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25.07.2010 - 08:49

Aktiv und selbstbestimmt in die Zukunft.

Nürnberg (kobinet) "Aktiv und selbstbestimmt in die Zukunft". Das Motto ist Programm des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB), der gestern in der Meistersingerhalle in Nürnberg seinen 90. Geburtstag mit 700 Mitgliedern, Vertretern aus Politik und Gesellschaft, Freunden, Förderern und Mitarbeitern feierte.

Die Festveranstaltung stand unter der Schirmherrschaft des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. In seinem Eröffnungsstatement ging der Landesgeschäftsführer des BBSB, Christian Seuß, darauf ein, wie alles 1920 mit der Umbenennung des Vereins zur Neugestaltung des Bayerischen Blindenwesens in Bayerischer Blindenbund e.V. in Nürnberg begann. Damals zählte der Verein 61 ordentliche Mitglieder. Heute hat sich der BBSB zur mitgliederstärksten Selbsthilfeorganisation blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland entwickelt – rund 8.300 ordentliche und 570 fördernde Mitglieder. Anschaulich skizzierte Seuß, wie die blinden und sehbehinderten Menschen ihre Sache selbst in die Hand nahmen und sich ebenso hartnäckig wie erfolgreich dafür einsetzten, aus dem Dasein als ungebildete und benachteiligte Almosenempfänger herauszukommen. Nur 10 Prozent der blinden und sehbehinderten Menschen waren damals in der Lage, ihren Lebensunterhalt durch eigene Berufstätigkeit selbst zu verdienen.

Im Laufe der Jahre baute der BBSB ein flächendeckendes Netz mit heute zehn Beratungs- und Begegnungszentren, verschiedenen Fachdiensten und individuellen Hilfen für alle blinden und sehbehinderten Menschen und deren Angehörige auf. Seuß betonte auch die Bedeutung der Kooperationen und Beteiligungen, die den BBSB eng mit Einrichtungen des Blinden- und Sehbehindertenwesens und anderen sozialen Einrichtungen verbinden.

Die Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, Christine Haderthauer, dankte in ihrem Grußwort dem Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund auch im Namen von Ministerpräsident Horst Seehofer für 90 Jahre erfolgreichen Einsatz für die Belange von blinden und sehbehinderten Menschen in Bayern und für das überaus große Engagement in der bayerischen Behindertenpolitik. Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund sei vom hoffnungsvollen Projekt zu einem gelebten Selbsthilfeverband gewachsen der bayernweit Vorbildcharakter hätte, da er für alle Anliegen der Betroffenen ein äußerst kompetenter und fachkundiger Ansprechpartner sei.

Es folgte eine thematische Zeitreise durch die Jahrzehnte. Moderator Christian Dellert, Jugendreferent des BBSB, hatte Zeitzeugen auf die Bühne eingeladen. In lockeren Interviews ging es im Zeitraffer durch die Geschichte, auch die des BBSB. Fritz Bachbauer aus Nürnberg, der die Nazizeit und den 2. Weltkrieg als junger Mensch erlebte, berichtete aus seiner Erinnerung und stellte darüber hinaus dar, welche Bedeutung das Blindengeld, das 1949 eingeführt wurde, für ihn persönlich hat.

Gustav Doubrava aus Nürnberg und Gerda Kloske-Schindlbeck aus Landshut berichteten über die Entstehung der Bayerischen Blindenhörbücherei e.V. und die Wandlung des Blindenkur- und Erholungsheims in das AURA-Hotel Kur und Begegnungszentrum Saulgrub, das der BBSB im Landkreis Garmisch-Patenkirchen seit 1962 betreibt. Der große Gönner des BBSB, Konsul Egon von der Brelie, der dem Verein 1963 sein gesamtes Vermögen hinterließ und damit die Basis für den Ausbau der Arbeit und die Entwicklung der Selbsthilfeorganisation legte, fand seine Würdigung.

Otto Umscheid aus Veitshöchheim und Dr. Herbert Demmel aus München erläuterten dem Publikum Aspekte der beruflichen Rehabilitation und die Arbeit der Bezirksgruppen und Sozialabteilungen. Mit der Qualifizierung der selbst betroffenen Blinden- und Sehbehindertenberater hat der BBSB ein beispielgebendes Fortbildungskonzept entwickelt. Herr Umscheid und Herr Dr. Demmel stellten ferner die Bedeutung eines Orientierungs- und Mobilitätstrainings mit dem weißen Stock und das Training zur selbstständigen Haushalts- und Lebensführung heraus, das der BBSB mit seinem ambulanten Reha-Dienst anbietet.

Wolfgang Kurzer aus Nürnberg und Kathrin Schreck aus Ingolstadt gingen besonders ein auf die technische Entwicklung der Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Menschen und die Low Vision-Rehabilitation, die der Verein in den letzten 15 Jahren intensiv ausgebaut hat, um besonders den Bedürfnissen sehbehinderter Menschen gerecht zu werden.

Die Landesvorsitzende des BBSB, Judith Faltl, fasste in ihrem Schlusswort das Geschaffte zusammen und skizzierte die Herausforderungen der Zukunft, für die das Kompetenzzentrum BBSB gut gerüstet ist und im Netzwerk mit Partnern weiter aktiv sein wird. Die UN-Behindertenrechtskonvention, die seit 2009 auch in Deutschland gilt, setzt Maßstäbe. Faltl führte aus: "Gleichzeitig steigen die Anforderungen an alle Menschen in unserer Gesellschaft und damit auch an Blinde und Sehbehinderte. Wir sind konfrontiert mit stetig steigenden Anforderungen an die Schul- und Berufsausbildung sowie an Mobilität und Flexibilität im Berufsleben. Auch der Umgang mit modernen Kommunikations- und Informationssystemen muss ständig angepasst werden. Diesen Herausforderungen muss sich die Gesellschaft stellen, will sie wirklich inklusiv sein."

Judith Faltl appellierte aber auch nach innen an die 180 hauptamtlichen und 400 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BBSB, nicht nachzulassen in dem Bemühen für blinde und sehbehinderte Menschen in Bayern der verlässliche Ansprechpartner zu sein, der die passenden Angebote hat, damit ein weitgehend selbstständiges und selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft möglich ist.

Ein abwechslungsreiches musikalisches Programm trug zum feierlichen und unterhaltsamen Rahmen des Festes bei. Der Conrad Paumann Chor und der Chor des bbs Nürnberg unter der Leitung von Gabriele Firsching und das Musikensemble des BBSB, die Blinde Musiker München unter der Leitung von Johannes Gruber hatten bekannte und auf die Zeitreise abgestimmte Songs ausgewählt. moh
 

 
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