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kobinet-nachrichten 27.07.2010 - 12:32
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http://www.kobinet-nachrichten.org

Berliner Begleitservice wird eingeschränkt

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Berlin (kobinet) Der Bus- und Bahn-Begleitservice des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) wird nicht wie befürchtet zum Ende dieses Monats eingestellt, sondern fortgeführt. "Von 60 Helfern bleiben neun übrig", berichtet heute die Berliner Zeitung.

Wie schon erwartet muss das Angebot in seinem Umfang deutlich reduziert werden, teilte der VBB mit. Von August an sind pro Tag nur noch wenige Begleitungen möglich - und der Wochenendservice wird vorläufig eingestellt.

Trotz monatelanger Bemühungen ist es dem Verkehrsverbund nicht gelungen, von den zuständigen Jobcentern rechtzeitig die nötigen Bewilligungen zu bekommen, damit alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter beschäftigt werden können. Deshalb enden die meisten Arbeitsverträge Ende Juli. Von 60 bleiben nur neun Begleiter im Einsatz. Damit sind montags bis freitags lediglich noch 12 bis 15 Begleitungen pro Tag möglich. Sonnabends und sonntags gibt es vorerst keine Einsätze mehr. Zudem muss die Erreichbarkeit eingeschränkt werden. Unter der Telefonnummer 25 414 414 werden nur noch montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr Bestellungen entgegengenommen.

VBB-Chef Hans-Werner Franz bedauerte gegenüber der Berliner Zeitung die Einschränkungen: "Dieses wertvolle Angebot ermöglicht vielen Menschen wieder Bewegungsfreiheit und Selbstständigkeit. Es ist in jeder Hinsicht ein Erfolgsmodell: Es profitieren die Kunden, die begleitet werden, die Verkehrsunternehmen, die Fahrgäste gewinnen und die Begleiter, die sinnvolle Arbeit tun. Die steigende Nachfrage zeigt, dass der Bedarf riesig ist."

Der Begleitservice hat im Oktober 2008 die Arbeit aufgenommen. Seitdem gab es mehr als 16 500 Begleitungen. Der Verbund bemüht sich mit dem Senat und den Jobcentern weiterhin um die nötigen Bewilligungen. "Wir sind zuversichtlich, den Service bald wieder im bisherigen Umfang anbieten zu können", wurde Franz zitiert. sch

 

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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Ilja Seifert schrieb am 28.07.2010, 13:37

Wahrlich keine Erfolgsmeldung

Auch wenn VBB-Chef Hans-Werner Franz am Ende des Beitrag mit einem optimistisch klingenden Ausspruch zitiert wird: Eine Erfolgsmeldung ist das nicht. Offenbar gibt es starke Kräfte, denen das Projekt - und der damit ansatzweise ausprobierte Öffentliche Beschäftigungssektor (ÖBS) - nicht paßt. Leider zeigen sie sich nicht öffentlich. Vielmehr verschanzen sie sich feige hinter Schreibtischen, Bewilligungsbescheiden und "Sparzwängen".

Deshalb erklärte der Berliner Behindertenverband "Für Selbstbestimmung und Würde" e.V. schon im Rechenschaftsbericht an seinen jüngsten Verbandstag (10.d.M.). "Das Auslaufen des Begleitservice-Projekts des VBB ruft unsern Protest hervor. Und es formiert unsere Solidarität mit den rund 80 Beschäftigten, die diesen Service zur großen Zufriedenheit vieler mobilitätseingeschränkter Menschen leisten."

Wir sehen also sehr wohl beide Seiten: Unser Interesse an einem gut funktionierenden Begleitservice u n d das Interesse der Begleiterinnen und Begleiter an guten Arbeitsbedingungen. Dazu gehören unbefristete Verträge, Löhne, von denen man leben kann und berechenbare Arbeitszeiten.

Es fällt uns (fast) jedes Mal sehr schwer, eine/n "Schuldigen" zu identifizieren. Fast immer scheinen "objektive Zwänge" zu herrschen, die es "leider" (ha!) unmöglich machen, anders zu handeln.

Es wird uns schwer gemacht, uns zu wehren. Aber wir sind nicht unterzukriegen!

Ilja Seifert, BBV-Vorsitzender

Dorothea Moesch schrieb am 28.07.2010, 13:08

Jobcenter-Genehmigungen?

Handelt es sich bei den "Helfern" um Ein-Euro-Jobber, also Zwangsverpflichtete? WELCHE Zuschüsse/Genehmigungen des JC wurden "zu spät", aber erteilt?

Wird hier wieder "Behinderten"-"Hilfe" auf Kosten von Zwangsarbeitenden "gespielt"?

Und wenn von 60 Stellen nur noch 9 übrig bleiben, ist es schlicht ein schlechter Witz, von "Aufrechterhaltung" zu schwatzen. Das ist dann nur noch ein Feigenblatt.

Aber wie üblich bei Kobinet - im "Behindi"-Bereich grundsätzlich nicht nach tariflicher Absicherung und anderen gesellschaftlich notwendigen Dingen - Zwangsarbeit von EEJ - zu fragen.

Auch sogenannte "Behinderte" sollten sich fragen (lassen), inwiefern sie durch dankbare Nutzung von Zwangssystemen andere in Notlagen bringen (können). Die Infos dazu bekommt man im übrigen auch direkt beim "Helfer".

Auch im "sozialen Hilfsbereich" muss Gerechtigkeit hinsichtlich der Entlohnung und sozialen Absicherung der "Helfenden" Pflicht sein - es sei denn, diese sind ausdrücklich "ehrenamtlich" tätig.

DAS jedoch sind Menschen, deren Stellen von der Genehmigung eines Job-Centers abhängen, grundsätzlich NICHT.

Marita Brunswik schrieb am 27.07.2010, 20:38

Unflexibel

Mit großem Bedauern habe ich als Veranstalterin für barrierefreies Reisen zur Kenntnis
nehmen müssen. Ich hatte in einem vorigen Brief schon mal darauf hingewiesen, daß dieser Begleitservice zum Beispiel für Gäste mit Mobilitätseinschränkungen, die Berlin besuchen und in Hotels / Pensionen wohnen eine unglaubliche und Unterstützung Hilfe bedeuten würde.

Hier könnte man nicht nur für deutsche, sondern auch vielen internationalen Gästen die die deutsche Landeshauptstadt besuchen - mal wirklich barrierefreien und beratenden Gästeservice anbieten wenn der Tourismus in Berlin dieses schon nicht kann.

Dann hätten viele Gäste die Chance Berlin wirklich " Signet = barrierefrei" zu erleben und
nicht wie wir seinerzeit das Erlebnis mit dem Fernsehturm und der Suche nach barrierefreiem Zugang für eine Spreefahrt.

Traurig - wirklich traurig - B e r l i n - die verpennst wieder einmal beste Chancen auf
internationale Glaubwürdigkeit !

Andreas Kuhnert schrieb am 27.07.2010, 16:57

Protest

Sehr geehrte Leserinen und Leser, sehr geehrtes kobinet-Team,

es ist traurig das ein so wichtiger Service so eingeschränkt wird. Die Menschen die zur Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel Hilfe benötigen werden in Ihrer Beweglichkeit und Selbständigkeit so eingeschränkt, das die Teilnahme an Veranstaltungen und am öffentlichen Leben für diese Personengruppe über Gebühr erschwert, wenn nicht sogar unmöglich wird. Das muss verhindert werden.

Andreas Kuhnert

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