
Von kobinet-Redakteurin Anke Glasmacher
Berlin (kobinet) Der japanische Regisseur Koji Wakamatsu hat heute seinen neuen Film "Caterpillar" im Wettbewerb vorgestellt.
Leutnant Kyuzo Kurokawa (Shima Ohnishi) kehrt als Kriegsheld aus dem japanisch-chinesischen Krieg 1945 in sein Dorf zurück. Hochdekoriert ist er. Doch im Krieg wurde er schwer verwundet. Arme und Beine fehlen ihm, sein Gesicht ist entstellt, hören kann er nichts mehr und sich verständigen nur noch mit Hilfe einiger Laute.
Seine Frau Shigeko Kurokawa (Shinobu Terajima) ist verzweifelt. Doch die Familie und das Dorf erwarten von ihr, dass sie sich von nun an um ihren Ehemann kümmert. Sie soll das Vorbild für die Frau eines Kriegshelden sein - zur Ehre des Kaisers. Das Dorf ist stolz auf seinen Helden und schmückt sich mit seinen Ehrenmedaillen, doch mehr als aufmunternde Worte erhält Shigeko keine. Alleine gelassen mit der Verantwortung und der Pflege ihres Mannes verzweifelt sie zunehmend. Immer seltener erträgt sie seine fordernde Hilflosigkeit. Immer mehr bröckelt das Heldenbild. Ihre Fürsorge schlägt um in Misshandlung.
Wakamatsu demontiert in seinem Film Stück für Stück das Bild des vermeintlichen Kriegshelden. Man könne eine Kriegsgeneration nur dann verstehen, wenn man sich mit dem Leben derer beschäftige, die unter dem Krieg am meisten leiden mussten: die Frauen und die Kinder, sagte Wakamatsu über seinen Film. Manche seiner Szenen sind schwer zu ertragen. Das liegt auch an dem intensiven Spiel der beiden Hauptdarsteller. Der Ansatz, die andere Seite des Krieges zu zeigen, ist überzeugend. Trotzdem: Statisch wirken viele der Szenen, die Aussage ist zu plakativ, um wirklich berühren zu können. Und so nimmt man dem Film die Auseinandersetzung mit Kriegsschuld und Verantwortung nicht ab. ag