
Von kobinet-Redakteurin Anke Glasmacher
Berlin (kobinet) Seine internationale Premiere feierte heute der Film "Howl" der beiden amerikanischen Regisseure Rob Epstein und Jeffrey Friedman.
"Howl" (Das Geheul) erzählt die authentische Geschichte des amerikanischen Dichters Allen Ginsberg, der 1956 mit einem Schlag berühmt wurde, als sein Text "Howl" vor Gericht steht. Wegen der Verbreitung obszöner Schriften verhaftet und angeklagt ist sein Verleger Lawrence Ferlinghetti, der in seinem Verlag City Light Books 520 Exemplare hatte drucken lassen. Das Gerichtsverfahren gilt heute als Geburtsstunde der sog. "Gegenkultur". Ginsberg, künstlerischer Weggefährte und eng befreundet mit Bob Dylan, starb 1997 im Alter von 70 Jahren in New York.
Die beiden Regisseure Robert Epstein und Jeffrey Friedman weben um das Originalgedicht "Howl" eine aus mehreren Perspektiven erzählte Geschichte rund um die Gerichtsverhandlung, die erste öffentlichen Lesung des Werkes in der Six Gallery in San Francisco und das offen schwule Leben des Dichters.
Vor Gericht, das wird sehr schnell deutlich, steht nicht nur ein Gedicht. Vor Gericht steht eine traumatisierte Nachkriegsgeneration mit ihrer ganzen Wut, Verzweiflung, Verwirrtheit und Sprachlosigkeit. Vor Gericht steht mit der Kunst das Grundrecht auf Meinungsfreiheit.
Epstein und Friedman haben mit ihrem intelligent erzählten Film nicht nur ein Gesamtkunstwerk aus klug komponierten Bildern, Musik und Text geschaffen, sondern halten ein nachdrückliches Plädoyer für etwas, das im Zeitalter der globalen Information mehr denn je verloren zu gehen scheint: Die Freiheit des Wortes.
Der zweite Wettbewerbsbeitrag des heutigen Berlinale-Tages ist die französisch-englisch-deutsche Produktion "The Ghost Writer" von Roman Polanski.
"The Ghost", wie er sich nennt, soll das Leben des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang schreiben. Da ist er nun schon der zweite. Der erste Ghostwriter wurde gerade tot aus dem Meer gefischt. Selbstmord, heißt es schnell. Zu schnell, findet der neue Ghostwriter, der bereits überfallen wird, als er den Vertrag noch gar nicht unterschrieben hat. Irgendjemand scheint etwas dagegen zu haben, dass die Biographie des Premiers jemals geschrieben wird.
Es sind weniger seine vermeintlich recht schwach ausgeprägten investigativen Fähigkeiten denn vielmehr die in Aussicht gestellten 250.000 Dollar, die seine Entscheidung beeinflussen, den Auftrag anzunehmen. Schon bald zieht er in das Haus des Premiers, der mit einer kleinen Entourage zum Urlaub in den USA weilt. Kaum am Flughafen angekommen, berichten die Fernsehsender, dass sein Amtsnachfolger Adam Lang beschuldigt, mutmaßliche Terroristen an die CIA und damit der Folter ausgeliefert zu haben. Ein Kriegsverbrechen, wenn die Anschuldigen stimmen sollten. Lang würde sich vor dem Internationalen Gerichtshof verantworten müssen. Ist das der Grund, warum die Biographie nicht erscheinen soll? Der neue Ghostwriter taucht unfreiwillig ein in ein Geflecht von politischer Intrige und einer globalen Verschwörung.
Mit "The Ghost Writer" präsentiert Roman Polanski einen stimmig erzählten und bis zur letzten Minute spannend und actionreich inszenierten Polit-Thriller. Hervorragend: Ewan McGregor als Ghostwriter. Ein Film, der wieder Lust macht auf das Genre. ag