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09.06.2011 - 09:23

Kids rasten über den Jungfernsee.

Potsdam (kobinet) Rund 200 Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung waren gestern mit der "Hoppetosse" auf dem Jungfernsee in Potsdam unterwegs. Trotz des Wetters herrschte tolle Stimmung bei den Rennboottouren.

„Christian“ hieß der Wetterschreck der über Brandenburg und weite Teile Deutschlands zog: mit Starkregen, Überschwemmungen und schweren Gewittern zeigte er sein dunkles Gesicht – der Deutsche Wetterdienst hatte sogar eine Unwetterwarnung herausgegeben.

Auch vor der Marina am Tiefen See in Potsdam, wo der Verein „wings for handicapped e.V.“ in Kooperation mit der Marina und dem Online Wassersport Club boatoon.com Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Einrichtungen, Sonderschulen und Heimen zu einer rasanten Tour im Speedboot eingeladen hatte, zogen bedrohlich wirkende Wolken auf.

Der Stimmung taten Regen und die Abkühlung bei sommerlichen Temperaturen um 26 keinen Abbruch. Die Kinder und Jugendlichen strahlten, als sie mit 70 km/h und 300 PS über den Jungfernsee düsten. „5,4,3,2,1 Gummi“, zählte Jörg Leonhardt, der im Jahre 2000 den Verein gründete und seit seinem 18. Lebensjahr selber querschnittsgelähmt ist, gemeinsam mit den Kindern den Countdown runter und gab Gas. Besonders die schnellen Kurven waren mit vielen lauten „Ahs und Ohs“, herzlichem Lachen und Jubeln der Teilnehmer verbunden.

Seit 2004 sticht Leonhardt, dessen Verein sich rein aus Spenden finanziert, mit der „Hoppetosse“, die bis zu
12 Personen Platz bietet, in See. „Gerade Menschen, die in einem Rollstuhl sitzen, haben oft mit unüberwindbaren Barrieren zu kämpfen“, erklärte Leonhardt, „doch diesen Menschen zu zeigen, dass Grenzen überwunden
werden können, stärkt ihr Selbstwertgefühl und ist daher mein persönlicher Antrieb. Im Vordergrund steht dabei der Mensch - nicht seine Behinderung“. sch
 

 
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Nina Waskowski schrieb am 10.06.2011, 13:35

Ahoi!

"Es waren einmal zwei Piraten
gefürchtet, obwohl sie nichts taten.
Sie waren ganz untätig immer,
doch Untaten sind halt noch viel schlimmer."

Der ein oder andere wird wissen, dass das einer meiner Lieblingssprüche ist und ich ganz sicher keiner von den 2 Piraten bin. Über Langeweile kann ich mich nur ganz selten beklagen und freue mich daher über jede schöne Stunde, die ich irgendwo verbringe.
An diesem Tage sah das Wetter gar nicht so aus, als könne man es wagen, mit der Hoppetosse auf Tour zu gehen, aber kurz bevor ich Richtung Hafen aufbrach, riss der Himmel auf und für die 2 Stunden meiner Anwesenheit strahlte die Sonne am blauen Himmel, als wäre von Regen nie die Rede gewesen.
In der wirklich schönen Marina legte ich mich zunächst einmal in einen der Liegestühle, schaute den Kindern und Jugendlichen beim Hoppetosse-Ausflug mit dem Fernglas zu, frönte meiner heimlichen Leidenschaft (guter heißer Kaffee) und spielte gelegentlich mit der charmanten Hafenhündin. Ein gefühlter Kurzurlaub! Dass ich selbst noch auf der Hoppetosse mitfahren durfte, überraschte mich, da ich es zuvor nicht geschafft hatte, mich anzumelden. Damit hatte ich nun eigentlich nicht gerechnet. Umso mehr freute ich mich darüber, wenngleich mich bei Fahrtantritt dann doch ein merkwürdiges Gefühl - gemischt aus freudiger Erwartung mit "oh Gott, was wird das jetzt bloß wieder" - packte. Die Rettungsweste und das feste Versprechen des neben mir auf dem Bootsrand sitzenden Behindertenbeauftragten, mich notfalls wieder aus dem Wasser zu fischen, gaben mir für Sekunden ein relativ sicheres Gefühl. In den ersten Rechtskurven bei ordentlich hoher Geschwindigkeit ging jedoch Gott sei Dank nicht ich, aber zumindest das mühsam errungene Gefühl von Sicherheit ad hoc über Bord. Ich machte mir nicht die Mühe, hinterherzuspringen, was auch nicht nötig war, denn an dessen Stelle trat nun wider aller Erwartung nicht die perfekte Panik, sondern der reinste Spaß! Je schneller, desto besser! Über mehr Wellen wir sprangen, je mehr Kurven wir fuhren, desto schöner wurde es. Das Lachen der Kinder und Jugendlichen steckte zusätzlich an, sodass auch mein Gesicht von einem breiten Grinsen geziert wurde - zumindest bis Fahrtende. Einen Nachteil hatte die Fahrt dann nämlich doch: sie war viel zu kurz! Ich wäre gern noch die ein oder andere Stunde mit der Hoppetosse über den See geheizt. Eines ist daher klar: im nächsten Jahr bin ich auf jeden Fall wieder dabei und werde es diesmal nicht versäumen, mich ordnungsgemäß anzumelden.
Also für jeden spaßsüchtigen von euch: wann immer ihr die Hoppetosse seht - steigt ein und fahrt mit!

Vielen Dank an die Veranstalter, an die charmante Hafenhündin und vor allem an den Kapitän des Schiffes!

Ahoi und ganz sicher bis zum nächsten Jahr!

... und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel (gelegentlich hatte ich den Eindruck, es sei inzwischen anders) wünscht

Nina Waskowski

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