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28.07.2004 - 09:01

Sozialverbände sehen kaum neue Jobs durch Hartz IV.

Berlin (kobinet) Die Ankündigung der Caritas, mit der Sozialreform Hartz IV zahlreiche neue Arbeitsplätze zu schaffen, stößt bei Berliner Sozialverbänden auf Skepsis und Zurückhaltung. «Eine solche Ankündigung ist wenig redlich», kritisiert Konrad Koschek vom Paritätischen Wohlfahrtsverband laut einem Bericht heute in der Berliner Morgenpost. Über Hartz IV könnten keine neue Arbeitsplätze, sondern nur befristete Arbeitsgelegenheiten geschaffen werden, die über das Arbeitslosengeld II subventioniert würden. Arbeitsplätze auf Dauer seien dies aber nicht, so der Bundeskoordinator für Jugendsozialarbeit im Paritätischen Gesamtverband Berlin e. V. Gleichwohl wird vom Verband ein Modellprojekt «Gemeinwohlarbeit» vorbereitet, das den Einsatz von Arbeitslosengeld-Empfängern im Alter von 20 bis 25 Jahren zum Ziel hat. Analog des Caritas-Konzepts sollen sie - jeweils für ein Jahr - in der Alten-, Jugend- und Behindertenhilfe Beschäftigung finden. Pro Bundesland sind 200 Stellen geplant, in Berlin und Brandenburg also insgesamt 400. Finanziert werden soll der Einsatz über die Agenturen für Arbeit sowie - in Höhe von 20 bis 25 Prozent der Gesamtkosten - von den Sozial-Einrichtungen, die einen Nutzen davon haben. «Wichtig ist uns dabei, die jungen Leuten zu qualifizieren, damit sie später einmal eine feste Stelle bekommen», so Koschek. «Wir wurden von der Mitteilung der Caritas sehr überrascht», so zitiert die Morgenpost die Reaktion von Ute Steigenberger vom Berliner Landesverband des Diakonischen Werkes. Es gebe durchaus die Bereitschaft des Verbandes, Möglichkeiten für eine Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen im Sozialbereich zu prüfen, dafür fehlten zurzeit jedoch verlässliche Rahmenbedingungen. «Wir sehen dabei die Bundesagentur für Arbeit und das Land Berlin in der Pflicht», so Steigenberger. Zurückhaltung registrierte die Zeitung auch beim Landesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO). «Es gibt ähnliche Pläne wie bei der Caritas, mit Zahlen sind wir jedoch noch sehr, sehr vorsichtig», sagt Andreas Beckmann, Referent der Geschäftsführung. Einsatzmöglichkeiten gebe es etwa als Stationshilfen und in der Altenpflege. Der Bedarf dafür sei groß. Doch komme es dabei mehr auf die Qualität denn auf Quantität der eingesetzten Helfer an. sch  

 
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

manfred keitel schrieb am 31.07.2004, 09:31

Anstelle eines Leserbriefes...

...hier meine Mails an Karl-Josef Laumann (CDU) und Rainer Brüderle (FDP), auf die ich keine Antworten bekam.
Zu der Zeit - Anfang diesen Jahres - wurde gerade diskutiert, Erwerbslose als Zivi-Ersatz zu gebrauchen. Inhaltlich hat mein Text nichts an Aktualität verloren, vor allem was die Schaffung von Erwerbsarbeitsplätzen betrifft.

Es ist ausserdem zu erwarten, daß die Caritas mit daran beteiligt sein wird, durch zur Zwangsarbeit Verpflichtete (Hartz IV) Druck auf die Tarife für Normalverdiener im "Pflegebereich" und anderswo auszuüben und weitere Arbeitnehmerrechte auszuhöhlen, wenn es keine massiven Proteste gibt.

Die Not durch die engen Module der Pflege"versicherung" ist in den Anstalten groß genug, so kann ich mir vorstellen, wie solche Kurschlußentscheidungenlangfristige und echte Lösungen der Probleme ablösen. Die Zukunft wirkt zunehmend bedrohlicher durch, unsoziale Praktiken.

--

Ihre Vorhaben, Erwerbslose und Sozialhilfeempfänger als Ersatz für Hilfen bei alten, behinderten und kranken Menschen zu nutzen, steht deutlich der Selbstbestimmung behinderter Menschen entgegen und kann nur wider besseren Wissens in der Praxis zum Einsatz kommen.

Der "Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband" forderte bereits zurecht Langzeitarbeitslose nicht als Ersatz-Zivis zu mißbrauchen; ich weise darauf hin, daß die Zivildienstleistenden eine bewußte Entscheidung für ihren Dienst getroffen haben, also bereit sind, diese Arbeit zu machen. Sie bringen eine Eignung mit, die von Zwangsverpflichteten nicht erwartet werden kann. Diese sollen außerdem noch dem Arbeitsamt zur Verfügung stehen, womit ersichtlich ist, daß sie selbst bei guter Motivation keine Versorgung sicherstellen können.

Aus eigener Erfahrung als Assistenznehmer weiss ich, wie schwierig bis unmöglich es ist, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die ihre Probleme in den Alltag ihnen eigentlich Fremder hereintragen und vom Assistenznehmer alles erdenkliche Zwischenmenschliche einfordern. Das ist bei vielen Erwerbslosen aber der Fall. Menschen mit einem Handicap sind bereits von den "Reformen" gebeutelt und sollen nun der Bedrohung entgegen sehen, daß auf diese Art Verpflichtete ihren Frust in das Privatleben behinderter Menschen, Altenheime u.s.w. hereinbringen.

Hiervon erleben wir aber auch so genug (ohne diese Zwänge), denn wir werden auch von Helfern sogenannter "professioneller Dienste" bereits oft als letztes und schwächstes Glied in der Kette behandelt. Das muß sich endlich einmal ändern, darum ersuche ich sie, von diesen Ungerechtigkeiten ganz schnell wieder Abstand zu gewinnen.

Schon seit vielen Jahren weisen Menschen aus der Behindertenbewegung auf die Möglichkeit eines steuerfinanzierten Assistenzsystems hin, das die Assistenznehmer endlich aus ihren Status als Sozialhilfeempfänger heraushelfen würde und eine ordentliche Entlohnung der Assistenz voraussetzt. Hier böte sich endlich die Möglichkeit, bezahlte Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen. Die Gemeinschaft kann erwarten, daß ihre behinderten Mitbürger gleichberechtigt behandelt werden und Verpflichtungen nicht auf Kosten des Arbeitslosen als "Billigware" verschärft werden.

MfG
Manfred Keitel

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