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kobinet-nachrichten
15.03.2010 - 19:17
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Berlin (kobinet) Nicht nur Klöster und Internate, sondern auch die Einrichtungen der Behindertenhilfe müssen sich verstärkt dem Thema “sexueller Missbrauch” stellen, verlangt die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL). ”Wir fordern alle Institutionen der Behindertenhilfe auf, die Tradition des Wegschauens und Vertuschens zu beenden und stattdessen sexuellen Missbrauch in ihren Einrichtungen ohne Tabus aufzudecken und zu bekämpfen”, sagte Geschäftsführerin Sigrid Arnade heute gegenüber kobinet.
Es sei hinlänglich bekannt, dass behinderte Menschen noch häufiger Opfer sexueller Übergriffe werden als nicht behinderte Frauen und Männer: In einer Entschließung des Europäischen Parlaments vom April 2007 heißt es laut Arnade, dass das Risiko von Frauen mit Behinderungen, Opfer sexueller Gewalt zu werden, dreimal so hoch ist wie von Frauen ohne Behinderungen. Strukturelle Bedingungen in Institutionen begünstigen oftmals die Gewalt. So berichteten zwei österreichische Studien zur sexuellen Gewalt in Einrichtungen, dass 64 Prozent der befragten Frauen mit Behinderungen und 50 Prozent der befragten Männer mit Behinderungen bereits sexuelle Gewalt erlebt haben. Deshalb seien auch behinderte Menschen über ihre Organisationen in die geplanten runden Tische zu diesem Themenkomplex einzubeziehen.
Es ist nach Arnades Angaben davon auszugehen, dass sexuelle Gewalt in allen Einrichtungen der Behindertenhilfe vorkommen kann, seien es Wohnheime, Werkstätten für behinderte Menschen, Berufsbildungs- oder Berufsförderungswerke. “Allen behinderten Menschen in solchen Institutionen müssen Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse angeboten werden, um sie darin zu bestärken, ´nein´ zu sagen und sich zu wehren,” fordert Arnade. Außerdem müssten sie Zugang zu externen Beratungsstellen haben. Des Weiteren sei Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen deutlich zu machen, dass sexueller Missbrauch nicht geduldet werde. Jeder Verdacht sei zur Anzeige zu bringen. Zur Aufarbeitung der vergangenen und gegenwärtigen Missbrauchsfälle warnt Arnade: “Mit der Aufdeckung der Taten darf nicht gewartet werden, bis sie verjährt sind. Mit der Aufklärung muss jetzt begonnen werden, und zwar sofort!” sch
Gabi Hofmann schrieb am 19.03.2010, 14:12
Sexuelle Selbstbestimmung kann man nur leben, wenn man weiss worum es eigentlich geht. Ich bestreite nicht, dass es Einrichtungen gibt, die ihre Bewohner kompetent aufklären und sexualpädagogisch arbeiten. Aber viele eben auch nicht. Da kriegen die Frauen die Dreimonatsspritze und mehr passiert nicht.
Bevor man also Selbstbehauptungskurse anbietet muss man einfühlsam aufklären zu Liebe, Partnerschaft und Sexualität. Behinderte Menschen haben ein Recht darauf!
Dies muss in den Alltag eingebaut werden. Gerade Menschen mit kognitiven Einschränkungen haben nichts von einmaligen Veranstaltungen, sondern brauchen solche Angebote im täglichen Leben.
Sarah Mohn schrieb am 16.03.2010, 20:20
Beim Lesen dieses Artikels fällt mir sofort auf, dass der Schreiber davon ausgeht, dass Menschen mit Behinderung gleichgesetzt werden mit Menschen ohne Sexualitätsentwicklung. Das ist diskriminierend und den Menschen mit Behinderung gegenüber respektlos.
Ich habe u. a. auch mit Menschen, die ein Handycap hatten, gearbeitet, und die Erfahrung gemacht, wenn man mit Ihnen respektvoll umgeht, dass sie sehr wohl sich behaupten können, weil sie es in einer würdevollen Umgebung auch trauen. Die Sache liegt doch immer anm Personal der Einrichtung. Die sollten geschult werden in respektvollen Umgang mit Menschen, egal ob diese eine Behinderung erleiden oder nicht!
Es macht mich wütend, wenn immer die "Schwächeren", man verzeihe mir jetzt diesen Begriff, aber er ist rein körperlich jetzt zu verstehen, verantwortlich für Missstände gemacht werden. Das ist genau das selbe Schema, wie man gerade in der Politik mit dem Thema sex. Missbrauch bei Kindern umgeht. Die Kinder müssen NEIN sagen lernen, sich schützen lernen. Gehts noch! Die Erwachsenen müssen lernen, Kinder zu schützen, und ein Nein beim ersten mal zu akzeptieren. Das gleiche erwarte ich für alle, die sich angeblich Sozial nennen, und sich für einen soz. Beruf entschieden haben. Dann sollen sie auch die Verantwortung dafür tragen, und in ihrem Arbeitsumfeld dafür sorgen, dass sich jeder Ihnen Anvertraute sicher fühlen kann und darf!!!!
Sarah M.
Dorothea Moesch schrieb am 16.03.2010, 15:57
Selbstverständlich haben sogenannte "Behinderte" ein Recht auf -nicht nur- sexuelle Selbstbestimmung. Und genau drum ist es auch wichtig, Selbstverteidigungs- und Selbstbewußtseinstrainings zu organisieren. Was stellt sich mein werter VorschreibER denn unter diesen Seminaren vor? Dass da nur wild geboxt und geschrieen wird ohne die Vermittlung von Hintergrundwissen?
Aber nein- der werte VorschreibER kommt wieder mit verschwiemelter "Betreuung" um die Ecke. Klar - selbstbewusste Menschen kanns im Behindi-Sektor nicht geben, lediglich BETREUUNGSFÄLLE.
Gabi Hofmann schrieb am 16.03.2010, 12:17
Bei den Überlegungen, Behinderte Menschen in Einrichtungen durch Selbstverteidigungs- und Behauptungskurse vor sexuellem Missbrauch schützen zu können, wird das Problem vom falschen Enden angegangen. Es muss eine Verpflichtung von Einrichtungen sein die Bewohner auch sexualpädagogische zu betreuen (und daher die eigenen Mitarbeiter zu schulen). Nur wer über die eigene Sexualität bescheid weiss kann auch selbst bestimmen welche Berühungen er/sie zulassen möchte und hat Wörter um dies zu beschreiben. Wie soll ein Mensch, zum Beispiel mit einer kognitiven Einschränkung, in einem Selbstbehauptungskurs lernen die eigene Intimsphäre zu schützen, wenn er/sie nicht weiss was das bedeutet?
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