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15.01.2004 - 11:05

Rolligerecht reisen.

Hamburg (kobinet) Im Rückblick auf das Jahr der Menschen mit Behinderungen beschäftigt sich ein Beitrag von Thomas Röbke in der heute erschienenen Ausgabe des Wochenblatts DIE ZEIT damit, ob es in der Tourismusbranche wirklich etwas bewirkt hat. Ein barrierefrei ausgestattetes Bad, durch dessen Tür kein Rollstuhl passt, Buffets und Rezeptionen in «behindertenfreundlichen» Hotels, die unerreichbar hoch sind, und Türschwellen, die satte acht Zentimeter messen: Das gehörte auch 2003 zum Reisealltag, heißt es darin. «Es ist nicht alles barrierefrei, wo Barrierefreiheit draufsteht», wird DTV-Präsident und Staatssekretär Tilo Braune zitiert. Deshalb sollten schon bei der Planung und erst recht beim Bau behindertenfreundlicher Hotels verstärkt Betroffene einbezogen werden. Der Deutsche Tourismusverband fordert jetzt ein Gütesiegel für behindertengerechtes Reisen. Derzeit seien 80 Prozent der gedruckten Informationen auf dem Tourismusmarkt unzuverlässig, sagt Wilfried Steinmüller, Vorsitzender des Vereins «Ohne Barrieren». Jeder Anbieter lege den Begriff «barrierefrei« individuell aus. Steinmüllers Verein hat in Mecklenburg-Vorpommern gerade 1200 Einrichtungen mit Zollstock und Wasserwaage auf die Zugänglichkeit für Behinderte kontrolliert. Vier Faktoren mussten stimmen: Ist die Unterkunft barrierefrei? Ist die Infrastruktur behindertengerecht? Sind Angebote vom Ausflugsschiff bis hin zum Museum ohne große Schwierigkeiten zu erreichen? Lässt sich in öffentliche Verkehrsmittel leicht einsteigen? Nicht alle Faktoren waren gleich gut ausgeprägt, sagt Steinmüller. Trotzdem haben 800 Einrichtungen den Test bestanden. Das vergangene Jahr habe viele Barrieren in den Köpfen genommen, sagt Peter Neumann vom Beratungsunternehmen NeumannConsult. So wäre die ADAC-Planungshilfe über Barrierefreien Tourismus für alle wahrscheinlich erst viel später erschienen. Die Planungshilfe enthält Checklisten, mit denen Hoteliers, Gastronomen und Fremdenverkehrsmanager ihr eigenes Angebot kritisch überprüfen können. «Jeder Euro, der in diesen Bereich gesteckt wird, erhöht den Komfort und Wert des gesamten Angebots», sagt DTV-Präsident Braune – nicht nur für den «klassischen» Rollstuhlfahrer, sondern auch für Reisende mit Gipsbein, Schwangere, Familien mit Kinderwagen und ältere Menschen. Immerhin werden 2020 rund 29 Prozent der Deutschen über 60 Jahre alt sein. Braune: «Im internationalen Vergleich werden sich diejenigen Anbieter gut positionieren, die den barrierefreien Tourismus frühzeitig zu ihrem Thema machen.» sch  

 
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