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kobinet-nachrichten 18.05.2004 - 21:40
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Frankfurter Behinderte lehnen Heime ab

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Frankfurt a.M. (kobinet) Das Plenum der Frankfurter Behindertenarbeitsgmeinschaft (FBAG) beschloss heute abend im Römer eine gemeinsame Erklärung, worin der Magistrat der Stadt Frankfurt aufgefordert wird, dafür Sorge zu tragen, dass keine behinderten Menschen gegen ihren Willen und aus Kostengründen in Heime oder heimähnliche Einrichtungen ausgesondert werden. Die FBAG repräsentiert als Bündnis der Behindertenorganisationen und als beratendes Gremium der Stadt die Interessen der rund 50.000 behinderten Menschen in der Mainmetropole. In der Begründung dieser Erklärung wurde die Einrichtung eines so genannten «Wohnheimes für junge Körperbehinderte» im Hufelandhaus, in dem nach Angaben des Heimbetreibers 27 so genannte «Wohnpflegeplätze für jüngere Menschen mit körperlicher Behinderung» geschaffen wurden, ausdrücklich missbilligt. Heime für behinderte Menschen, heißt es weiter, schränken die gleichberechtigten Lebensmöglichkeiten behinderter Menschen sowie deren ambulante Versorgung und den Anspruch auf ein selbstbestimmtes Leben in einer eigenen Wohnung ein. Dies widerspreche Buchstaben und Geist der von der Stadt Frankfurt unterzeichneten Barcelona-Erklärung «Die Stadt und die Behinderten», in der es wörtlich heißt: «Dass die Stadt als eine gemeinschaftliche Form der gesellschaftlichen Organisation, die in all den verschiedenen Kulturen überall auf unserem Planeten zu finden ist, sich der notwendigen Mittel und Ressourcen versichern muss, um gleiche Chancen, gleiche Lebensqualität und gleiche Beteiligung all ihrer Einwohner im städtischen Leben zu fördern.» Heimunterbringungen aus Kostengründen seien daher nicht zu akzeptieren. Der Leiter des Sozialamtes der Stadt Frankfurt, Ingo Staymann, verwies auf die angespannte Finanzsituation der Stadt. In Anwendung des Sozialgesetzbuches (SGB) XII müsse daher bei Behinderten über 65 Jahren die Zumutbarkeit von Heimunterbringungen geprüft werden. Dieser Auffassung wurde seitens der FBAG energisch widersprochen. Jede Selektion und Separierung von Menschen mit Behinderungen in Heime oder heimähnliche Einrichtungen missachte und verletze die Würde und das Recht zu einem selbstbestimmten Leben. Die FBAG schlägt der Stadt Frankfurt ein Moratorium der Neueinrichtung und Erweiterung von Heimen und heimähnlichen Einrichtungen für behinderte Menschen vor. «Ziel dieses Moratoriums ist die kooperative Entwicklung eines gemeinsamen Konzeptes der FBAG sowie des Jugend- und Sozialdezernats der Stadt Frankfurt, auf dessen Grundlage pflegeabhängigen und behinderten Menschen auf deren Wunsch uneingeschränkt und durch die Bereitstellung oder Vermittlung der notwendigen Mittel und ambulanten Hilfen die Führung eines selbstbestimmten Lebens in eigener Wohnung und Haushalt dauerhaft und grundsätzlich ermöglicht wird», wurde in der Begründung der Erklärung formuliert. Dies müsse auch gelten für behinderte Menschen, die in Heimen oder heimähnlichen Einrichtungen leben und diese verlassen wollen. Gefordert wurden mehr barrierefreie Wohnungen in Frankfurt sowie der Ausbau der Beratungsstellen für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen. hjr  

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