
Berlin (kobinet) Ein starkes Signal für eine bessere Integration von Menschen mit Behinderungen erwartet die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), Christine Lüders, von den derzeit im kanadischen Vancouver stattfindenden Paralympics.
"Dass für eine wirkliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft noch viel zu tun ist, ist offenkundig", betonte Christine Lüders in Berlin. Sie fügte hinzu: "Der Sport kann hier, wie so oft, Vorreiter und Brückenbauer sein. Rund ein Viertel der Anfragen an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes betreffen Benachteiligungen oder Diskriminierungen auf Grund einer Behinderung. Das ist eine erschreckend hohe Zahl", hob Lüders hervor. Bei der Beantwortung der Anfragen arbeite die Antidiskriminierungsstelle des Bundes gut mit dem Beauftragten für die Belange behinderter Menschen zusammen.
Die Leiterin der ADS erinnerte auch daran, dass in Deutschland noch immer 85 Prozent der Kinder mit Behinderungen oder Lernschwierigkeiten in separaten Förderschulen unterrichtet werden. In einem Beratungsfall der ADS war einem drei Jahre alten behinderten Kind die Aufnahme in den Regel-Kindergarten verweigert worden. Erst nach Einschaltung und Aufklärung durch die Antidiskriminierungsstelle erklärte sich die betreffende Stadtverwaltung bereit, das Kind doch in den Regel-Kindergarten gehen zu lassen. In einem anderen Fall weigerte sich eine Frau wegen angeblich schlechter Erfahrungen, ihre Ferienwohnung an eine Person mit einer leichten geistigen Behinderung zu vermieten. Erst nach Intervention der Antidiskriminierungsstelle beim Kurdirektor des Ortes konnte der Gast schließlich dort Urlaub machen, heißt es in einer Presseinformation der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.
"Diese Beispiele zeigen eindrucksvoll, dass die Bundesrepublik von einer tatsächlichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am sozialen Leben noch weit entfernt ist. Daher wünsche ich mir, dass die Paralympics ein weiterer Meilenstein hin zu mehr Normalität werden", hob Lüders hervor. In Deutschland leben rund acht Millionen Menschen mit Behinderungen. Die Paralympics finden bereits zum zehnten Mal als Olympische Winterspiele der Behinderten statt. Sie dauern bis zum kommenden Sonntag. Die Antidiskriminierungsstelle war mit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) im August 2006 errichtet worden. Ziel des Gesetzes ist es, Diskriminierungen wegen ethnischer Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen. moh