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01.07.2004 - 09:00

Anhörung zu Freifahrten am 13. Juli.

Bonn (kobinet) Obwohl aus den Reihen der rot-grünen Behindertenpolitiker aus dem Bundestag erheblicher Widerstand gegen Einschnitte bei Freifahrten für Schwerbehinderte im öffentlichen Verkehr angekündigt wurden, findet schon am 13. Juli 2004 in Bonn die Ministeriumsanhörung statt, bei der es u.a. um diese Frage geht.

Nach Informationen von Barbara Vieweg, Bundesgeschäftsführerin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland - ISL e.V. - versteckt sich die angedrohte Änderung der Freifahrtregelung im Entwurf für ein Gesetz zur Stärkung der Wirtschaftlichkeit in der Sozialversicherung - Wirtschaftlichkeitsstärkungsgesetz. Zu diesem Gesetz führt das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung mitten in der Ferienzeit am 13. Juli seine Ministeriumsanhörung in Bonn durch. «Man wundert sich manchmal schon, unter welchen Gesetzestiteln solch haarsträubende Einschnitte wie bei der Freifahrtregelung versteckt sind und durchgesetzt werden. Vor allem ist es äusserst ärgerlich, dass so etwas mitten in der Ferienzeit so schnell voran getrieben wird», so Barbara Vieweg.

«Wir hoffen, dass sich die Koalitionsarbeitsgruppe Behindertenpolitik diesen Plänen des Ministeriums, die ja auf die Koch-Steinbrück-Vorschläge zum angeblichen Subventionsabbau zurück gehen, konsequent entgegen stellt». omp
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Mareike Helmig schrieb am 02.07.2004, 16:25

Mal ehrlich

Also mal ehrlich! Warum wird Behinderung immer gleich mit beschränkten finanziellen Mitteln gleichgesetzt? Ich finde, dass wenn man überall Gleichstellung fordert, darf das nicht bei finanziellen Dingen aufhören sollte, nur weil es in der Hinsicht eben Vorteile gibt, die man nutzen möchte. Aber halt, halt! Ansonsten wollen wir wie Nichtbehinderte behandelt werden! Wenn wir das wollen, dann aber bitteschön auch konsequent und nicht nur in den Bereichen, in denen wir uns benachteiligt fühlen! Wir machen uns doch irgendwie selbst zum Opfer und schließen uns aus, wenn wir immer Integration und Gleichberechtigung fordern und gleichzeitig zeigen: Hey, wir sind behindert und zahlen darum weniger. Ich bin behindert, hört mich jammern ;-) Das ist doch Mist!

Ich kenne viele Leute, die finanziell schlechter gestellt sind als ich und die müssen auch den vollen Preis zahlen, wenn sie Bus & Bahn nutzen wollen. Manchmal ist es mir richtig peinlich, nur meinen Schwerbehindertenausweis zu zeigen (oder das erst gar nicht zu müssen, weil ich ja im Rollstuhl sitze und jeder sehen kann, dass ich behindert bin)und dann habe ich freie Fahrt wohin es auch geht.

Also: Weniger jammern und dafür mehr daran denken, dass Gleichberechtigung eben nicht nur gleiche rechte sondernauch gleiche Pflichten beinhaltet!!

Manfred Keitel schrieb am 02.07.2004, 16:24

Sehr ehrlich!

Hallo Mareike!

Es freut mich, daß es Dir gut geht und Du ohne Barrieren durch das Leben kommst. Ich selbst würde gerne - wie andere, die ein kleines Einkommen haben - ein Fahrrad nutzen um flexibler zu sein (es gibt ja immer noch große Lücken im Nahverkehr, Zeiten in denen nur Läufer mitfahren können) und natürlich auch, weil die Zustände ja nach Stadt unzumutbar sind und elektrische Rollstühle sogar beschädigt werden können, wenn man versucht den Nahverkehr zu nutzen, wofür natürlich kein Verantwortlicher gerade steht. Allerdings darf man mit starker Gehbehinderung bei der Nutzung eines Fahrrades auf das nächste Leben warten, denn eine Behinderung lässt sich ja nicht zwischendurch in einer Schublade verstauen wie ein lästiges Kleidungsstück.

Ich meine Du solltest Dich daran erinnern, daß es ausser Dir noch andere Leute mit Handicap gibt, die wie Deine Bekannten noch weniger Geld haben als Du und trotzdem einen Rollstuhl nutzen müssen. Wer als Assistenznehmer die Stadt verlässt, muss natürlich immer für mindestens zwei Personen bezahlen, wenn es um Übernachtungen geht und der gleichen.

Wirst Du Dich dafür einsetzen, dass die Bahn Milliardenbeträge in den Umbau von Fahrkartenautomaten investiert und diese auch immer wieder instandsetzt? Wenn Du hier aktiv wirst fände ich das gut, parallel dazu kannst Du vielleicht in einem Forum für Soziales dafür miteintreten, dass alle Menschen mit geringem Einkommen bessere Chancen in Leben erhalten. Natürlich weiss ich nicht, was für Dich ein geringes Einkommen ist, aber ich verstehe darunter den Sozialhilfesatz oder weniger und das treffen wir ja auch bei Berufstätigen an. :-(

Gleichbehandlung heisst mehr Chancengleichheit, denn ohne Chancengleicheit werden wir radikal ausgegrenzt.

Grüße
Manfred

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