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26.02.2010 - 05:57

Immer mehr Menschen droht Altersarmut.

Berlin (kobinet) Immer mehr Menschen droht nach Ansicht des Sozialverbandes VdK Deutschland Altersarmut. Der Sozialverband fordert daher anlässlich des nationalen Auftakts des Europäischen Jahres gegen Armut und soziale Ausgrenzung einen rentenpolitischen Kurswechsel für mehr Sicherheit im Alter.

"Von Altersarmut sind in Deutschland immer mehr Menschen bedroht, die vorzeitig erwerbsunfähig werden, die aufgrund von Arbeitslosigkeit oder der Pflege von Angehörigen nur brüchige Erwerbsbiografien vorweisen können oder von Billigjobs ohne Altersabsicherung leben müssen", sagte die Präsidentin des VdK, Ulrike Mascher im Rahmen einer VdK-Fachkonferenz, die sich mit den Ursachen und Folgen von Altersarmut beschäftigte. Nach Auffassung des Sozialverbands VdK Deutschland sagen die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zu den Empfängern von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung bereits viel über die wachsende Altersarmut in Deutschland aus. Demnach erhielten Ende 2008 rund 768.000 Menschen Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Gegenüber Ende 2003 erhöhte sich damit die Zahl der Hilfebezieher um rund 329.000 Personen oder 75 Prozent. "Unter den gegenwärtigen Bedingungen werden die Armutsrisiken weiter drastisch zunehmen und immer mehr Rentner auf Grundsicherung im Alter angewiesen sein", warnte Ulrike Mascher.

Der VdK fordert seit langem, die Regelsätze in der Grundsicherung für ältere Menschen und Erwerbsgeminderte anzuheben und jährlich bedarfsgerecht anzupassen. Mascher mahnte die Bundesregierung an, Maßnahmen in Angriff nehmen, um zu verhindern, dass immer mehr Menschen im Alter auf Grundsicherung angewiesen sind. Die gesetzliche Rente und die Erwerbsminderungsrente müssten armutsfest gemacht werden. Dazu gehöre die Abschaffung der Rentenabschläge für Erwerbsminderungsrentner, die aus Krankheitsgründen nicht bis zum 65. Lebensjahr arbeiten können. Zudem sollte die gesetzliche Rente nach langjähriger vollzeitnaher Erwerbstätigkeit deutlich über dem Grundsicherungsniveau liegen. Im Jahr 2030 muss ein Durchschnittsverdiener bereits 34 Jahre lang (statt 28 Jahre heute) einen entsprechenden Beitrag zahlen, um eine Rente auf Grundsicherungsniveau zu erhalten.

Die Rentengarantie sei laut Mascher zwar ein Schritt in die richtige Richtung. Die VdK-Präsidentin hob jedoch hervor, dass weitere Nullrunden bei der Rente nur verhindert werden könnten, indem die Rentenkürzungsfaktoren wie der Riester- oder der Nachholfaktor abgeschafft würden. "Es muss wieder sichergestellt werden, dass nach langjähriger vollzeitnaher Erwerbstätigkeit die gesetzliche Rente deutlich über dem Grundsicherungsniveau liegt und das allgemeine Rentenniveau durch Rückkehr zur dynamischen Rente, insbesondere durch Streichung der Dämpfungsfaktoren in der Rentenanpassungsformel wieder angehoben wird", betonte Mascher. Auch die jüngere Generation könne kein Interesse an einer ständigen Absenkung des Rentenniveaus haben. Was man den heutigen Rentnern wegnehme, würde auch den künftigen Rentnern fehlen.

Auch sozialpolitische Entscheidungen wie die Rente mit 67 haben für Ältere, insbesondere für Frauen, gravierende Folgen und führen zu einer akuten Armutsgefährdung im Alter. "Solange nicht Maßnahmen getroffen werden, die die Beschäftigungsfähigkeit und -chancen älterer Arbeitnehmer verbessern, ist die Rente mit 67 nichts weiter als eine Rentenkürzung - und ein Weg in die Altersarmut", betonte Mascher.

Dringend verbessert werden muss aus Sicht des VdK auch die rentenrechtliche Absicherung von Langzeitarbeitslosen. Derzeit erwirbt ein Hartz IV-Empfänger, der von 359 Euro Regelsatz leben muss, einen monatlichen Rentenanspruch von 2,09 Euro. "Wenn der Betrag nicht deutlich erhöht wird, ist Altersarmut auch für diese Menschen vorprogrammiert", prognostiziert die VdK-Präsidentin.

Der VdK hatte bereits im Jahr 2008 mit seiner "Aktion gegen Armut" auf die alarmierenden Zahlen und Entwicklungen aufmerksam gemacht. "Arbeitslosigkeit, Niedriglöhne und Rentenkürzungen führen in den kommenden Jahren zu einer steigenden Altersarmut - wenn nicht die gesetzliche Rentenversicherung gestärkt wird. Es ist höchste Zeit zu handeln. Die im Koalitionsvertrag angekündigte Regierungskommission muss daher zügig ihre Arbeit aufnehmen und nachhaltige Lösungen gegen die Armut entwickeln", so Mascher. moh
 

 
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