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kobinet-nachrichten 04.03.2010 - 00:05
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http://www.kobinet-nachrichten.org

Ihr Traum ist es Lehrerin für Menschen mit Unterstützter Kommunikation zu sein

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Mainz (kobinet) Fikria Abbaz hat einen Traum: Sie möchte als Lehrerin für Menschen mit Unterstützter Kommunikation arbeiten. kobinet-Korrespondentin Susanne Göbel sprach mit der 26jährigen aus Essen über ihren Traum und ihre Erfahrungen als Nutzerin einer Kommunikationshilfe.

Das Interview wurde per Mail geführt. Die Antworten wurden sprachlich nur dort [sichtbar] ergänzt, wo dies für das Verständnis notwendig war.

Sie nutzen einen Talker zum Kommunizieren. Was ist ein Talker?
Talker ist Unterstützte Kommunikation für Leute, die nicht reden können. die keine Stimme haben oder sehr schlecht zu verstehen sind.

Seit wann nutzen Sie einen Talker?
Seit 17.4.2002. Dank meiner Lehrerin, Frau R., die hat mit mir nie die Hoffnung aufgeben. [Sie hat mich] immer so gesehen: genervt, schon in erster Klasse. Ich immer: nein will keinen Talker. Die hat oft gefragt ob ich Talker will, aber ich [habe] immer nein [gesagt], aber dann [habe] ich so [gedacht]: ach versuche es mal. [Ich] bin ihr sehr dankbar.

War es schwierig, den Talker finanziert zu bekommen?
Ja, meine damalige Lehrerin hat mir sehr viel geholfen, mit Arzt und Krankenkasse und noch viel mehr. [Wir] mussten oft rum rennen weil die [sagten]: Wieso das geht auch ohne Gerät, [du] hast ja davor auch ohne Talker gesprochen. Davor habe ich in der Schule geschrieben was ich sagen wollte. Mit Talker geht es viel schneller.

Was haben Sie für Erfahrungen in Ihrer Schule gemacht?
Dass die uns helfen wollen, aber ich habe das leider erst spät eingesehen, ich war jung und leider blöd, habe nur Blödsinn gemacht. Man sieht was aus mir geworden [ist], noch nicht mal Hauptschulabschluss. Na ja.

Wo und wie haben Sie gelernt, den Talker zu benutzen?
Habe den Powertalker am 17.4.2002 bekommen. Meine Schulzeit war 2002 zu Ende gegangen, war so Juni, hatte also nicht viel Zeit das zu lernen. Aber hatte so für halbes Jahr noch Lehrerin, die sich mit Unterstützter Kommunikation auskannte, die zu mir nach Hause kam, so einmal in der Woche. Da hab ich bisschen gelernt. Und sehr viel alleine.

Wie haben Sie das Kommunizieren geübt?
Mit immer viel reden, habe den [Talker] nicht nur in Ecke gelegt, wie es die viele anderen, die Talker haben, leider tun.

Hat sich Ihr Leben verändert, seit Sie Ihren Talker benutzen?
Ich bin damit viel selbstbewusster geworden. Mache viel allein und so.

Was genau ist anders? Was ist besser?
Dass ich so mit vielen Leuten reden kann. Dass ich keine Hilfe mehr brauche.

Gibt es auch Dinge, die schwierig sind?
Damit Sport zu machen. Oder so wie normale Leute zu reden. Das geht, aber viel langsamer, darum versuche ich mich immer kurz zu halten, damit die nicht so lang warten müssen.

Benutzen Sie den Talker überall?
Ja. Benutze viel den Talker im Job und privat.

Welche Erfahrungen machen Sie mit Menschen, die Sie nicht kennen, und mit denen Sie per Talker kommunizieren?
Die gucken erst mal, dann sind die so begeistert, dass die gerne gucken wollen. Oder sagen oft schon: dass es so was gibt!

Gibt es Menschen, die Sie wegen Ihres Talkers neugierig oder ungläubig anschauen oder ansprechen?
Finde ich gut. Die zeigen Interesse.

Was bedeutet der Talker für Sie heute?
Ist mein alles. Dass ich das mal sage, hätte ich auch nicht gedacht

Was wünschen Sie sich von der Gesellschaft, als eine Frau, die mit Talker kommuniziert?
Dass die uns so nehmen, wie wir sind, z.B. [auf dem] Arbeitsmarkt, da uns auch Jobs anbieten oder so.

Gibt es noch andere Wünsche?
Das sie uns ins Leben mit anbinden, wie z.B. in der Schule, uns nicht in Sonderschulen abschieben oder in Werkstätten oder so.

Sie arbeiten zurzeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen. Was wäre Ihr Traumberuf?
Lehrerin für Leute mit unterstützter Kommunikation. Also das will [ich] mal erreichen, Leute zu unterrichten. [Das] ist voll mein größter Traum.

Wer mit Fikria Abbaz Kontakt aufnehmen will, kann dies unter folgender E-Mail tun: aab-baz@versanet.de sgö
 

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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Karin Henning - Hauck schrieb am 04.03.2010, 08:59

Das gibt Hoffnung


Ich finde diesen Bericht sehr gut, aber leider wird es meiner Tochter die vor einem Jahr aus der IDSB ( Internationalen Deutschen Schule Brüssel )aufgrund von Selek. Mutismus hinausgeworfen wurde nicht mehr helfen können.

Ich hoffe, dass die Schulen endlich aufwachen und die Kinder nicht immer nach ihrem Können und nicht Können aussortieren, sondern jedem Kind die Möglichkeit geben seinen Weg zu gehen.

Warum wird man von den Lehrern nicht darauf hingewiesen das es solche Möglichkeiten für den Unterricht gibt ? Uns und meiner 10 Jährigen Tochter wären zwei Jahre Diskrimination und Psychoterror erspart geblieben.

Gehen sie ihren Weg, sie werden eine tolle Lehrerin.

Viele Grüße Karin

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