
Berlin (kobinet) Unter dem Motto «Radeln für die Netzhautforschung» starten morgen blinde und sehbehinderte Radfahrer aus acht Nationen auf Doppelrädern von Berlin nach Budapest. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse wird die multikulturelle Gruppe per Startschuss um 9.00 Uhr am Westportal vor dem Reichstag auf die rund 1.200 Kilometer lange Reise via Prag und Wien schicken. Pro Retina Deutschland organisiert die Euro-Tandem-Tour. Klaus Assmann will am 16. Juni in Budapest ankommen. Er kann nur noch hell und dunkel unterscheiden und mit Mühe Silhouetten erkennen. «Doch wenn sich der 65-jährige Berliner in den Sattel schwingt, vergisst er seine Behinderung», schreibt heute die Berliner Morgenpost. Mit Ex-Radweltmeister Reiner Podlesch als Pilot geht der ehemalige Richter an den Start. Assmann fährt seit zehn Jahren Tandem-Touren. Er ahnt schon, was ihn auf der 1200 Kilometer langen Strecke erwartet: Brennende Muskeln, ein schmerzendes Gesäß und aufkommende Müdigkeit, die die Konzentration erschwert. Doch für die Freiheit und fast uneingeschränkte Beweglichkeit nimmt er Schmerzen bereitwillig in Kauf. Seit Monaten legen Assmann und Podlesch, die von der Deutschen Angestellten Krankenkasse DAK gesponsert werden, jedes Wochenende rund hundert Kilometer mit dem Zwei-Mann-Rad zurück. Nicht nur der Kondition wegen. Auch die Abstimmung will passen. So ist Assmann auf seinen Piloten angewiesen, dass er ihn rechtzeitig vor scharfen Kurven warnt, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Ansonsten haben beide die gleichen Aufgaben: Treten, was das Zeug hält. Nur mit ganzer Muskelkraft lassen sich Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 60 Stundenkilometern erreichen. sch