30 cm. Nur dem schnellen Reagieren einer jungen Dame verdanke ich, dass ich nicht aus dem Rollstuhl gefallen bin. Mein Kollege konnte erst gar nicht aussteigen, weil die Tür sofort wieder schloss. Erst auf Zuruf zur Zugschaffnerin wurde für ihn die Tür erneut geöffnet. Auch er wurde von freundlichen und hilfsbereiten Fahrgästen dann aus dem Zug geladen."

Am Rollstuhl von Hans Kreiter gingen bei diesem Vorfall die Lenkräder und das Fußbrett kaputt. Er konnte zwar noch weiterfahren, allerdings bleiben seine Lenkräder seitdem immer wieder hängen, was sich noch an diesem Abend bei dem glattem Boden im Museum als sehr ärgerlich erwies. "Besonders ärgert uns an dieser Sache, dass dieser Bahnsteig für 2,5 Millionen Euro umgebaut wurde, angeblich barrierefrei mit Rampen und Lift. Offensichtlich ging das Geld aus, denn anders ist es nicht zu erklären, dass keine Bahnsteigerhöhung gemacht wurde. Was nützen eine Rampe und ein Aufzug am Bahnsteig, wenn diese für Rollstuhlfahrer nicht nutzbar sind? Ein glatter Schildbürgerstreich mit den Geldern des Steuerzahlers", so Hans Kreiter und Stefan Krusche. Der Oberbürgermeister wurde über diese Unzulänglichkeit noch vor Ort informiert. Er zeigte sich sichtlich überrascht. Sein Originalton: "Der wurde doch für 2,5 Millionen Euro barrierefrei umgebaut."

Für Hans Kreiter und Stefan Krusche stellt sich anbetracht der Tatsache, dass die Bahn AG, die Firma Porsche und die Stadt Stuttgart die Kosten trugen, die Frage, wer die Pläne kontrolliert und wer für den Umbau und die Endkontrolle verantwortlich ist. "Nach dem Behindertengleichstellungsgesetz stellt diese Haltestelle den Tatbestand einer Diskriminierung dar. Ich werde alles in Bewegung setzen, dass dies so nicht bleibt", erklärte Hans Kreiter. Für die Gäste des "Weltkongresses" war dies ein gutes Beispiel, wie man es nicht machen sollte. "Unsere Rückfahrt wurde nur möglich, da die Gäste der Veranstaltung mitgeholfen haben, uns mit unseren Rollstühlen in die S-Bahn zu helfen", so die beiden verärgerten Besucher der Veranstaltung. moh
 

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