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kobinet-nachrichten
25.02.2010 - 19:44
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Der Verein WüSL - Selbstbestimmt Leben in Würzburg e.V. teilte uns heute mit: "WüSl trauert um seine geliebte Mitstreiterin Lucia Bachmeier, die 49-jährig an den Folgen einer Krebserkrankung starb. Sie war Gründungsmitglied des Vereins und arbeitete seit 1995 hauptsächlich in der Beratung. Ihre Schwerpunkte lagen neben Öffentlichkeitsarbeit in der Frauenarbeit, wo sie viele Veranstaltungen zu Frauenpolitischen Themen organisierte. Mit ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn vertrat sie kompromisslos die Anliegen der Ratsuchenden. Ihr Humor und ihre Geradlinigkeit waren dabei immer wohltuend. Wir vermissen sie sehr! Ihre Beisetzung findet im engsten Familien- und Freundeskreis statt. " gba
Gedanken hierzu von kobinet-Redakteur Gerhard Bartz
In den ersten beiden Monaten dieses Jahres musste die Behindertenbewegung bereits große Verluste beklagen. Stets waren es Menschen, die ehrenamtlich an der lokalen Basis die wichtige Arbeit leisten: Joachim Harig aus Hannover, Jürgen Markus aus Marburg, Peter Schumacher aus Schwalmstadt und nun Lucia Bachmeier aus Würzburg. Sie hat tatkräftig mitgeholfen, WüSL e.V. aufzubauen und zu dem zu machen, was er heute ist: Ein zwar kleiner aber feiner und umtriebiger Verein in Unterfranken, der großartige Arbeit leistet. Diese Arbeit ist nur möglich, wenn es Leute wie die oben aufgelisteten gibt, die die Dinge vor Ort vorwärts treiben. Da kann in Berlin noch so viel beschlossen werden, wenn die Durchsetzung vor Ort an den Verwaltungen und Räten zu scheitern droht, sind es oft die kleinen Vereine mit ihren Aktivisten, die durch ihren Druck doch noch Veränderungen herbeiführen und den Paradigmenwechsel retten. Da die handelnden Personen oft auch noch selbst behindert sind, gebührt ihnen doppelter Dank für ihre Arbeit. Es wird Zeit, dass wir diesen Leuten ein Denkmal setzen. Denn "Wir werden dich nie vergessen", ist leicht und schnell gesagt und schwer getan. Ich möchte drei Namen nennen: Wolfgang Uhl, gestorben 1998, Prof. Ingolf Österwitz, gestorben 1999, Gusti Steiner, gestorben 2004. Wer kennt sie noch?
Was liegt näher, als für all die "großen" und "kleinen" Mitstreiterinnen und Mitstreiter eine virtuelle "Hall of fame" einzurichten. Dort kann man sie aufsuchen und sich ihrer erinnern. Dort können Fotos, Lebenslauf, Aufsätze und ähnliches die Besucher dabei unterstützen, dieses Gedenken aufrecht zu erhalten. Diese Leute haben sehr viel für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft getan. Allzu selten wurde es registriert und führte zur gesellschaftlichen Anerkennung. Deshalb sollten wenigstens wir Menschen mit Behinderung dafür Sorge tragen, dass ihre Taten unvergessen bleiben. Ich bitte mir abzunehmen, dass ich diese Gedanken nicht deshalb schreibe, weil ich für diese Gedenkstätte der Behindertenbewegung auch jemand benennen könnte.
Mary Poppins schrieb am 28.02.2010, 14:05
Hallo Gerhard,
die Idee, eines Erinnerungs-Raumes, der denjenigen einen Platz geben soll, die schon weiter gegangen sind, finde ich eigentlich sehr schön.
Vielleicht könnte man über die Benennung noch ein bißchen nachdenken. Ist"fame" wirklich eine Begrifflichkeit, die ihnen entspricht oder dem, was sie erreichen wollten?
Ich verstehe schon die Anlehnung...aber brauchen wir die?
Liebe Grüße
Mary Poppins
Peter Stabenow schrieb am 26.02.2010, 23:54
Lucia Bachmeier kannte ich persönlich als eine gute Bekannte sehr gut- Sie hatte 2002 bei Mensch Zuerst e.V. in Kassel angerufen mit der Anfrage, ob eine Person aus Kassel bei WuesL e.V. einen Vortrag über die Arbeit von Mensch Zeurst e:V. halten könnte.
Da mich einer der Mitarbeiter unseres Büros in Kassel mich als guten Redner empfahl, reiste ich mit Wohlwollen in Würzburg an, wo mich Lucia mit ihrem Feund Thomas an einem sonnigen Herbstnachmittag vom Würzburger Hauptbahnhof abholte. Wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut und hatten einen sehr guten Kontakt.
Da Lucia nicht zu den Menschen mit Lernschwierigkeiten zählte, sah ich es und sehe es heute nicht als für selbstverständlich, dass sie bei Mensch Zuerst e.V. anfragte, um mit ihren lieben Mitstreiterinnen und Mitstreitern über die Situation von Menschen mit Lernschwierigkeiten zu erfahren. Denn leider ist es immer noch so, dass grosse Vorurteile Menschen mit einer sogenannten "geistigen Behinderung" gegenüber bestehen.
Lucia möge ein grosses Vorbild sein, dass auch andere Menschen, die keine Lernschwierigkeit haben an der Arbeit unseres Personenkreises interessiert sind und uns zu hören und von uns lernen bzw. dass wir von einander lernen!
Ich bin fest davon überzeugt, wenn wir alle, die ein Stück Weg mit Lucia Bachmeier gegangen sind, dass sie es als Seele spürt, wenn wir auf ihr Leben zurückblicken und über sie sprechen.
Peter Stabenow Bad Dürkheim
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