Kassel (kobinet) Das Netzwerk People First Deutschland hat in den letzten
Jahren eine Menge heißer Eisen angepackt, in dem es die bestehende
Behindertenarbeit immer wieder aus dem Blickwinkel von Menschen mit
Lernschwierigkeiten herausgefordert hat. Diejenigen, die herkömmlich als
«geistig Behinderte», «die Schwachen» oder als diejenigen bezeichnet wurden,
die angeblich nicht für sich selbst sprechen können, haben Mittel und Wege
gefunden, sich verständlich zu machen und sich in die Behindertenpolitik
einzumischen. Nachdem das Netzwerk People First Deutschland zur Zeit mit
Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung
Schulungen mit Heimbeiräten in verschiedenen Einrichtungen durchführt, setzt
sich die Organisation ab heute verstärkt auch mit der Persönlichen
Zukunftsplanung auseinander.
«Was wir bei uns immer wieder erfolgreich gemacht haben, wollen wir nun auf
breitere Beine stellen. Die Idee der Persönlichen Zukunftsplanung ist
deshalb eine gute Sache, weil dabei behinderte Menschen in den Mittelpunkt
gestellt und ermutigt werden, zu träumen. Auf dieser Basis werden dann
konkrete Ziele gesetzt und überlegt, wie diese Ziele erreicht werden können.
Ich selbst habe mir immer gewünscht, außerhalb einer Behindertenwerkstatt zu
arbeiten und habe es mit Hilfe der Zukunftsplanung und sicherlich auch mit
viel Glück geschafft, diesen Schritt zu machen. Nun wollen wir auch anderen
behinderten Menschen, Einrichtungen und Organisationen dabei helfen,
Schritte zu mehr Selbstbestimmung zu wagen und zu machen. Denn wie unser von
der Aktion Mensch gefördertes Projekt heißt, ist es längst Zeit für
Veränderungen», so Stefan Göthling, Bundesgeschäftsführer des Netzwerk
People First Deutschland.
Mit der einjährigen Aufklärungskampagne werden nicht nur engagierte Menschen
aus diesem Bereich wie Susanne Göbel, Stefan Doose und Carolin Emmerich
einbezogen und die Aktivitäten zur Zukunftsplanung gezielt voran getrieben
und koordiniert, sondern auch modellhafte Schulungen durchgeführt, um die
Möglichkeiten des Konzeptes aufzuzeigen. «Denn gerade für behinderte
Menschen ist es wichtig, einmal träumen zu dürfen und dem Anpassungsdruck zu
entrinnen, um den Blick für mehr Selbstbestimmung frei zu machen. Dabei
wollen wir helfen und MultiplikatorInnen schulen, so dass die Persönliche
Zukunftsplanung auch hierzulande als Instrument anerkannt und eingesetzt
wird, bei dem die Betroffenen selbst und ihre Wünsche und Ziele im
Mittelpunkt stehen», so Susanne Göbel, die das Projekt zusammen mit dem
Netzwerk People First Deutschland entwickelt hat.
Dabei konnte sie auf eine Vielzahl von Erfahrungen zurück greifen, die sie
mit der Persönlichen Zukunftsplanung schon vor vielen Jahren in den USA
gemacht hat, denn die Persönliche Zukunftsplanung wird dort schon auf
wesentlich breiterer Ebene angewandt, um den Hilfebedarf behinderter
Menschen zu ermitteln und soziale Netzwerke von Behinderten zu stärken. Von
dieser Idee werden wir also in den nächsten Monaten auch hierzulande im
Rahmen der People-First-Kampagne mehr zu hören bekommen, «denn gerade
behinderte Menschen, die immer noch in Großeinrichtungen leben müssen,
brauchen dringend eine Perspektive für mehr Selbstbestimmung oder wollten
Sie ihr Leben lang zum Teil in Doppel- oder Mehrbettzimmern leben müssen und
massiv in ihrer Bewegungsfreiheit in einer Großeinrichtung auf der grünen
Wiese eingeschränkt sein, wie dies bei vielen HeimbewohnerInnen leider immer
noch der Fall ist?», fragt Stefan Göthling von People First. omp