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kobinet-nachrichten 28.03.2003 - 11:14
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http://www.kobinet-nachrichten.org

Mann der Woche

.

Berlin (kobinet) Trotz Handicap hat Jan Klaiber sein persönliche
Bildungsziel erreicht. Er ist der Mann der Woche - im Bundesministerium
für Bildung und Forschung mit einem Sonderpreis ausgezeichnet, der
erstmals im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen verliehen
wurde.

Weil die örtlichen Realschulen ihn nicht aufnahmen, absolvierte der
stark körperbehinderte 23-Jährige seinen Realschulabschluss erfolgreich
per Fernunterricht. Die Mühe hat sich für den jungen Mann aus dem
baden-württembergischen Heidenheim gelohnt: Mit einem Notendurchschnitt
von 1,6 wurde er Lehrgangsbester - und konnte damit seinen lang gehegten
Wunsch verwirklichen, eine Ausbildung als Bürokaufmann zu beginnen.
Für seine außergewöhnliche Lernsituation und seine sehr guten
Schulleistungen kürte eine unabhängige Jury des Deutschen
Fernschulverbandes e.V., Hamburg, Jan Klaiber zum «Sonderpreisträger
2002». Der Preis wurde ihm am 25. März in Berlin von dem
Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und
Forschung, Dr. Uwe Thomas, verliehen.

Sprechen kann Jan Klaiber nicht, mit der Hand zu schreiben, bereitet ihm
große Mühe. Stattdessen verständigt er sich mit Hilfe einer
Buchstabentafel oder per Computer. Was von außen wie eine enorme
Einschränkung wirkt, ist für ihn selbst normal und lässt ihn nicht an
seinen Fähigkeiten zweifeln. Sein erstes Ziel erreichte er 1999: den
Hauptschulabschluss. Ein Jahr hatte er sich an der Ulmer Volkshochschule
auf diese externe staatliche Prüfung vorbereitet. Danach wollte er eine
Ausbildung beginnen, doch weil er auf eine Assistenz am Arbeitsplatz
angewiesen ist und die Kostenübernahme nicht gesichert war, hieß es warten.

Jan Klaiber dauerte das zu lange. «Ich wollte beweisen, dass die
Hauptschule noch nicht das 'Ende' sein kann», sagte er. Er nahm den
Realschulabschluss ins Visier, doch die örtlichen Realschulen lehnten
wegen seiner Behinderung ab. Als «Glücksfall» beschreibt er die Wahl des
knapp dreijährigen Fernlehrgangs zum Realschulabschluss bei der
Hamburger Akademie für Fernstudien. «Zu lernen, ohne dass ein Lehrer mir
permanent auf die Finger schaut», war eine große Erleichterung für ihn.
Zur «angenehmen Lernatmosphäre» habe auch der Arbeiter-Samariter-Bund
beigetragen, der ihm während der gesamten Kursdauer mit Rat und Tat zur
Seite stand. Die Zeiten in der Woche, die er beim ASB betreut wurde,
nutzte er intensiv zum Lernen. Bei Bedarf wurden ihm
Zivildienstleistende oder Studenten als Teilzeitkräfte zur Seite gestellt.

«Weil ich ja nicht mit der Hand zeichnen kann, hat mir ein Student ein
Computerprogramm zum Darstellen von Funktionen und Parabeln besorgt»,
erinnert sich Jan Klaiber. Im Nachhinein ist er sicher, «dass der
Fernunterricht wesentlich grundlegender war, als der Unterricht an einer
regulären Schule sein kann». Vom selbstverantwortlichen Lernen angeregt,
hat er über den vorgegebenen Lernstoff hinaus nützliches Material im
Internet recherchiert.

Seine Eltern, die anfangs noch skeptisch waren, sind heute stolz auf
ihren zielstrebigen Sohn, auch seine Schwester Aura (34) ist
beeindruckt. «Ich hab mir schon überlegt, ob ich nicht Abitur machen
sollte», schmunzelt Jan Klaiber. Doch noch viel lieber hat er die Chance
ergriffen, die sich ihm aufgrund seines Realschulabschlusses geboten
hat: Im September 2002 begann er eine Ausbildung zum Bürokaufmann beim
ASB in Ulm, «eine Chance, die es für Behinderte nicht so oft gibt». sch

 

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