Kassel (kobinet) Die Selbstbestimmt Leben Bewegung behinderter Menschen wollte es bei der Eröffnungsveranstaltung zum Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen nicht beim bloßen gegenseitigen Auf-die-Schulter-Klopfen belassen und hat mit der Verteilung eines Buttons bei der Abschlussdiskussion der Großveranstaltung auf diejenigen hingewiesen, die nach wie vor in Großeinrichtungen mit zum Teil erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität leben müssen. Mit einem Button mit der Aufschrift «Reißt die Mauern nieder» warben die AktivistInnen dabei nicht nur dafür, dass überkommene Einrichtungen endlich ihre Mauern nieder reißen, wie dies bereits in der Evangelischen Stiftung Hephata in Mönchengladbach geschieht, sondern vor allem auch für den Aufbau alternativer Unterstützungsstrukturen.
«Wir wollen genau wieder alle Anderen eine Wahl haben, wo und wie wir leben und die benötigte Unterstützung hierfür nicht nur in Einrichtungen, sondern auch in unseren Wohnungen bekommen», so Elke Bartz, Vorsitzende des Forums selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen - ForseA e.V. Die Geschäftsführerin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland, Barbara Vieweg, plädiert darüber hinaus dafür, dass auch behinderten Menschen mit einem höheren Unterstützungsbedarf endlich die Türen geöffnet werden, die ihnen bisher durch eine bloße Fokusierung der Hilfen auf aussondernde Einrichtungen verschlossen blieben.
Aufbauend auf dieser erfolgreichen und auf großes Wohlwollen gestoßenen Aktion in Magdeburg wollen nun eine Reihe von Verbänden diese Aktion fortführen und besonders während des Europäischen Jahres der Menschen mit Behinderungen aktiv dafür werben, dass die Mauern, die behinderte Menschen ausgrenzen, endlich niedergerissen werden. Dazu sollen weitere Buttons mit der Aufschrift «Reißt die Mauern nieder» mit einem entsprechenden Begleittext produziert werden, die als Symbol für eine neue Behindertenpolitik stehen sollen. Stefan Göthling vom Netzwerk People First Deutschland beschreibt das Ziel der Kampagne so: «Unser Staat muss die Freiheit und Selbstbestimmung und keine unnötige Abhängigkeit und Ausgrenzung behinderter Menschen finanzieren».
Das Bündnis sammelt in einer ersten Phase Bestellungen für die Produktion der Buttons, die in den nächsten Monaten bei Veranstaltungen verstärkt verteilt und eingesetzt werden sollen. «Da wir die Buttons ohne Zuschüsse in Eigenregie herstellen, müssen wir wissen, wie viele Buttons von den verschiedenen Organisationen benötigt werden. und sind auf verlässliche Bestellungen angewiesen», erklärte Ottmar Miles-Paul, der die Aktion für das Bündnis über den Kasseler Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter - fab e.V. - koordiniert. Vorbestellungen können also ab sofort beim Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter - fab e.V. -, Ottmar Miles-Paul, Kölnische Straße 99, 34119 Kassel, Tel. 0561/9977172, E-Mail: ottmar.miles-paul@bifos.de getätigt werden. Die Buttons kosten 0,80 €uro pro Stück und können dort ab einer Menge von 100 Stück vorbestellt werden. Spenden für die Aktion sind auf dem Konto 500 10008 bei der Kasseler Sparkasse BLZ: 520 503 53 herzlich willkommen. hjr
Ergänzend zu den Buttons wird ein Blatt mit folgendem Text geliefert:
Reißt die Mauern nieder
Tragen Sie diesen Button als Zeichen der Solidarität mit den behinderten Menschen, die ohne Alternativen in Sondereinrichtungen leben.
Zur Zeit leben in Deutschland noch ca. 160.000 behinderte Menschen in Großeinrichtungen. Fast 20% der geistig- und mehrfachbehinderten Menschen leben in Zimmern mit drei und mehr Betten. 43% der geistig-, körper- und mehrfachbehinderten Menschen leben mit einer zweiten Person auf einem Zimmer, was von ihnen oft nicht selbst gewünscht wird.
ALLE Menschen - unabhängig von der Höhe ihres Unterstützungsbedarfs - haben ein Recht darauf, außerhalb von Großeinrichtungen zu leben und die Unterstützung, die sie benötigen, dort zu bekommen, wo sie leben wollen.