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12.03.2010 - 00:05

Jakob Muth-Preis für inklusive Schule.

Gütersloh (kobinet) Unter dem Motto "Gemeinsam lernen - mit und ohne Behinderung" zeichnet der "Jakob Muth-Preis für inklusive Schule" auch in diesem Jahr Schulen aus, die behinderte und nicht behinderte Kinder vorbildlich zusammen unterrichten.

Projektträger sind der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, die Bertelsmann Stiftung und die Deutsche UNESCO-Kommission. Bewerben kann sich bis zum 14. Mai jede Schule, die den Weg zur inklusiven Schule beschreitet - unabhängig von Schulform oder Trägerschaft. Die drei ersten Preise sind mit je 3.000 Euro dotiert und werden im November 2010 feierlich verliehen.

Der Preis für inklusive Schule - benannt nach dem Bochumer Professor Jakob Muth (1927-93), der sich schon früh für eine gemeinsame Erziehung behinderter und nicht behinderter Kinder eingesetzt hat - soll die Praxis von Schulen bekannter machen, die eine bessere Teilhabe ermöglichen - unabhängig von Herkunft, Beeinträchtigung oder sonstiger Benachteiligung.

Rund 85 Prozent der Kinder mit Behinderungen oder Lernschwierigkeiten in Deutschland werden in separaten Förderschulen unterrichtet, die sich häufig als Sackgasse für ihre weitere Entwicklung erweisen: Die Abgänger erhalten keinen qualifizierenden Schulabschluss und eine gesellschaftliche Teilhabe wird ihnen wesentlich erschwert. Dass es anders geht, zeigen andere europäische Länder: In Italien, Norwegen und Schweden etwa gehen 95 Prozent aller beeinträchtigten Schüler in allgemeine Schulen. Auch in Deutschland kann das Konzept der inklusiven Schule gelingen: Dies zeigen die 144 Schulen, die sich im vergangenen Jahr am erstmalig ausgelobten Jakob Muth-Preis beteiligt haben.

Die seit Anfang 2009 verbindliche UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen fordert auch für Deutschland, schulische Bildung inklusiv zu gestalten. "Mit der Konvention ist die Entscheidung über die Frage, ob es ein inklusives Schulsystem geben muss, gefallen. Jetzt geht es um das Wie", meint Bundesbehindertenbeauftragter Hubert Hüppe. Wenn behinderte Kinder gemeinsam mit nicht behinderten Kindern unterrichtet werden, seien die Bildungschancen deutlich größer, und zwar für alle Kinder. "Jetzt sind die Schulen auf der Suche nach Konzepten. Sie benötigen die Erfahrung und Kreativität von Pädagogen, die sich bereits auf den Weg gemacht haben. Nichts wirkt besser als ein gutes Vorbild." sch
 

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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

f.j. neffe schrieb am 03.06.2010, 00:09

Aufrichten

Da der Mensch nicht nicht lernen kann, hat er sowieso schon mal 6 Jahre lang gelernt, bis er in das kommt, was wir Schule nennen. Da hat er im Normalfall schon ziemlich viele ehrliche Chancen gehabt. Ausgerechnet in der Schule ist Lernen aber nicht mehr Lernen sondern Stillsitzen, Mitmachen, nicht Stören, Aufpassen, sich Anpassen, sich Einfügen, Willigsein und mehr desgleichen. Das ist erstens als Lernen grundunehrlich, zweitens wegen der Einseitigkeit wider die menschliche Natur, drittens ständig Probleme produzierend und ebenfalls mehr desgleichen. Wenn wir dann diese aufgestaute Perversion von Lernen freigeben, ist doch klar, dass die Lawine losbricht. Aber man kann ja andere Bedingungen geben.
Ich lese mit Genugtuung, dass Sie aufrichten statt unterrichten, dass Sie nicht den Einheitsbrei umrühren sondern menschliche Entwicklung leben lassen, und das geht wirklich unspektakulär. Eine Kultur des Miteinander braucht ja nur verlässliche Partner, nicht jemand, der sich ständig um einen kümmert und für ihn Breiportionen vorgibt. Es freut mich ganz besonders, dass die mit den Schülern LEBEN.
Unterricht sollte dennoch durch das abgelöst werden, was in allen anderen Ländern in der Schule gemacht wird. Es ist paradox, das Aufrichten dem Unterrichten zu unterwerfen.
Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe

Nicole Streibel schrieb am 13.03.2010, 08:33

Ehrliche Chance

Lieber Herr Nette,

ich teile Ihre Meinung zum Thema " Lernen ist Erfahrungen machen". Ich selbst bezeichne es so " Aufrichten statt Unterrichten". Aber um so wichtiger ist dieser Preis. Jedes gelungene Beispiel einer inklusiven Schule
ist auch ein Beispiel dafür, dass Schulen zu einem Lebensraum werden, in denen mit und in Vielfalt gelebt wird, in denen ich Erfahrungen mache, mit mir selbst und mit anderen, in denen ich lerne mit meinen eigenen Stärken und Schwächen umzugehen und mit denen der anderen. Eine inklusive Schule bedeutet m.E. endlich erkannt zu haben, dass jeder Mensch einzigartig ist und wir nicht mehr mit einer großen Kelle einen Einheitsbrei ein und desselben Lernstoffes über 20 Schüler gießen können. In einer inklusiven Schule redet man nicht über das, was in anderen Schulen reine Lehrplanthemen aus dem Ethikunterricht sind und in einem 1- wöchigem Projekt thematisiert werden. Eine inklusive Schule lebt sie ganz unspektakulär. Das heißt wohl nicht, dass es dort zugeht wie nach dem Prinzip " Friede , Freude, Eierkuchen", nein, das kann es wohl nicht sein, denn das Leben ist nicht so- jedoch sind sie eine ehrliche Chance, eine andere Kultur des Miteinander zu entwickeln.

f.j. neffe schrieb am 12.03.2010, 23:10

Unterricht auszeichnen???

Es erstaunt mich als Ich-kann-Schule-Lehrer, dass man immer noch für UNTERRICHTEN ausgezeichnet wird! Unterrichtet hat früher der General die Soildaten und der Kaiser seine Untertanen: die mussten sich UNTEN nach denen OBEN richten, das ist UNTERRICHT.
Wehe, wenn einer dabei was zu lernen wagte!
Unterricht vereitelt Lernen.
LEHREN dagegen ist eine ausgezeichnete Vorbedingung für LERNEN. bEIDE Wörter kommen von germ. LAISTI = FÄHRTE. Es geht also um die QUALITÄT im ErFAHRungenmachen. Wenn ich mit Begeisterung LERNE und alle mitreiße und sie von sich aus mir folgen wollen, dann bin ich LEHRER. Das ist die Definition der Ich-kann-Schule. Der Lehrer ist also ein mireißendes Vorbild für Lernen.
Leider haben die meisten Lehrer noch nie in ein Herkunftswörterbuch geschaut und wissen darum auch nicht, was ein Lehrer ist. Wäre es nicht motivierend, wenn wir Preise dafür in Aussicht stellen, dass jemand weiß, was er ist? Würde man einen Bäcker auszeichnen, der nicht weiß, was ein Bäcker ist?
Wenn man einen Preis ausschreibt, könnte man doch eine sehr konstruktive Wirkung haben, wenn man zur Bedingung machte, solch entscheidende Worte wie Schule, Lehrer, Mathematik, Deutsch, Bildung u.ä. vom Wortursprung her zu kennen und nicht bloß aus irgendwelchen irgendwo konstruierten Phrasen. Womöglich käme noch ins allgemeine Gespräch, dass man im Herkunftswörterbuch etwas Genaueres über die Sprache und ihre Wirkung erfahren kann, und die Leute bekommen Lust, zu lernen. Das wär doch was.
Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe

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