Berlin (kobinet) In der zahnmedizinischen Versorgung werden behinderten Menschen in Deutschland Leistungen oft vorenthalten. Von Zahnärzten wurden auf der 26. Jahrestagung des Berufsverbandes Deutscher Oralchirurgen (BDO) am 13. und 14. November rigide politische Rahmenbedingungen und Richtlinien in Verbindung mit Ausbildungsdefiziten im Zahnmedizinstudium dafür verantwortlich gemacht.
"Das ist unterlassene Hilfeleistung", kritisiert Dr. Volker Holthaus aus Bad Segeberg. Die zahnmedizinische Versorgung behinderter Menschen sei in Deutschland ein Stiefkind. Die Zahngesundheit von behinderten, betagten, multimorbiden und pflegebedürftigen Menschen sei deutlich schlechter als die anderer Bevölkerungsgruppen.
Dabei, so die Experten für Zahngesundheit, seien Verbesserungen leicht möglich. Neue Untersuchungen zeigten, dass bei geriatrischen Patienten mit Zahnproblemen selbst mit bescheidenen finanziellen Mitteln eine Verbesserung des Zustandes in wenigen Sitzungen erzielt werden könne. Ebenso kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass "eine regelmäßige zahnmedizinische Betreuung von älteren Menschen, die in Heimen oder selbstständig leben, den jeweiligen Behandlungsaufwand sowie die anfallenden Kosten niedrig halten und eine deutliche Verbesserung des oralen und allgemeinen Gesundheitszustandes bewirken könnte".
Doch solche Erkenntnisse stoßen bei den Verantwortlichen bislang auf taube Ohren. "Erforderlich wären politische Rahmenbedingungen, die es uns ermöglichen, behinderte Patienten adäquat prophylaktisch und prothetisch zu versorgen", stellt Dr. Holthaus fest. "Ebenso wäre es nötig, angehende Zahnärzte besser auf die Behandlung solcher Patienten schon im Studium vorzubereiten", fordert der Vorsitzende der AG für zahnärztliche Behindertenbehandlung im BDO.
Doch trotz zahlreicher Bemühungen habe sich die Situation in den letzten Jahren eher verschärft als verbessert. "Die Richtlinien der gesetzlichen Krankenversicherung sind inzwischen so eng gefasst, dass wohlmeinende Sachbearbeiter der Krankenkassen keinerlei Spielraum mehr haben", beschreibt Holthaus seine Erfahrungen. hjr