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kobinet-nachrichten
08.09.2010 - 06:28
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Berlin (kobinet) Gefragt seien nicht einfache Lösungen, sondern ein nationales Programm zur Weiterentwicklung der Pflegeberufe. Dies erklärte der Bundesgeschäftsführer des Sozial- und Wohlfahrtsverbandes Volkssolidarität, Dr. Bernd Niederland, zu der Forderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, verstärkt Arbeitslose in der Pflege einzusetzen.
"Der wiederholte Ruf nach Einsatz von Arbeitslosen in der Pflege ist wenig hilfreich. Der Fachkräftemangel in der Pflege hat vielfältige Ursachen. Die Schieflage dieser Forderung beginnt in der Analyse. Das Problem liegt vorrangig in fehlenden Fachkräften. Ausreichend qualifiziertes Pflegepersonal findet man weder durch Aktionismus zur Gewinnung von Pflegekräften aus osteuropäischen Nachbarstaaten, noch durch Knopfdruck bei den Arbeitsagenturen. Notwendig ist ein Programm zur Entwicklung der Pflegeberufe", erklärte Dr. Bernd Niederland. moh
Matthias Grombach schrieb am 08.09.2010, 13:12
"Die Schieflage dieser Forderung beginnt in der Analyse. Das Problem liegt vorrangig in fehlenden Fachkräften." (...) Das ist wohl unumstritten. Was einem bei der seit Jahren betriebenen Sozial- und Arbeitspolitik in dem Bereich nicht wundern darf. Welcher Mensch möchte schon einer Arbeit nachgehen die ihm nicht selten am Rande seiner physischen und/oder metalen Grenzen alles abverlangt, das im Dreischichtdienst an Sonn- und Feiertagen und das für nur einen Dumpinglohn?
Das herranziehen von für den Pflege-Bereich unqualifizierten Arbeitslosen, wie Frau Merkel sich das vorstellt, ist bei dem Mangel an Fachpflegekräften (!) der falsche Weg!
Gotthilf Lorch schrieb am 08.09.2010, 06:55
Auch ich bin, wie Merkel, der Meinung, dass OsteuropäerInnen etwas Besseres verdient haben, als bei uns in der Pflegetätigkeit ausgebeutet zu werden. Und auch ich bin, wie Merkel, dafür, den Markt der Arbeitslosen zu entlasten, indem mehr Arbeitsmöglichkeiten im Pflegebereich geschaffen werden.
Aber auf keinen Fall dürfen Arbeitslosengeld II EmpfängerInnen auch nur andeutungsweise zu solch einer Tätigkeit gezwungen werden und auf keinen Fall dürfen dazu 1 Eure Jobber herangezogen werden. Vielmehr müssen Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen von Staat und/oder Pflegeversicherung soweit gestärkt werden, dass sie sich tariflich bezahlte Pflegekräfte leisten können. Pflegebedürftige Menschen mit Behinderungen brauchen dringend ausreichende und einkommensunabhängige Leistungen durch ein Teilhabegesetz
Für tariflich bezahlte Assistenz. Pflegeheime für alte und/oder behinderte Menschen brauchen dringend überall und ausnahmslos eine massive Personalaufstockung von tariflich bezahlten Pflegekräften. Nur so wird der Pflegeberuf wieder aufgewertet. Nur so entgegnet man etwas der Auslaugung der Pflegeberufe durch stressige Arbeit (weil für die einzelnen Tätigkeiten keine Zeit mehr ist) und massenhaften, unbezahlten Überstunden. Dasselbe gilt auch für die Pflege in Krankenhäusern. Und vor Allem nur so gewährt man den HeimbewohnerInnen wenigstens ein bisschen Lebensqualität, sofern das in Pflegeheimen überhaupt möglich ist.
Pflege und Assistenz darf also nicht zum Beschäftigungslückenbüßer für Arbeitslose Menschen werden und Menschen, die Assistenz und/oder Pflege benötigen, brauchen bedarfsgerechte Hilfen und keine unterbezahlte, unmotivierte und zur Tätigkeit geprügelte Arbeitssklaven, die nur die Geldbeutel der privatisierten Einrichtungen füllen helfen.
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