
Lübeck (kobinet) Nach massiven Protesten der Betroffenen wächst auch in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands der Widerstand gegen die Absicht der Bundesregierung, die Freifahrten von schwerbehinderten Menschen drastisch einzuschränken. Wolfgang Baasch, sozialpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein forderte, diese Pläne nicht weiter zu verfolgen. «Wir sprechen uns entschieden gegen Pläne des Bundesgesundheitsministeriums aus, die für behinderte Menschen kostenlose Benutzung öffentlicher Nahverkehrsmittel einzuschränken», so Baasch laut HL-Online. Die Pläne könnten dazu führen, dass behinderte Menschen zu Schwarzfahrern werden. Sehbehinderte und blinde Menschen oder Rollstuhlfahrer seien nicht in der Lage, Fahrkartenautomaten zu bedienen, weil diese nicht behindertengerecht seien. So gäbe es keine Automaten mit Sprachausgabe für blinde oder mit vergrößerter Schrift für sehbehinderte Menschen. Für Rollstuhlfahrer und Kleinwüchsige seien die Bedienelemente zu hoch angeordnet. Zehntausende von Automaten auf Bahnhöfen ohne Fahrkartenschalter müssten ersetzt werden. Die avisierten Einsparungen, die sich aus den geplanten Einschnitten beim so genannten Nachteilsausgleich für Schwerbehinderte ergäben, seien schnell wieder ausgegeben, wenn die Automaten umgerüstet würden. sch
Markus Drolshagen schrieb am 15.07.2004, 17:58
Liebe Ulla Schmidt,
bravo, ich begrüße Ihre Initiative zur Einschränkung der Freifahrt behinderter Menschen im öffentlichen PersonenNahverkehr. Dank Ihres mutigen Vorgehens geht bald endlich der lange herbei gesehnte Ruck durch unser Land und die Zukunft sieht für die nachkommende Generation wieder rosig aus. Das ist ja auch wirklich eine völlig überflüssige und unsinnige Subvention; wozu sollten Behinderte den öffentlichen Personennahverkehr schon nutzen? Die meisten von denen gehen sowieso nicht arbeiten und haben nichts Besseres zu tun, als den ganzen Tag mit den äußerst komfortablen Nahverkehrszügen der Deutschen Bahn kostenlos von einem Ende Deutschlands zum anderen und wieder zurück zu fahren. Dabei nehmen sie den Berufspendlern, die sich tagtäglich für die Erhaltung und Flexibilisierung des Standorts Deutschland und für die Einhaltung des EU-Stabilitätspacktes abrackern, die wohl verdienten Plätze weg. Mit dieser bodenlosen Unverschämtheit muss endlich Schluss sein! Einen ersten Schritt hat ja die Deutsche Bahn in ihrer Eigenschaft als fortschrittlich-innovatives Unternehmen bereits mit der Streichung der Interregio-Züge gemacht. Die konnten nämlich von Behinderten innerhalb der Verkehrsverbünde kostenfrei überschwemmt werden, und das haben die so unverschämt ausgenutzt, dass fast kein anderer Fahrgast mehr Platz fand!
Was wollen die Behinderten überhaupt auf Bahnhöfen und an Haltestellen, wo es keine Schalter, sondern nur Fahrkartenautomaten gibt? Wo kein Schalter ist, hat der Behinderte sein Recht verloren! Dort wird auch sonst nicht viel los sein, und Behinderte haben dann dort auch nichts zu suchen. Sie fallen nur der örtlichen Bevölkerung in ihrer ländlichen Idylle zur Last. Ich vermute ja, Behinderte fahren nur deshalb soviel in der Gegend herum, weil sie ständig auf der Suche nach adäquaten Wohnmöglichkeiten für sich sind. Wirklich, da könnte Ihre Regierung aber auch mal was machen, es gibt viel zu wenig Heimplätze für Behinderte. Mit den enormen Einsparungen von jährlich bis zu 8 Millionen Euro, die Sie ab 2006 erwarten, könnten sie doch viele schöne Verwahranstalten für Behinderte bauen! Sprechen Sie doch mal mit den regionalen Wohlfahrtsverbänden, die fänden die Idee bestimmt toll! Es geht ja auch nicht, dass jeder Behinderte glaubt, in einer eigenen Wohnung, womöglich noch mit Assistenz, wohnen zu können. Wo kämen wir denn da hin? Schließlich versorgen sich auch viele Ihrer Kollegen aus dem Bundestag selbst und schrubben ihre Berliner Bude, ohne diese Arbeiten auf einen persönlichen Jojo abwälzen zu können. So ein Heimkonzept unter dem Motto Brot und Spiele wäre doch für Behinderte genau das Richtige. Natürlich brauchen die neuen Einrichtungen noch einen poppigen Namen. Ihre Pr-Abteilung soll sich da mal was Griffiges einfallen lassen, möglichst auf denglisch. Wie wäre es denn mit Care and Entertainment Center for Disabled Persons? Das ist doch sehr wohlklingend und das Problem der armen Behinderten, die wegen jedem Becher Quark vor die Tür müssen und die öffentlichen Verkehrsmittel überfüllen, wäre dann auch gelöst.
Lassen Sie sich nur nicht durch das ständige Gejammer der Behindertenverbände abschrecken, von wegen zu wenig Barrierefreiheit und mangelnder Integration. Am besten wäre sogar, alle Behinderten in der Bundesrepublik in ein zentral gelegenes, entsprechend großes Heim zu stecken, dann müssten sie gar nicht mehr Bahn fahren, so dass Barrieren kein Thema mehr sind ... Auch die Arbeit im Heim hat für Behinderte eine lange Tradition, ich denke da vor allem an solch sinnvolle Aufgaben wie Besenbinden und Körbeflechten. Die Blinden könnten ja auch mal wieder ihre hellseherischen Fähigkeiten zum Wohle unseres Landes einsetzen, das haben sie seit dem Mittelalter nicht mehr getan. Wenn Sie, Frau Schmidt, mich dann besuchen kämen, um mich nach der Zukunft Ihrer Regierung zu fragen, sähe ich allerdings rot, pardon, schwarz!
Frank Winkel schrieb am 15.07.2004, 12:04
Es trifft voll zu, dass bei einer Umrüstung der Automaten das eingsparte Geld schnell wieder ausgegeben sein würde. Denn allein die Hilfsmittel kosten sehr viel.
Ist es nicht schon schlimm genug, dass durch die Umwandlung der IR- in IC-Züge bereits eine Einschränkung der Freifart stattfand? Bei dieser Einschränkung kann man auch von einer "verdeckten Einschränkung" sprechen. Diese Einschränkung ging von der Deutschen Bahn AG aus, da sie die IR-Züge in IC-Züge umgewandelt hat. Dort gilt der Schwerbehindertenausweis nicht, während in einigen Verkehrsverbünden nichtbehinderte Zeitkarteninhaber und Studenten mit dem Semesterticket die IC-Züge gegen Zahlung eines Aufpreises nutzen dürfen.