
Düsseldorf (kobinet) Eltern behinderter Kinder in Nordrhein-Westfalen werfen den Kommunalverbänden im bevölkerungsreichsten Bundesland vor, die Debatte um die Einführung eines inklusiven Bildungssystems zu mißbrauchen. "Unter dem Stichwort der Konnexität (wer den politischen Beschluss trifft, muss die Folgekosten finanzieren) versuchen die Spitzenverbände nun, die gesamten Kosten für die Bildung von Schülern mit Behinderung auf das Land abzuwälzen", kritisierte heute der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben - gemeinsam lernen, Bernd Kochanek, "darunter viele Leistungen, die sie für die gleichen Schüler in den Förderschulen bisher klaglos bezahlen".
Die Geschäftsführer des Städtetags, des Städte- und Gemeindebundes und des Landkreistags hatten gestern am Rande der Landtagsanhörung zum Haushalt 2012 gefordert, dass das Land in Sachen Inklusion "alle Kosten" übernehme. Nicht nur die Lehrer sollen nach Meinung der Verbände aus Düsseldorf bezahlt werden, sondern auch Integrationshelfer,spezielle Lernmittel, die Schülerfahrtkosten und darüber hinaus sämtliche Umbauten für die Barrierefreiheit von Schulen.
Die Eltern werfen den Verbänden ein falsches Spiel vor. "Hier wird schlichtweg ausgenutzt, dass sich die Öffentlichkeit in der komplizierten Finanzierung von Schulen nicht auskennt", sagt die Vorsitzende des Elternvereins mittendrin e.V., Eva-Maria Thoms. "Die Kommunen und ihre Landschaftsverbände sind traditionell Träger aller Schulen, auch der Sonderschulen. Da kommt durch die Inklusion kein einziger Schüler neu dazu. Es ist überhaupt nicht schlüssig, warum Fahrtkosten, Integrationshelfer und Lernmittel, die die Kommunen heute an den Sonderschulen bezahlen, nun plötzlich Landesangelegenheit sein sollen, nur weil sie in Zukunft für die gleichen Schüler an den Regelschulen gebraucht werden." Zum Teil sind dies Sozialhilfeleistungen und damit Pflichtaufgabe der Kommunen.
"Wer so argumentiert, will politischen Streit erzeugen und den Aufbau eines inklusiven Schulsystems behindern", so Bernd Kochanek. "Für den Aufbau eines inklusiven Bildungssystems sind nach der UN-Behindertenrechtskonvention alle staatlichen Ebenen verantwortlich. Da müssen auch die Kommunen ihren Teil leisten, und im Übrigen auch der Bund."
Die Elternvereine fordern die Kommunalverbände auf, von nun an konstruktiv an der politischen Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention mitzuwirken. "Wir sind es leid, dass das Recht unserer Kinder auf inklusive Bildung von jeder Interessengruppe instrumentalisiert wird, um sich irgendwelche Vorteile zu verschaffen", sagt Ingrid Gerber, die Vorsitzende von Gemeinsam leben - Gemeinsam lernen Bonn. "Als Betroffene, aber auch als Steuerzahler ist es uns herzlich egal, aus welcher Tasche uns das Geld genommen wird, mit dem inklusive Bildung finanziert wird. Kommunen und Land mögen ihre Finanzverteilung diskutieren, aber nicht auf dem Rücken unserer Kinder!" sch
Dagmar Beier schrieb am 24.01.2012, 11:45
Hallo Herr Katsioulis
Ich wuerde mich freuen,wenn Sie nicht jedem Autisten ABA ans Bein kleben wollen.
So beliebt die Methode bei den Einen,so unbeliebt ist Sie bei den Anderen.
Ich bin gerne dafuer ausgebildete Schulbegleiter zu haben,die dann meinetwegen auch massgebliches ueber Autismus wissen.
Z.B. Verminderung der Reizueberflutung,Verhinderung von Overlowd,Deeskalationsstrategien.
Ich bin fuer Heilpaedagogen,Psychologen,Diplompaedagogen,gegen unterbezahlte MIni LOhn Assistenz, aber bitte nicht im Rundumschlag ABA.
Wer ueberzeugt ist ,gerne,fuer einen großen Teil von Autisten ergibt ABA keinerelei Sinn.
Mit lieben Gruessen
Dagmar Beier
Wasilios Katsioulis schrieb am 24.01.2012, 08:21
die Integrationshelfer benoetigen auch in Faellen, in denen die (Lern-) behinderung mit Verhaltensauffaelligkeiten einhergeht auch spezielle Fortbildungen (ABA = applied behaviour analysis) ueber deren Kostenbeteiligung ebenfalls Einigkeit erzielt werden muss! Es ist naemlich leider so, dass Sozialpaedagogen dieses spezifische Wissen (ABA) bisher an keiner Deutschen Universitaet vermittelt wird, was faktisch bedeutet, dass Autisten zumindest schulisch betrachtet weiter - mangels geeigneter Adaption - exkludiert werden, sodass die Ziele des Art 24 UN BRK (Inklusion) nicht erfuellt werden koennen!
w berger schrieb am 21.01.2012, 22:57
Vielleicht sollte sich die Öffentlichkeit Mal damit auseinander setzen , wieviele Sondereinrichtungen es in Deutschland gibt , obwohl ja bereits seit Inkraftreten der UN-BRK 2009 das Recht auf INKLUSION besteht .
AUSGRENZUNG IST nicht Sinn und Zweck der UN-BRK und daher NICHT ZUM WOHLE - wenn schon das Wunsch-und Wahlrecht in Frage gestellt wird und wie im Falle meiner behinderten Tochter folgende Frage an den Gutachter gestellt wurde " Ist aus ärztlicher Sicht ein ununterbrochener mutmasslicher Wille feststellbar , daß die Tochter nicht mehr in der Sondereinrichtung bleiben will ? Für den Fall das ein solcher Wille nicht feststellbar ist , muß ZUM WOHLE GEHANDELT werden . " !!!
INKLUISON ist Menschenrecht !
Christina Fuchs schrieb am 21.01.2012, 19:33
Die Landschaftsverbände in NRW belasten alle Kommunen mit einer Abgabe.
Aus den Einnahmen dieser Abgaben verpflichten sie sich Leistungen für behinderte Menschen zu zahlen. Kommunale Vertreter sind eingebunden in die Aufgaben der Landschaftsverbände deren Vertreter auch im Landtag des Landes NRW sitzen.
Nachdem die CDU NRW sich in einem Positionspapier zur Umsetzung der UN-BRK verpflichtet hat, fürchten die Landschaftverbände offenbar um ihre gesicherten Einnahmen.
" Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderung......auf ein integratives Bildungssystem."
Will man durch Kostenverlagerungsgezänk einen Rechtsanspruch verhindern?
w berger schrieb am 21.01.2012, 00:26
Es finden sich immer neue "Vorwände" , um behinderte Menschen auszugrenzen.
Karin Kestner schrieb am 20.01.2012, 23:20
Das ist genauso wie in Bayern.
www.bezirk-schwaben.de/no_cache/aktuell/pressemeldungen/meldung-lesen/?tx_ttnews[tt_news]=2645&cHash=d3cace916e68b8a64b4e0c1ff0128429
Und mein Komentar dazu: www.kestner.de/n/verschiedenes/presse/presse-2012.htm#08
Der Bezirkstagspräsident spielt sich wie der König von Bayern auf.
Viele Grüße nach NRW
Karin Kestner
Uwe Heineker schrieb am 20.01.2012, 17:49
..., sich aus der "unbequemen" Inklusion (und Kosten) heraus zu schinden und auf Zeit zu spielen ...