Kommentar von kobinet-Korrespondent Keyvan Dahesch
Frankfurt (kobinet) Mit der deutschen Regisseurin Caroline Link und dem amerikanischen Dokumentarfilmer Michael Moore bekamen in diesem Jahr zwei Menschen in Hollywood einen Oscar, die uns ermutigen. Caroline Link hatte mit ihrem ersten Film (Jenseits der Stille) das Leben eines gehörlosen Ehepaares und deren Probleme eindrucksvoll dargestellt. Keine Produktionsfirma wollte das Projekt realisieren. Doch gelang es ihr einen Produzenten zu überzeugen. Die Zuschauerresonanz übertraf alle Erwartungen. Der Film wurde 1998 ebenfalls für den Oscar nominiert. Damals reichte es leider nicht ganz für die Auszeichnung. Aber in Deutschland hatte die Regisseurin mit ihrem Film die als «Affensprache» verpönte und aus den Gehörlosenschulen verbannte Gebärdensprache derart populär gemacht, dass
die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker in Bund und Ländern sich nicht länger um die offizielle Anerkennung dieser Sprache als Kommunikationsmittel gehörloser Menschen herumdrücken konnten.
Und nun bekam Caroline Link, die wegen der Krankheit ihrer sieben Monate alten Tochter nicht nach Hollywood gereist war, für den Film «Nirgendwo in Afrika» den Oscar für den besten ausländischen Film. Hier behandelte sie das Schicksal einer vor den Nazischergen aus Deutschland nach Kenia geflohenen jüdischen Familie. In beiden Filmen führte die mutige Regisseurin den Zuschauerinnen und Zuschauern die Situation von zwei
benachteiligten Menschengruppen vor Augen. Deshalb freuen wir uns, dass Sie mit der höchsten Auszeichnung in der Filmbranche die verdiente Würdigung erfahren hat.
Bei dem US-Dokumentarfilmer Michael Moore, der
den Kriegsgegnern aus der Seele gesprochen hat, lassen wir die Szene bei der Verleihung noch einmal vor unserem geistigen Auge ablaufen: Jetzt schart er erst mal alle Kollegen um sich, die wie er für Dokumentarfilme nominiert wurden, und sammelt damit Pluspunkte beim Publikum. «Sie stehen hier aus Solidarität mit mir, weil wir Nonfiktion mögen». Man meint die Veranstalter schon aufatmen zu hören: Er spricht nur übers Kino! Aber dann holt er doch zum großen Schlag aus: «Wir mögen Tatsachen. Aber wir leben in einer Zeit der Unwahrheit. Wir leben in einer Zeit, wo es unwahre Wahlergebnisse gibt, die einen unwahren Präsidenten an die Macht bringen. Wir leben in einer Zeit, da es einen Mann gibt, der uns aus unwahren Gründen in den Krieg schickt». Tumult bricht aus, aufbrausendes Klatschen, aber auch empörte Buhrufe, eine nie gekannte Saalschlacht, gegen die Moore anzukämpfen sucht. «Wir sind gegen diesen
Krieg, Herr Bush», ruft er dagegen an und schickt noch ein wütendes «Schande über Sie, Mr. Bush, Schande über Sie!»
Danke, Caroline Link! Danke Mr. Moore! Unsere herzlichen Glückwünsche begleiten Sie auf ihrem weiteren mutigen Weg!