
Hamburg (kobinet) Der Hamburger Rechtsanwalt Oliver Tolmein setzt sich heute in seinem Blog mit Spiegel-Redakteurin Beate Lakotta und ihrer Geschichte "Der Ludwig lacht" (22.6.09) auseinander. Die Journalistin hat eineinhalb Jahre eine Familie begleitet, nachdem deren Sohn Ludwig mit einer Behinderung geboren wurde, weil die Ärzte eine Spätabtreibung ablehnten.
Nach Tolmeins Ansicht ging es Beate Lakotta mit ihrem Text darum, in der Debatte um Spätabtreibungen und die Veränderungen durch die kürzlich beschlossene Reform des Schwangerschaftskonfliktgesetzes einen Akzent gegen die Gesetzesreform zu setzen.
"Gerade in den kontroversen bioethischen Debatten ist es sinnvoll und hilfreich, wenn jemand eine andere, vielleicht eine überraschende oder auch verstörende Perspektive einnimmt. Lakotta, die sich beim Schreiben ihrer Geschichte möglicherweise als Querdenkerin gefühlt haben mag, formuliert dabei aber leider auf exemplarische Weise ganz im Geist der Zeit. Ihre Empathie für die Eltern geht auf Kosten des behinderten Kindes, das sie, wie so viele, wegen seiner Behinderung als Belastung sieht - und obwohl sie die behindernden Faktoren in der Gesellschaft sieht und beschreibt, prägt doch der Gedanke ihren Text, dass Ursache für das Leid der Eltern das behinderte Kind ist", so Tolmein.
Beate Lakotta hat nichts gegen Menschen mit Behinderung, weiß Tolmein. "Ihr liegt es mit Sicherheit fern, sie zu diskriminieren und sie wird wohl der Behauptung, ihr Text wirke ausgrenzend, im Gespräch entschlossen entgegentreten. Aber es ist dennoch so. Der Text bestärkt Vorurteile, er ergreift Partei für die Nichtbehinderten, die sich gegen einen Menschen wie Ludwig entscheiden - aus, wie in dem Text deutlich wird, freien Stücken." sch
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