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20.01.2004 - 19:30

Wie beim Ping-Pong-Spiel.

Jena (kobinet) «Wenn man eine Reise tut, kann man viel erleben». So ging es auch Barbara Stötzer-Manderscheid, die mit ihrem Mann eine Reise geplant hat. Dass vieles, was für Nichtbehinderte selbstverständlich ist, für Rollstuhlfahrer schnell zum Problem werden kann, dass es sich aber auch lohnt, nach Lösungen zu ringen und um seine Rechte zu kämpfen, hat die Thrüringer Rollstuhlfahrerin hautnah erlebt. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Barbara Stötzer-Manderscheid, die im Rahmen des EQUAL-Projektes OPEN DOORS bei der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland in Jena beschäftigt ist, über ihr Ringen mit der Reisebranche. kobinet-nachrichten: Sie hat das Urlaubsfieber gepackt, welche Reise hatten Sie genau geplant? Barbara Stötzer-Manderscheid: Mein Mann und ich hatten uns wieder für Teneriffa entschieden, diesmal als Pauschalreise über ein Reisebüro. kobinet-nachrichten: Das klingt ja gut, doch wo lag der Hase im Pfeffer? Barbara Stötzer-Manderscheid: Als wir die Reise gebucht und angezahlt hatten, stand auf der Rechnung der Vermerk: «Rollstühle sind vom Transfer ausgeschlossen». Darauf wurden wir bei Abschluss des Vertrages nicht hingewiesen. Zum anderen war das aus den Allgemeinen Reisebedingungen nicht ersichtlich und letztendlich wurde uns ja der Transfer als Bestandteil der Leistung berechnet. Nach einer ersten Beschwerde beim Reiseveranstalter alltours wurde uns mitgeteilt, dass Rollstühle Sondergepäck seien - laut den Reisebedingungen werden sie so mit Fahrrädern, Surfbrettern etc. gleichgesetzt. Um meinen Transfer vom Flugplatz zum Hotel und zurück sollen wir uns daher selbst kümmern, auch wenn dabei Mehrkosten entstehen. Abgesehen davon wäre ja auch der Reisebus nicht zugänglich gewesen. kobinet-nachrichten:Welche Schritte haben Sie unternommen, um dieser Diskriminierung entgegen zu wirken und mit welchem Erfolg? Barbara Stötzer-Manderscheid: Es begann ein intensiver Schriftverkehr mit alltours. Ich habe die Kostenübernahme für ein Taxi oder die Erstattung der Pauschale für den Transfer verlangt. Mit jedem Schreiben näherten wir uns an. Ich kam mir vor, wie in einem Ping-Pong-Spiel, war aber nicht bereit, vor Erreichen des Zieles aufzugeben. Die Art und Weise, wie alltours anfangs mit dem «Problem» umging und wie selbstverständlich diese Diskriminierung war, hat mich regelrecht motiviert. Ein erstes Angebot war dann die Erstattung der Pauschale für mich, nicht aber für meinen Mann. Da ich jedoch beim Einsteigen ins Taxi auf seine Hilfe angewiesen bin, war das völlig unakzeptabel. Also habe ich abgelehnt und blieb bei meiner Forderung, der alltours dann im nächsten Schreiben auch nachkam - natürlich als Ausnahme. Die Rechnung wurde um die Pauschale für den Transfer in Höhe von 40 Euro reduziert. Davon bezahlen wir dann ein Taxi. kobinet-nachrichten: Das heißt, ihr Kampf für Ihre Rechte hat sich gelohnt. Was können Sie anderen Betroffenen für solche Situationen empfehlen, bzw. was würden Sie sich wünschen, damit Sie nicht bei jeder Reise das gleiche Theater haben? Barbara Stötzer-Manderscheid: Trotz des recht großen Aufwandes für eine relativ geringe Summe würde ich anderen Betroffenen empfehlen, für ihre Bedürfnisse zu kämpfen, damit wir auch als Personengruppe nicht nur von den Anbietern von Sonderreisen für Behinderte wahrgenommen werden. Es ist für die meisten Reiseveranstalter noch viel zu selbstverständlich, dass behinderte Reisende ausgeschlossen oder benachteiligt werden und Mehrkosten in Kauf nehmen oder nehmen müssen, damit sie überhaupt verreisen können. Wünschen würde ich mir, dass es endlich ein zivilrechtliches Antidiskriminierungsgesetz in Deutschland gibt, das solche Benachteiligungen gesetzlich verbietet und wir auch beim Reisen nicht länger als Menschen zweiter oder dritter Klasse abgestempelt werden! kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview und gute Reise. (Das Interview führte kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul) 

 
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