
Berlin (kobinet) Die Lufthansa will künftig Rollstühle als festes Bordequipment mitführen. Diese Ankündigung hält Kay Macquarrie für ein echtes und hoffentlich beispielgebendes Statement. Im kobinet-Interview hofft der Kieler Vielflieger heute, dass seine Petitionen im Deutschen Bundestag und im Europäischen Parlament für "Barrierefreies Fliegen" Wirkung zeigen.
kobinet: Auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin rücken zunehmend spezielle Zielgruppen ins Blickfeld der Branche. Nachdem Senioren bereits als Wachstumsmarkt entdeckt wurden, nehmen auch die Angebote für behinderte Reiselustige zu. Wie entwickelt sich in dieser Hinsicht das Flugwesen?
Macquarrie: In diesem Frühjahr sind die europäischen Staaten angehalten, die Europäische Kommission über den Stand der Umsetzung der Flugverordnung der EU zu informieren. In diesem Zusammenhang wird auch die Petition "Barrierefreies Fliegen" geprüft und der Aspekt, ob jetzt empfohlen wird, künftig die Mitnahme von Bordrollstühlen verpflichtend zu machen.
kobinet: Zu Bordrollstühlen gab es einen für Sie überraschenden Anruf von der führenden deutschen Luftfahrtgesellschaft mit dem Kranich, war in Ihrem Blog Recht auf Klo zu lesen ...
Macquarrie: ... tatsächlich hat die Lufthansa bei mir angerufen und angekündigt, künftig Bordrollstühle nicht nur bereitzustellen, sondern als festes Bordequipment mitzuführen. Gerade vor dem Hintergrund einer zögernden Politik (die sich noch immer fragt, ob Kurzstreckenflieger nicht zu klein sind für Bordrollstühle) ist dies ein echtes und hoffentlich beispielgebendes Statement.
kobinet: Bisher wurden von der Lufthansa eigens entwickelte Bordrollstühle nur bei Langstreckenflügen eingesetzt. Ist das jetzt eine höchst erfreuliche Entwicklung?
Macquarrie: Ja, wenn die Lufthansa diesmal ihr Versprechen einhält. Bordrollstühle werden fest an Bord der Kontinentalflotte mitgeführt. Das gilt vorerst für die eigene Flotte. Bei kleineren Flugzeugen und Fliegern von Partnerunternehmen soll der Bordrollstuhl bei Bedarf bereitgestellt werden.
kobinet: Die EU-Flugverordnung ist seit Juli 2008 in Kraft. Könnte jetzt die Lufthansa ein gutes Beispiel im europäischen Flugverkehr geben?
Macquarrie: Geradezu bahnbrechend erscheint die Aussage auch aus einem Grund. Zur Zeit prüft die Bundesregierung noch, ob sie der Europäischen Kommission empfehlen soll, alle Airlines zu verpflichten, Bordrollstühle mitzuführen. Die Wirklichkeit, so scheint es, überholt die Politik. (Das Gespräch führte Franz Schmahl)
In der EU-Flugverordnung steht unter anderem: Damit behinderte Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität vergleichbare Flugreisemöglichkeiten wie andere Bürger haben, sollte ihnen entsprechend ihren besonderen Bedürfnissen auf Flughäfen und an Bord von Luftfahrzeugen unter Einsatz des erforderlichen Personals und der notwendigen Ausstattung Hilfe gewährt werden. Im Interesse der sozialen Integration sollten die Betroffenen diese Hilfe ohne zusätzliche Kosten erhalten.
Sabine Dittmann schrieb am 12.03.2010, 07:19
Na dann hoffen wir mal, dass es diesmal wirklich klappt und dass das nicht wieder ein leeres Versprechen bleibt wie schon 2008, als der Bordrollstuhl schon zum Greifen nah schien.
Ich verfolge die (Fort-)Schritte sowie alle Um- und Abwege auf der Internetseite rechtaufklo regelmäßig. Alle Achtung vor Ihrer Beharrlichkeit, Herr Macquarrie! Ich hätte sicher längst aufgegeben.