
Freiburg (kobinet) Die Caritas wird Arbeitslosen, die nach der neuen Gesetzgebung nach Hartz IV vom Jahr 2005 an Arbeitslosengeld II beziehen, Arbeitsmöglichkeiten im sozialen Bereich anbieten. Sie will daran mitwirken, dass die Betroffenen durch eine Tätigkeit, die sinnvoll ist und ihren Fähigkeiten entspricht, besser Zugang zum Arbeitsmarkt finden. Wie dies konkret gestaltet werden kann, sollen die örtlichen Caritasorganisationen mit den Arbeitsagenturen und den Kommunen abstimmen. «Im Interesse arbeitsloser Menschen», betonte Georg Cremer, der Generalsekretär des katholischen Wohlfahrtsverbandes, «nutzt die Caritas damit Möglichkeiten von Hartz IV - trotz nach wie vor bestehender massiver Kritik an diesem Gesetzeswerk.» Dass in vielen Bereichen der sozialen Arbeit ein dringender Bedarf an zusätzlichen Tätigkeiten bestehe, die pflegebedürftigen oder auf Hilfe angewiesenen Menschen das Leben erleichtern würden und bei der jetzigen Personalsituation nicht geleistet werden können, stehe außer Zweifel. Zu den zwingenden Bedingungen, die Caritas für ihre Mitwirkung an die Bundesagentur für Arbeit stellt, gehört dass die Betroffenen zwischen mehreren Angeboten auswählen können. Ebenso sollen sie Einarbeitung und Möglichkeiten zur Qualifizierung erhalten. Dadurch sollen die Chancen besonders der jungen Menschen verbessert werden, Zugang zu einer Berufsausbildung oder zum ersten Arbeitsmarkt zu erhalten. sch Mehr auf www.caritas.de
Detlev Bischof schrieb am 28.07.2004, 16:49
Die ehrenhafte Aktion der Caritas gerät ins Zwielicht. Laut Pressemeldungen ist der Sozialverband Deutschland gegen den Einsatz junger Arbeitsloser bei der Caritas. Die Arbeitslosenhilfe – II - Bezieher würden so „unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit“ ausgenutzt. Laut Bauer (SoVD) im Hamburger Abendblatt dürften die jungen Arbeitslosen nur 15% von 2 Euro Stundenlohn behalten. Die sozialversicherungstechnische Seite bedarf ebenso einer detaillierten Betrachtung. Weiterhin distanzierten sich das DRK sowie die Diakonie von den Caritas-Hartz-IV-Plänen. Bereits in der Vergangenheit fand die „Geschäftstüchtigkeit“ der Caritas Beachtung. Behinderte Menschen in Werkstätten protestierten gegen Steigerungslöhne zwischen 50 und 70 Cent/Stunde. Der „verbilligte“ Einsatz von Arbeitslosen birgt mittel- und langfristig die Gefahr eines Verdrängungswettbewerbes in der Alten- und Krankenpflege. KrankenpflegehelferInnen kämpfen bereits mit Teilzeitbeschäftigung und weiteren Einsparungen der Caritas. Offensichtlich kalkuliert die Caritas mit der Notlage vieler Menschen, welche nur geringfügig beschäftigt sind oder keine Arbeit haben. Das Bild der Anwältin für Soziale Gerechtigkeit bekommt zunehmend Kratzer.