
Düsseldorf (kobinet) Immer mehr Menschen leiden im Alter unter einer Sehbehinderung. Angesichts dieser Entwicklung sieht die nordrhein-westfälische Landesbehindertenbeauftragte Angelika Gemkow einen dringenden gesellschaftlichen Handlungsbedarf in diesem Bereich.
"Der Alltag von Menschen, die erblinden oder kaum noch sehen können, kann für sie und ihre Familien komplett aus den Fugen geraten. Zum einen müssen sie mit dem Verlust der Sehfähigkeit fertig werden und zum anderen werden sie beispielsweise tagtäglich mit zahlreichen Stolperfallen in der bebauten Umwelt konfrontiert. Blinde und schwer sehbehinderte Menschen brauchen Beratung, Assistenz und Unterstützung. Sie brauchen Hilfen im Alltag, beim Einkaufen, bei Arzt- und Behördenbesuchen, bei der Hausarbeit und Hilfen, um mobil zu bleiben", erklärte Angelika Gemkow in Bielefeld im Rahmen der Jahresabschlussfeier des Blinden- und Sehbehindertenvereins.
Die Landesbehindertenbeauftragte hob in diesem Zusammenhang das Projekt "Wir sehen weiter" hervor, das von der nordrhein-westfälischen Landesregierung im Rahmen des Programms "Teilhabe für alle" mit 1,2 Millionen Euro gefördert wird. In diesem Projekt werden rund 100 ehrenamtliche Beraterinnen und Berater qualifiziert, um medizinische, rechtliche und wirtschaftliche Fragen der Betroffenen zu beantworten und mit praktischen Tipps für den Alltag helfen zu können. Die BeraterInnen sind überwiegend selbst blind oder sehbehindert. Vorgesehen ist außerdem eine Verknüpfung von Angeboten beispielsweise von Ärzten,
Kliniken und Verwaltungsstellen. "Da die Berater zum großen Teil selbst von einer Sehbehinderung
betroffen sind, können sie sich besonders gut in die Lage der Menschen einfühlen", erklärte Angelika Gemkow.
In Nordrhein-Westfalen leben 1,7 Millionen schwerbehinderte Menschen. Davon sind rund 69.000 Menschen blind oder haben eine erhebliche Sehbehinderung. moh