
Eisingen (kobinet) Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, ist die Staatsanwaltschaft ermittelnd tätig. Es besteht der Verdacht, dass eine Frau in der Behindertenanstalt für Filmaufnahmen gepeinigt wurde. Die Heimleiterin der Anstalt wurde zwischenzeitlich entlassen, berichtet der Bayerische Rundfunk.
Der Leiter des Sankt-Josefs-Stift Eisingen hatte bereits im Mai erste Infos erhalten, zwei Monate später (!) bekam er den halbstündigen Film zu sehen, auf dem die Heimleiterin auf einer am Boden liegenden Bewohnerin des Heimes sitzt und mit verschiedenen Griffen zur Ruhe bringen will. Dabei ist erkennbar, dass das Opfer keinerlei Aggressionen zeigt und auch keine Filmaufnahmen wünscht. Es wird vermutet, dass der Film als Lehrfilm für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gedreht wurde. Die kameraführende Mitarbeiterin wurde lediglich in einen anderen Bereich versetzt. Der Film entstand vermutlich schon vor zwei Jahren. Wie viel Heimangestellte diesen Film zwischenzeitlich gesehen haben, ist nicht bekannt. Die Heimaufsicht des Landratsamts Würzburg hatte bei einer Heimbegehung im Juli dieses Jahres keine Mängel festgestellt. Hierzu die stellvertretende ForseA-Vorsitzende Dr. Corina Zolle: "Das alte Lied: Kostenträger kontrollieren die Leistungserbringer. Das kann nicht gut gehen, vermutlich hat sich dem Spargedanken des Kostenträgers alles, was man übersehen kann, unterzuordnen. Und da nach Ansicht mancher Kostenträger Aussonderungseinrichtungen dieser Größenordung (ca. 400 Insassen) für alle behinderten Menschen zumutbar sein sollen, darf man vermutlich nicht allzu zimperlich an die Kontrollen herangehen."
Bereits vor zehn Jahren stand diese Anstalt in der Kritik. Damals wurden Insassen Humangenetikern für fremdnützige Forschungen zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus wurden Bewohner körperlich gezüchtigt und gedemütigt. Trotz Versuche der der damaligen Stiftsleitung, die Übergriffe zu vertuschen, kamen diese ans Licht und die Staatsanwaltschaft ermittelte. gba
Der neue Sankt-Josefs-Stift-Skandal in den Medien (Auswahl)
Bericht des Bayerischen Rundfunks
Video des Senders TV-Touring
Artikel der Süddeutschen Zeitung
Artikel der Würzburger Main-Post
Inge Rosenberger schrieb am 18.10.2009, 10:48
nachdem es bereits vor einigen Wochen Schlagzeilen über diese Einrichtung gab, finden auch andere Eltern jetzt den Mut, sich öffentlich zu äußern:
"Unter Verschluss
Emils Jahr im St. Josefs-Stift in Eisingen
Kein Stuhl. Kein Tisch. Kein Bett. Nur eine Matratze. So lebte ein Jugendlicher in der Behinderteneinrichtung. Jetzt, im neuen Heim, ist alles anders."
Quelle und kompletter Text: www.mainpost.de/lokales/franken/Unter-Verschluss;art1727,5331100
"Stellungnahme St. Josefs-Stift
Nach mehreren Klinikaufenthalten und Versuchen stationärer Aufnahme die jeweils nach kurzer Zeit beendet wurden, wurde der Bewohner im Mai 2008 in unserer Einrichtung aufgenommen. Die Aufnahme erfolgte in der Wohngruppe Stromboli, einer sozialtherapeutischen Betreuungsform für Menschen mit einem herausforderndem Verhalten."
Quelle und kompletter Text: www.mainpost.de/nachrichten/politik/zeitgeschehen/Stellungnahme-St-Josefs-Stift;art16698,5331103
Ein weiterer "Fall":
"Betreuungsmethoden im St. Josefs-Stift
Dokumentation von Emils Vater (Anmerkung: nicht der gleiche Emil in den vorgehenden Berichten!)
(Brief des Vaters) Im Februar 2002 hatte ich dem Vorstand eine detaillierte Dokumentation über die Betreuungsmethoden von verhaltensauffälligen geistig behinderten Bewohnern auf der Gruppe Stromboli des St. Josef-Stifts, dargestellt an der Entwicklung meines Sohnes Emils*, vorgelegt. Diese Betreuungsmethoden hatten Ende 2001 zu einem psychischen Zusammenbruch meines Sohnes geführt. Gegen die Hoffnungslosigkeit seiner Lebensumstände im Stift konnte er sich offensichtlich nur mit Aggression und Autoaggression wehren.
Quelle und kompletter Text: www.mainpost.de/nachrichten/politik/zeitgeschehen/Betreuungsmethoden-im-St-Josefs-Stift;art16698,5331101
Petra Groß schrieb am 25.09.2009, 21:33
Hallo zusammen
Ich bin Sprachlos was muß noch passieren es wird zeit das mein wunsch war wird ich wünsche mir Frauenbeautrate Im wohnheime das sowas nicht noch mal pariet
also bitte an den budestag mach das getzte dasFrauenbeautrage in Wohnheime und Werkstetten sein müßen danke
Petra Groß
Mitglied von Menschzuert und Weibernetzwerk
Gerhard Lichtenauer "Daheim statt Heim" Österreich schrieb am 24.09.2009, 20:18
Meine erste Reaktion war, weil ich von "sofortiger" Strafanzeige las: "Laut diesem Bericht ["tvtouring.de", Anm.] dürften die Konsequenzen des Heimleiters in Ordnung sein". Die zehnwöchige "Schrecksekunde" des verantwortlichen Direktors - bis "er das belastende Filmmaterial erstmals zu Gesicht bekommen" hat - habe ich überlesen. Das erscheint schon hinterfragungswürdig!
Die Methode dieser "deeskalierenden Maßnahme" ist vermutlich problematisch, aber ohne näheren Einblick traue ich mir keine Beurteilung zu. Es gibt ja auch eine "Festhalte-Therapie".
In Österreich, einer Sonderschule in Hartheim, machte ein Fall von vorübergehendem "Arrest" hinter einem gummizellenartigen Gitterkäfig vor etwa zwei Jahren Schlagzeilen.
Falls die Methode an sich - im Notfall - fachlich akzeptiert sein könnte, dürfte sie in diesem Fall für die Schulungs-Videoaufnahme ohne "Notwendigkeit" missbraucht worden sein. Das Selbstbestimmungsrecht und die Würde der festgehaltenen Person wäre dadurch, wie sich das laut Bericht darstellt, vorsätzlich verletzt worden.
Bei unseren Beschwerden über Pflegemängel gegen Niederösterreichs angeblich "beste Behinderteneinrichtung" vor viereinhalb Jahren fungierte die in den meisten Fällen Kosten(bei)tragende Sozialabteilung erst- und letztinstanzlich (!) als "Aufsichtsbehörde". Diese Aufsichtspflicht wurde wahrgenommen ohne jegliche Fachkompetenz und ohne Prüfungsvorgaben (laut Vernehmungsprotokoll des verantwortlichen Beamten). Mit dieser NÖ-Landesbehörde stimmte der Anstaltsdirektor auch den ungesetzlichen und fristlosen Rauswurf unserer Pflegetochter ab. Auf die Veröffentlichung von immer mehr Details reagiert nun das "Pflegeheim" sehr empfindlich (katja.at/blog/1731/verantwortung-negiert).
Solange Leistungserbringer der Behindertenhilfe von den Kostenträgern "kontrolliert" werden, ist das Produktionsmittel "Patientengut" bzw. der Belag von Endlagerstätten rechtlos und vogelfrey der Willkür des Ökonomisten-Syndikats ausgeliefert.
Fatal wird es, wenn die Staatsanwaltschaft eine Beißhemmung gegen unantastbare "heilige Kühe" verordnet bekommt oder in voreilendem Gehorsam sich diese um des "Landesfriedens" Willen selbst auferlegt.