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15.01.2010 - 13:43

Menschen mit Behinderungen als NS-Opfer nicht vergessen.

Berlin (kobinet) Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen hat heute daran erinnert, dass Menschen mit Behinderungen zu den ersten Opfern des Nationalsozialismus in Deutschland gehörten. Im "T4-Programm" wurden ab 1939 über 100.000 Menschen mit Behinderungen ermordet.

"Es darf in Deutschland nie wieder eine Ideologie um sich greifen, die Menschen mit Behinderungen das Lebensrecht abspricht. Anfängen bei bioethischen Themen, bei denen versucht wird, zu enttabuisieren und menschliches Leben zu relativieren, muss entschieden entgegengetreten werden", betonte Hubert Hüppe.

Bereits ab 1934 wurden von den Nazis so bezeichnete "Erbkranke" systematisch erfasst, selektiert und zwangssterilisiert. Wissenschaftler führten an vielen weiteren medizinische Experimente durch.

Schon Jahre vor Beginn der NS-Diktatur entwickelte sich eine menschenverachtende Ideologie, die zwischen "lebenswerten" und "lebensunwerten" Menschen unterschied. Diese Ideologie legte den Grundstein für die grausamen Taten der Nationalsozialisten. Die Morde an Menschen mit Behinderungen waren die Vorläufer der späteren Massenmorde an Juden in Vernichtungslagern in ganz Europa.

Hubert Hüppe wird am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, am 27. Januar um 15:00 Uhr, an der Gedenkstätte Tiergartenstrasse 4, 10785 Berlin-Mitte, einen Kranz niederlegen. sch

 

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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Suna Ö. schrieb am 19.04.2010, 17:48

Lebensumstände während der NS-Zeit

Mich würde es interessieren wie es damals war, als Mensch mit Behinderung zu leben, da wir grade ein Schulprojekt durchführen und das ein Unterpunkt in unserem Projekt ist. Ich würde mich freuen wenn ich Informationen bekommen könnte, da ich sehr viel recherchiert haben und wenig gefunden habe.

Mfg

Suna Ö.

Jenny Müller schrieb am 16.01.2010, 12:09

Euthanasiemorde in der NS-Zeit

Die Euthanasiemorde in der NS-Zeit oder Aktion T4 ist eine nach dem Zweiten Weltkrieg gebräuchliche Bezeichnung für die systematische Ermordung von mehr als 100.000 Psychiatrie-Patienten und behinderten Menschen durch SS-Ärzte und -Pflegekräfte von 1940 bis 1941. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden die Massentötungen unter der euphemistischen Überschrift Euthanasie oder Aktion Gnadentod; vollzogen. Die Aktion wurde auch als Vernichtung lebensunwerten Lebens, NS-Krankenmorde bekannt. Unterschieden werden heute nach Art der Steuerung die drei verschiedene Phasen Kinder-, Erwachsenen- und dezentralewilde; Euthanasie. Hubert Hüppe hat Recht, wenn er sagt, dass in Deutschland nie wieder eine Ideologie um sich greifen darf, die Menschen mit Behinderungen das Lebensrecht abspricht. Nach Meldungen englischer Zeitungen ist Thalidomid, die Grundsubstanz von Contergan, das von der Firma Grünenthal vermarktet wurde, ein Produkt der NS -Forschung. Auch die schwerstbehinderten Opfer dieses Medikamentes verdienen einen würdevollen Umgang seitens der Bundesregierung.

Stephan Nuding schrieb am 15.01.2010, 19:30

Die letzten Opfer der NS - Medizin?!

Die in ihrem Grauen und in ihren Dimensionen einzigartige Singularität der NS - Verbrechen kann und darf in keiner Weise relativiert werden.
Neben den Gemordeten der T4 - Aktion, ist aber (im Kontext ihres Artikels) auch der Frauen und Männern zu gedenken, welche die Menschenversuche und Mordeinrichtungen der NS - "Wissenschaftler" - - zumeist geschädigt für ihr ganzes Leben - überlebt haben.
In diesem Zusammenhang sei es aber auch gestattet darauf hinzuweisen, dass eine Vielzahl von gesuchten und verurteilten NS - Wissenschaftlern in der Bundesrepublik Deutschland wieder zu Amt und Würden kamen.
Es sei auch daran erinnert, dass es ernst zu nehmende Indizien dafür gibt, dass Thalidomid, die Grundsubstanz von Contergan, ein Produkt der NS - Forschung ist (vgl. u.a. "Sunday Times" vom 8.2.2009).
So bleibt zu hoffen, dass Herr Hüppe, in seiner Funktion als Bundesbehindertenbeauftragter, diesen Hinweisen nachgeht, die bisher von der Bundesregierung weitgehend ignoriert wurden.
Es ist an der Zeit in dieses Kapitel Licht zu bringen.
Denn sollten die tausenden von Toten und Verstümmelten, die Thalidomid in über 40 Ländern verursacht hat, ein Produkt des 3. Reiches sein, dann verdienen die Contergan- / Thalidomidgeschädigten den gleichen Respekt und die gleiche Achtung, wie alle anderen Menschen, die durch das faschistische Grauen getötet oder geschädigt wurden.

Stephan Nuding (Sprecher des Deutschen Conterganopfer Hungerstreikkomitees)

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