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22.09.2009 - 00:00

Pflege statt Pillen.

Berlin (kobinet) Die Versorgung von Menschen mit der Alzheimer-Krankheit oder anderen dementiellen Erkrankungen muss nach Ansicht der pflegepolitischen Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Elisabeth Scharfenberg, dringend verbessert werden. Nach der Bundestagswahl müssten daher schleunigst die Weichen für eine umfassende Pflegereform gestellt werden.

"Schätzungen zufolge könnte sich die Zahl Demenzerkrankter bis zum Jahr 2050 auf etwa 2,5 Millionen Menschen verdoppeln. Unser Pflege- und Gesundheitssystem ist darauf nicht ausreichend eingestellt. Laut Studien bekommt mindestens die Hälfte aller Demenzpatienten ein Psychopharmakon. Allein ein Drittel erhalten Neuroleptika, also sehr starke Beruhigungsmittel. Diese bergen sehr hohe Risiken, beispielsweise einen Schlaganfall zu erleiden, zu stürzen oder vorzeitig zu versterben. Demenzkranke sind zudem am häufigsten von bewegungseinschränkenden Maßnahmen, etwa Fixierungen am Bett, betroffen. Ruhigstellung statt adäquater Pflege? Das kann nicht unsere Vorstellung einer menschenwürdigen Pflege sein", erklärte Elisabeth Scharfenberg.

Deshalb müssten bei einer Pflegereform nach Ansicht der Grünen folgende Ziele erreicht werden:

1. Eine nachhaltige Finanzierung durch die solidarische Pflege-Bürgerversicherung.

2. Die Gleichbehandlung aller Pflegebedürftigen. Denn die Pflegeversicherung blendet bislang die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz oder anderen psychischen Defiziten weitgehend aus. Daher sei dringend die überfällige Reform des Pflegebedürftigkeitsbegriffs nötig.

3. Mehr Jobs in der Pflege. Denn eine menschenwürdige Versorgung erfordert ausreichend qualifiziertes Personal. Der Abbau der Ausbildungsplätze in der Pflege der vergangenen Jahre muss umgekehrt werden, die Pflegeberufe müssen aufgewertet und attraktiver werden. Die Kenntnisse über eine gute Versorgung Demenzkranker müssen bei Pflegekräften wie auch bei Medizinern stärker gefördert werden.

4. Bessere Unterstützung pflegender Angehöriger. Denn sie sind allein meist überfordert und brauchen dringend Entlastung, etwa durch eine gesetzliche Pflegezeit mit Lohnersatzleistung oder durch bezahlbare haushaltsnahe Dienstleistungen.

5. Den Ausbau ambulanter Versorgungsformen. Denn für Demenzkranke ist es wichtig, in einem vertrauten Umfeld zu leben, in dem sie individuell versorgt werden können. moh
 

 
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