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kobinet-nachrichten
05.01.2010 - 11:14
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

von kobinet-Korrespondent Gerhard Bartz
Berlin (kobinet) Noch weiß niemand, wie der elektronische Entgeltnachweis (ELENA) in der Praxis zu handhaben ist. Auch in den Programmen zur Übermittlung der Daten wie z.B. SV-Net wurde der angekündigte Umsetzungstermin vom 1.1. auf den 10.1.2010 verschoben. Zwischenzeitlich wächst die Zahl der Kritiker täglich. Dabei wurde das Verfahren bereits am 28.03.2009 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Die Regierung reagiert bereits auf die Kritik und will besonders sensible Teile wie Abmahnungs- und Streikdaten gesondert schützen. Dabei bleibt unberücksichtigt, dass jedes Zugeständnis automatisch dazu führen wird, dass die Arbeitgeber wieder Bescheinigungen ausfüllen müssen. Dabei befinden wir uns noch in einem relativ überschaubaren Bereich. Kommen in einer späteren Erweiterung noch z.B. Bescheinigungen der Krankenversicherung hinzu, müssen auch alle Krankheitszeiten, womöglich auch noch mit einem Diagnosekennzeichen wegen der Zusammenrechnung anrechenbarer Vorerkrankungen, übermittelt werden.
Jeder Personalsachbearbeiter kann bestätigen, dass es Bescheinigungen gibt, die selbst Fachleuten Kopfzerbrechen bereiten. Eine automatische Abwicklung dieser Daten muss zu fehlerhaften Ergebnissen führen. Leute, die mit mächtigen Abrechnungsprogrammen elektronische Bescheinigungen entwickeln, können davon ein Lied singen. Selbst bei sorgfältiger Programmierung müssen die Bescheinigungen überprüft und oft von Hand nachgebessert werden. Dies dringt so langsam auch zu den Arbeitgeberverbänden durch, die bislang ELENA irrtümlich als arbeitsplatzeinsparende Innovation gefeiert haben.
Bei diesem Gesetz hat sich nun wirklich niemand mit Ruhm bekleckert. Unbeachtet von der Öffentlichkeit (wer interessiert sich auch schon für so spannende Themen wie Lohnbescheinigungen?) wurde hier ein Verfahren gestrickt, das uns alle gläsern macht und dennoch Fehler über Fehler produzieren muss. Der Slogan "weniger Bürokratie, mehr Effizienz" darf heute schon mit einigen Fragezeichen versehen werden. Die Speicherung der Verdienstdaten, der Fehltage, der Abmahnungen, der Arbeitszeiten über Jahre hinweg und sehr oft ohne jedes dieses rechtfertigende Ereignis ist ein Ansinnen, das erst jetzt unterschiedliche gesellschaftliche Gruppierungen zum Protest aufruft. Wenn die Regierung jetzt einlenkt, ist an einen weiteren Ausbau nicht mehr zu denken. Denn mit jedem weiteren Ausbau steigt die Anzahl der zu übermittelnden Daten erheblich. Oder werden diese heute schon mit übermittelt? Zwischenzeitlich blicken die Fachleute also gespannt auf den 10. Januar 2010.
Siehe auch kobinet-Nachrichten vom 14.12.2009
Weitere Infos auf den ELENA-Seiten
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