
Wiesbaden (kobinet) Mit einem Zuschuss in Höhe von 2,9 Millionen Euro und einem zins- und kostenfreien Darlehn in gleicher Höhe unterstütz das Land Hessen den Ersatzneubau der Altenpflegeeinrichtung "Haus am Ostpark", des Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim GmbH.
Einen entsprechenden Bewilligungsbescheid überreichte Jürgen Banzer, Hessischer Minister für Arbeit, Familie und Gesundheit, diese Woche Bürgermeister Dreiseitel und dem Geschäftsführer der GPR, Friedel Roosen. Geplant ist ein 4-geschossiger Bau mit 8 Hausgemeinschaften zu je 12 Bewohnern in Einzelzimmer. Insgesamt sollen 96 Plätze entstehen. Darüber hinaus wird in einem bereits bestehenden Gebäude auch Kurzzeitpflege angeboten, in der nicht nur Verhinderungspflege, sondern auch die Versorgung nach Krankenhausaufenthalten ermöglicht wird. Es wird ausschließlich Einzelzimmer mit eigener Nasszelle geben. Minister Jürgen Banzer begrüßte das Konzept der Hausgemeinschaften als "gerade für Demenzkranke besonders geeignet". "Den Bewohnerinnen und Bewohnern wird so auch in dieser Lebensphase ermöglicht, ein häusliches Umfeld mit gemeinsamer Küche und Gemeinschaftsräumen beizubehalten", betonte Banzer. moh
Gerhard Bartz schrieb am 12.12.2009, 09:26
Sehr geehrter Herr Falkenberg,
Ihre intensive Beschäftigung mit diesem Thema hat Sie anscheinend nicht zum Experten werden lassen. Es ist immer wieder interessant, wie viele Leute mit alten und behinderten Menschen ihr Brot verdienen, ohne dabei diesen Menschen selbst zu helfen. Das konnte man in dieser Woche schon einmal hier lesen.
Sobald ambulante Infrastrukturen da sind, stehen die Anstalten leer oder sind durch fehlende Auslastungen unwirtschaftlich. Kein Mensch will mehr ins "Heim". Ich möchte wetten, Sie auch nicht! Immer mehr Pflegepersonal aus den Heimen wechselt in die Assistenz, weil sie dem Fließbanddruck in den Heimen nicht mehr gewachsen sind, körperlich und oft auch seelisch. Denn das Gewinnstreben der Sozialkonzerne ist nun mal leichter durch immer effektiveres Arbeiten am Menschen zu befriedigen als beim Kostenträger.
Bücher und DVD's zu verkaufen ist das eine. Dort leben zu müssen, das andere. Rund um Deutschland machen es uns Länder vor, dass es möglich ist, ohne Aussonderungsanstalten zumindest in dieser Größenordung auszukommen. Auch die Politik hat es bereits registrieren können: www.bundestag.de/dasparlament/2008/31/Titelseite/21891668.html
Nachdem wir nun endlich die Segnungen der UN-Konvention nutzen können, wird sich diese stationäre Struktur allein aus wirtschaftlichen Gründen auflösen. Da können Sie noch so vehement dagegen anschreiben.
Hans-Dieter Falkenberg schrieb am 11.12.2009, 12:51
Ergänzung zu meinem Stellungnahme:
Ich habe in zwei Hausgemeinschaften hospitiert. Gerne bin ich bereit, Interessenten meinen veröffentlichten Erfahrungsbericht zukommen zu lassen.
Außerdem gibt es eine DVD.
Hans-Dieter Falkenberg schrieb am 11.12.2009, 12:08
Ich gratuliere zu der Bezuschussung durch das Land Hessen. Ich sehe zwar hierin eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber nicht geförderten Pflegeeinrichtungen (ca. 20 Eur je Pflegetag), aber die Entscheidung zur Hausgemeinschaft war richtig und dem aktuellen Trend angepasst. Das Alten- und Pflegeheim konventioneller Art hat keine Zukunftschancen mehr. Es wird Alten- und Pflegeheime immer geben müssen, wenn, dann aber nur noch als Hausgemeinschaft.
Natürlich wird in Zukunft der Markt von ambulant betreuten Hausgmeinschaften und Wohngemeinschaften beherrscht werden, das ist auch gut so. Jedoch müssen Ersatzbauten das zeitgemäße Angebot unterbreiten, und dies geht nach meinen veröffentlichten Berechungen zu gleichen Pflegesätzen, wie sie auch an Alten- und Plegeheime "alter Art" gezahlt werden (siehe u.a. Band 9, KDA, Köln 2002/2003, Vincentz Verlag "Altenheim" 12/2003, Vortrag Staatsministerium Bayern am 9.7.2009, RehaCare D´dorf am 15.10.2009, BG-Gesundheit Hamburg am 9.9.2009).
Die weitere Entwicklung im vollstationären Bereich wird wieder zu kleiner Einheiten gehen, die dem Bedarf auch in kleinen Gemeinden angepasst werden können (ca. 1 % der Bürger, bei 5.000 Bürgern also ca 50 vollstationäre Plätze), und dies wirtschaftlich, gegebenenfalls auch als Satelitten im Umkreis von ca. 35 Kilometern.
Nina Waskowski schrieb am 06.12.2009, 22:49
...Gott sei Danke fanden ja schon einige kluge Menschen vor mir die richtigen Worte, denn mir fällt beim Lesen solcher Zeilen bald nichts mehr ein, was noch anständig genug wäre, um hier noch veröffentlicht zu werden.
Ich stelle mir nur vor, ich würde meinen Demenzkranken, den ich derweil seit 3 Jahren betreue in eine Gruppe mit 12 anderen setzten. Noch dazu in einem Haus mit fast 100 Menschen insgesamt! Unvorstellbar! Er würde vermutlich zu drastischen Gegenmaßnahmen ansetzen und ich wüsste nicht einmal, ob ich das verhindern könnte und vor allem wollen würde.
Wer immer das entschieden hat, der sollte sich nochmal auf die Schulbank setzen und selbst erstmal eine Ausbildung zum Betreuer für Menschen mit Demenzerkrankung machen. Spätestens dort wird einem dann klar, was das für ein Quatsch ist, die Leute in Massenhaltung vegetieren zu lassen.Davon hat - abgesehen von dem darüberstehenden Träger, der sich offensichtlich mal wieder nur am Elend anderer bereichern will - niemand etwas. Die Menschen mit Demenzerkrankung und auch alle anderen Menschen, die dort gehalten werden, neigen gelinde ausgedrückt dort mit Sicherheit zu außerordentlicher "Verhaltenskreativität", worunter dann nicht nur sie selbst, sondern auch die Pflegekräfte (die mal wieder nicht an die Mindestlohngrenze heranreichen werden) schwer leiden. Leidtragende sind alle - nur nicht der liebe Erfinder selbst. Das hat mit Fachlichkeit und scheinbar nur auf dem Papier stehenden Paradigmenwechsel nichts - GARNICHTS - zu tun.
Macht mal weiter so - ich kann da Herrn Bartz nur zustimmen: wenn sowas nicht bald aufhört und die Politik nicht bald ganz drastisch einen Riegel vor solche Aktionen schiebt, geht diese Generation, die das jetzt mitbekommt bald garnicht mehr wählen.
Matthias Grombach schrieb am 06.12.2009, 18:57
Ist das nicht eine Schande wie Menschen mit Menschen umgehen!
Man sollte annehemen die Zeiten der Sklaverei habe unlängst ein Ende gefunden. Diesem Trugschluss sollte man nicht erliegen, sieht man, wie die Volksvertretter - einer der reichsten Staaten der Welt - mit seinen (behinderten u. alten) Mitmenschen umspringt. Wie verblendet muss man sein, nur, des reinen Profits wegen Menschen auszugrenzen, zu isolieren und ihnen Rechte praktisch abzusprechen. Wie kommt man auf die selten blöde Idee, weiterhin die Erbauung von Sonderwelten zu unterstützen und zu finanzieren, die keiner der Betroffenen mehr wirklich will. Geld regiert die Welt. Und davon alles andere als unbeeinflusst, zeigen sich die Politiker/innen und die Sachbearbeiter/innen Deutschlands. Dazu noch unfähig mit Geld umzugehen, wie das Sozialministerium Sachsen-Anhalts kürzlich erst wieder (!) bewies. Die nämlich haben sich, um sage und schreibe rund 7,5 Millionen Euro verrechnet!!! (Wie letzte Woche bekannt wurde) Link: www.mdr.de/nachrichten/6881858.html
Vielleicht sollte man denen einmal einen Betreuer an die Hand geben, damit sie lernen Finanzen solidarisch einzusetzen und vor allem mit Menschen solidarisch umzugehen.
Gerhard Bartz schrieb am 06.12.2009, 13:27
Ein Land, das sich im Ausbau ambulanter Strukturen Mäßigung auferlegt, um die Befüllung seiner steuerfinanzierten Anstalten nicht zu gefährden, betätigt sich nicht nur als gesellschaftspolitischer Geisterfahrer, sondern geht sehr fahrlässig mit dem ihm anvertrauten Geld um. Nicht nur in Hessen werden nach wie vor zumindest zukünftige Überkapazitäten aufgebaut. Sieht man denn nicht, dass dafür in der Bevölkerung keine Nachfrage mehr vorhanden ist? Denn so langsam wächst eine Generation in dieses Alter, die man nicht mehr so leicht wegsperren kann. Die Crux daran ist, dass im ambulanten Bereich die Sozialkonzerne bei weitem nicht mehr die dicke Kohle verdienen können. Solange sich unsere Politikerinnen und Politiker nicht gegen deren Einflüsterungen resistent zeigen, bleibt z.B. die UN-Behindertenrechtskonvention irgend so ein Papier, das man irgendwann unterschrieben und abgelegt hat, um seine Ruhe zu haben.
Vielleicht sollte man doch einmal, zum Beispiel vom Bund der Steuerzahler ausgehend, die Frage in den Raum stellen, ob eine andauernde Fehlleitung von Steuergeldern nicht auch den Straftatbestand der Untreue erfüllt. Da besseres Wissen vorhanden sein müsste, könnte man diesen Vorwurf nicht noch um den "groben Vorsatz" erweitern?
Unsere Gesellschaft verändert sich. Bislang kommt das bei unseren Politikern nur in Gestalt von Wahlverweigerung daher. Von der Fehleinschätzung, dass das alles harmlos sei, sollten sich diese sehr schnell trennen. Wir haben gesehen, wie weit uns die Politik für die Konzerne gebracht hat. Gebraucht wird eine Politik, die den Menschen ihre Würde zurückgibt.
Warten wir die Wahl in Nordrhein-Westfalen im Frühjahr ab. Auch dort scheint man von detaillierten Kenntnissen der Behindertenrechtskonvention noch weit entfernt zu sein. Viele Briefe der Landschaftsverbände an behinderte Bürgerinnen und Bürger sprechen eine eindeutige Sprache. Dabei beziehe ich mich noch nicht mal auf deren hochherrschaftlichen Schreibstil und die vielen fehlerhaften Entscheidungen!
Die von Banken und Konzernen verursachten Haushaltsprobleme sollten doch von jenen auch beseitigt werden. Unsere Menschenrechte aus der UN-Behindertenrechtskonvention stehen keineswegs unter Finanzierungvorbehalt!
Ute Freiheimer schrieb am 06.12.2009, 10:38
Pflegeheime bringen nicht behinderten Menschen grosse Gewinne und Behinderten Menschen einen Weg in die Isolation.
Schluss damit!
Unterschreibt die Petition von ENIL:
www.enil.eu/enil/index.php?option=com_petbreak
Kommissar Spidla ist auch gegen die Isolation Behinderter Menschen:
www.enil.eu/enil/index.php?option=com_content&task=view&id=314&Itemid=80
ec.europa.eu/yourvoice/ipm/forms/dispatch?form=disabilitystrategy3
Rudi Richter schrieb am 06.12.2009, 09:47
Dass das Land Hessen knapp 6 Millionen Euro in die Förderung des Baus eines neuen Altenheimes investiert ist meiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäß. Wenn man bedenkt, wie wenig Geld in den Ausbau ambulanter Strukturen und alternativer Hilfemodelle fließt, ist das eine Schande. Wollen wir wirklich noch in 12er Gruppen in einer Einrichtung mit fast 100 Leuten leben? Ich nicht. Und das dann als besonders fortschrittlich zu verkaufen, das 12 Menschen mit Demenz in einer Gruppe zusammen leben, ärgert mich enorm. Gerade dieser Personenkreis braucht kleine überschaubare Gruppen. Vielleicht sollte der Hessische Minister, der als erste Amtshandlung das Soziale aus seinem Ministerium gestrichen hat, in ein solches Heim einziehen. Wann werden wir endlich verstehen?
Rudi Richter