
Mainz (kobinet) Die Situation behinderter und chronisch kranker Migrantinnen und Migranten in der Bundesrepublik wurde bislang kaum untersucht. Mit dem vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekt GIB - Ganzheitliche Integration behinderter und chronisch kranker Migrantinnen und Migranten - ergaben sich erstmals signifikante Daten. Darauf weist das Mainzer Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ZsL) in einer Presseinformation hin.
Das vom ZsL im Rhein-Main-Gebiet durchgeführte Projekt dauerte vom 1.7.2007 bis 30.6.2009. In den zwei Jahren wurden mit 124 behinderten oder chronisch kranken Migrantinnen und Migranten und 191 Multiplikatoren über 1.000 Beratungen durchgeführt. Die Nachfrage bei den Klienten ergab, dass es für sie wichtig war, von Menschen beraten zu werden, die selbst Migrationshintergrund oder Migrationserfahrung haben und zugleich behindert und chronisch krank sind.
Darüber hinaus wurde es als sehr angenehm eingeschätzt, dass das Projekt über die angestellten Beraterinnen und Berater sowie durch ehrenamtlich Tätige sowohl in Deutsch, als auch in Türkisch, Arabisch, Spanisch, Französisch, Polnisch und Russisch beraten konnte. Auch bei Migranten mit einem Umgangssprachniveau im Deutschen fehlt häufig der spezifische medizinische Wortschatz, mit dem sie im Gesundheitswesen und der Rehabilitation konfrontiert werden.
Aus den Einzelberatungen entwickelten sich Gruppen, wie zum Beispiel eine Frauengruppe und eine "Arbeitsfrühstücks"-Gruppe, die sowohl zum Austausch und zur Stützung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer untereinander, als auch zur Gruppenberatung dienten. Längere und intensivere Kontakte mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern führten dazu, dass sie von sich aus Kontakt zu Selbsthilfegruppen suchten und diesen zum Teil beitraten oder einen solchen Schritt erwägen. Die Vielfalt der Anliegen, die dem Projekt zugetragen wurden, überstiegen dessen Rahmen, konnten aber zum Beispiel im Bereich Arbeit durch Weiterleitung an die Integrationsfachdienste doch bedient werden.
Für die einzelnen Beratungsthemen und deren didaktische Umsetzung in Gruppen hat das Projekt Arbeitsmappen erstellt, die von interessierten Selbsthilfegruppen bezogen werden können. Für den November ist ein Seminar zum Thema "Wie baue ich ein Beratungsangebot für behinderte und chronisch kranke Migrantinnen und Migranten auf?" geplant. Ein neues Projekt - Gesundheitliche Integration behinderter und chronisch kranker Migrantinnen und Migranten - begann am 1. Juli. Hier ist der Fokus noch stärker auf den Gesundheitsaspekt gelegt, werden neue Methoden der Gruppenbildung im Selbsthilfebereich erprobt und Schulungen für Selbsthilfegruppen, Ärzte und Pflegepersonal in interkultureller Kompetenz durchgeführt. moh