
Dortmund (kobinet) Der Aufbau eines Beratungsnetzes in Nordrhein-Westfalen, das blinden und hochgradig sehbehinderten Menschen bei der Bewältigung ihres Alltags helfen soll, ist abgeschlossen. Sozialminister Karl-Josef Laumann kam heute nach Dortmund, wo Zertifikate an weitere Berater übergeben wurden.
In dem Projekt "Wir sehen weiter" wurden in den vergangenen zwei Jahren rund 100 ehrenamtliche Berater in mehr als 250 Unterrichtsstunden qualifiziert, um medizinische, rechtliche und wirtschaftliche Fragen beantworten und mit praktischen Tipps für den Alltag helfen zu können.
"Wenn man erblindet, werden gewohnte Alltagsabläufe zu unüberwindbaren Hürden. In dieser Situation brauchen Betroffene und Angehörige einen kompetenten Ansprechpartner, der den Weg durch das Dunkel weist", sagte Sozialminister Karl-Josef Laumann heute bei der Übergabe der Zertifikate an die zweite Gruppe der Berater, die ihre Qualifizierung jetzt beendet haben. Die erste Hälfte der Berater hat im vergangenen Jahr ihre Ausbildung abgeschlossen und arbeitet bereits am Aufbau der Beratungsstellen.
Das Projekt, das sich vor allem an ältere Betroffene wendet, wird vom Blinden- und Sehbehindertenverein Westfalen gemeinsam mit anderen Blindenvereinen durchgeführt und vom nordrhein-westfälischen
Sozialministerium zwischen 2007 und 2010 mit fast 1,2 Millionen Euro finanziert.
Im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland erblinden jährlich etwa 6.000 Menschen. Rund 34.000 Personen beziehen derzeit Blindengeld, fast drei Viertel von ihnen sind älter als 60 Jahre. Die so genannten "Hilfen für hochgradig Sehbehinderte" erhalten mehr als 11.000 Menschen, davon sind sogar mehr als 85 Prozent älter als 60 Jahre. Nach wissenschaftlichen Prognosen wird es 2030 etwa ein Drittel mehr blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen als heute geben. sch