Kopf-Werbung und Navigation überspringen
Kopf-Werbung überspringen

Werbung
Werbebanner zu Netzwerk PROBudget
Werbebanner zu Hier könnte Ihr Werbebanner sein
Werbebanner zu Sommercamp 2012 selbstbestimmtes Leben
Werbebanner zu Barrierefreie Reiseziele
Link zur Startseite Link zur Inhaltsübersicht Link zu Informationen Link zur Kontaktseite
Druckversion
22.09.2009 - 11:07

Stefan Krastel und die Pflegepolitik der Regierung.

von kobinet-Korrespondentin Susanne Krumpholz

Wie der Bundesregierung angekündigt, traf Stefan Krastel am Welt-Alzheimer-Tag in Begleitung des SWR-Fernsehteams um Fünf vor Zwölf am Bundeskanzleramt ein, um im Namen von Millionen BürgerInnen die Bundesregierung auf die Misere in der Pflegepolitik aufmerksam zu machen.

Obwohl seine Ankunft nach seinem fast 900 km langen Fußweg nach Berlin der Pforte des Kanzleramts bekannt war, wurde ihm in Begleitung des Bundestagsabgeordneten Ilja Seifert kein Gehör gewährt: "Es sei zwar bekannt, dass er heute hier ankommen würde, es gäbe aber niemanden im Bundeskanzleramt, der mit ihm sprechen könne!", so ein Vertreter der Polizei.

Unsere Regierenden haben auf Stefan Krastels landesweit in den Medien verbreitete Ankunft mit verschlossenen Türen reagiert. Ihre Ignoranz ist ein Armutszeugnis für ihre Politik gegenüber der häuslichen Pflege durch Angehörige. Anscheinend ist das ungelöste Thema "Armut durch Pflege" mit dem Abstieg in Hartz IV kein Thema, das unsere Abgeordneten und Minister eine Woche vor der Bundestagswahl interessiert oder vor die Kamera lockt.

Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass von 2,2 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland 1,4 Millionen zuhause von ihren Angehörigen versorgt und betreut werden. Diese Vogel-Strauss-Haltung der Regierung verlangt von uns eine nachhaltige Protestbewegung gegen das Verarmungsprinzip der gesetzlichen Pflegeabsicherung. Das kommende internationale Jahr gegen Armut bietet hierfür einen treffenden Rahmen.

"Momentan bekomme ich für die Pflege meiner Mutter, die vor 11 Jahren einen Schlaganfall erlitten hat, 675 Euro in der Pflegestufe 3. Das ist ein Bruchteil dessen, was die stationäre Pflege den Staat kostet", sagt Stefan Krastel.

"Zuerst haben wir von meinen Ersparnissen gelebt, dann musste ich mir meine Lebensversicherung auszahlen lassen und das behindertengerechte Auto meiner Mutter verkaufen, weil ich sie, ihrem Wunsch entsprechend, zu Hause pflegen will. Ich müsste keinen Euro bezahlen, wenn ich meine Mutter in ein Heim gegeben würde. Zu Hause gepflegt zu werden, ist ein Privileg für die Reichen. 'Ambulant vor stationär' ist eine Farce, weil gar nicht gewollt. Ich war selbstständiger Friseurmeister, jetzt bin ich Hartz IV-Empfänger und seit acht Wochen wird mir mit der Zwangsversteigerung unseres Hauses gedroht. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?"

Ursula Helms vom Vorstand des Vereins "Wir pflegen" hat Stefan Krastel von Anfang an unterstützt: "Pflegende Angehörige werden von der Politik als wesentliche Personengruppe, die eine enorm wichtige Arbeit in unserer Gesellschaft verrichtet, nicht wahrgenommen. Sie bekommen dafür keinen finanziellen Ausgleich. Im Heimbereich gibt es ein Budget, im häuslichen Bereich nicht. Wir fordern ein persönliches bedarfsgerechtes Pflegebudget."

Ilja Seifert, behinderten- und pflegepolitischer Sprecher der Linksfraktion, bestätigt die traurige Tatsache, dass "die Konzeption der Pflegeversicherung als Teilkaskoversicherung verhindert, selbstbestimmt zu leben. Die bisherige Gestaltung und finanzielle Ausstattung der Pflegeversicherung ist so angelegt, dass die Leistungen von vornherein lediglich ergänzenden Charakter haben und maximal ein Drittel der Kosten abdecken."

"Die Angehörigen sind gefordert, den umfangreichen Hilfe- und Unterstützungsbedarf aufzufangen und auf ihr Einkommen und Vermögen sowie auf das der Pflegebedürftigen zurückzugreifen, bis ihr Hab und Gut aufgebraucht ist." bestätigt auch Dieter Lang, Pflegeexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen und führte weiter aus: "Erst wenn die Angehörigen Hartz IV empfangen, wird den pflegebedürftigen Menschen Hilfe zur Pflege oder Teilhabeleistungen über die Eingliederungshilfe im Rahmen der Sozialhilfe gewährt."

Nach der enttäuschenden Ablehnung am Kanzleramt lud Ilja Seifert Stefan Krastel zu sich in den Bundestag zu einem klärenden Gespräch und zum Mittagessen ein.

Das Resümee: Die grundlegende Reform der Pflegeversicherung im SBG XI ist seit langem überfällig. Ilja Seiferts Vorschlag: "Perspektivisch sind die Leistungen am individuellen Bedarf zu orientieren. Diese Zielsetzung erfordert einen kontinuierlichen Ausbau der Absicherung des Pflegerisikos und des Assistenzbedarfs." Auf diese Weise werden auch pflegende Angehörige unterstützt und entlastet. Stefan Krastel ruft uns deshalb auf, das Thema "Armut durch Pflege" allen bewusst zu machen und gemeinsam soziale Gerechtigkeit von der Politik zu fordern.

Ein ausführlicher Beitrag über den verhinderten Besuch des Kanzleramtes wird heute Abend in der Landesschau SWR Baden-Württemberg zwischen 18:45 und 19:45 Uhr gesendet. gba

Links
Internetseite von Stefan Krastel
Diskussionsforum
Internetseite "wir pflegen"
Mitschnitt des Beitrages vom 18.09.09 im RBB
Kampagnenseiten der Bundesverbände ISL e.V. und ForseA e.V. für ein Teilhabesicherungsgesetz
 

 
Empfehlen Sie diese Seite Ihren Freunden bei Facebook
Leserbrief schreiben
Artikel versenden

Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Adelheid von Stösser schrieb am 22.09.2009, 19:04

Hilferufe die keiner hören will

Mit großem Interesse verfolge ich die Reaktionen auf den ungewöhnlichen „Hilferuf“ des Stefan Krastel. Protestaktionen stoßen bei den Etablierten erfahrungsgemäß auf taube Ohren. So wundern die verschlossenen Türen im Bundeskanzleramt nicht. Dennoch hat diese Aktion ein weites Echo erfahren, dass man nutzen sollte um bei der Politik auf den Zahn zu fühlen. Es ist klar, dass sich vor den Wahlen niemand mehr aus dem Fenster lehnen will. Die sogenannte Pflegereform wurde schließlich von allen Parteien mehr oder weniger mitgetragen. Außerdem haben die Politiker ganz andere Sorgen.
Ich persönlich protestiere seit Verabschiedung des Pflegeversicherungsgesetzes, gegen widersprüchliche Regelungen. Wenn der Grundsatz "Ambulant vor Stationär" bis heute nur auf dem Papier steht , liegt das daran, dass die übrigen Regelungen in die umgekehrte Richtung zielen. Wie die Pilze sind die Heime seither aus dem Boden gesprossen. Eine wahre Goldgräberstimmung machte sich bei den Investoren breit.
Als Vorsitzende des Pflege-Selbsthilfeverbands e.V. werde ich fast täglich mit neuen Beispielen konfrontiert, für die man eigentlich genauso lauthals auf die Straße gehen müsste. So würde ich uns mehr Menschen mit dem Kampfgeist des Herrn Krastel wünschen, die erlebtes "Unrecht" nicht einfach stillschweigend hinnehmen. Viele Angehörige die sich mit Beschwerden an den Pflege-SHV wenden, trauen sich nicht einmal ihren Namen zu nennen. Damit diese keine Repressalien erfahren, legen wir den Verantwortlichen in Heim oder Behörden, die Beschwerden in anonymisierter und redigierter Form vor. So sitze ich aktuell auch wieder an einem Beschwerdebrief, um den mich Angehörige gebeten haben.

Herrn Krastel wünsche ich ein gutes Durchhaltevermögen und engagierte Wegbegleiter. Denn der Weg den er noch vor sich hat, dürfte sehr viel länger sein, als der schon zurück gelegte.
Viel Erfolg uns allen!!!

Adelheid von Stösser
Pflege-Selbsthilfeverband e.V.
www.pflege-shv.de

Gerhard Lichtenauer "Daheim statt Heim" Österreich schrieb am 22.09.2009, 14:33

"Spießruten-Marathon" echter Leistungsträger

Das ist ein Armutszeugnis für die Bundesregierung. Aber auch wenn es das eine oder andere Gespräch mit Politikern gegeben hätte, brauchen wir uns keine Illusionen machen.

In dieser Situation, von der Stefan Krastel betroffen ist, stecken wir als Pflegefamilie in Österreich in ähnlicher Weise.
Ungesetzlicher Rauswurf unserer Katja (katja.at/) aus dem Pflegeheim (amtsmissbräuchlich abgestimmt und gedeckt von NÖ Sozialbehörde) nach nur 7 Wochen Aufenthalt, nachdem wir Pflegemängel aufzeigten und bestehende Rechte und vertragliche Vereinbarungen einforderten.
Seit fast fünf Jahren herrscht Behördenk(r)ampf. Unsere wirschaftliche Existenz wurde vernichtet. Die gesamte Staatsspitze, alle verantwortlichen Politiker, Höchstgerichte u.v.a. wurden seit über vier Jahren informiert, seither nur Verhöhnung, Ignoranz, Mauern und Aussitzen.

Trotzdem, Herrn Krastels "Marathon" und auch unser "Spießruten-Marathon" werden nicht umsonst sein!

Nachdem uns die maßlose Überbewertung angeblicher "Leistungsträger" weltweit an den Abgrund geführt hat, ist es höchste Zeit, den tatsächlichen Leistungsträgern unserer Gesellschaft die zustehende Anerkennung als Solidargemeinschaft zu gewähren.

Druckversion
Seitenanfang
Startseite

an den Anfang springen
Impressum

Validiert nach
Valid HTML 4.01
Mediadaten

© 2002-2012 kobinet-nachrichten

Dieser Internetauftritt wurde mit dem Content Management System @it
der dimedis GmbH, Köln erstellt.