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19.09.2004 - 14:28

«Haben die denn nichts gelernt».

Kassel (kobinet) «Haben die denn nichts gelernt», fragt sich Heinz-Peter Junge von der Kreisgruppe des VdK Kassel angesichts der Absicht der hessischen Landesregierung eine geschlossene Einrichtung für strafunmündige Kinder- und Jugendliche auf dem Kalmenhof in Idstein in Hessen einzurichten. Vergleiche den kobinet-Bericht vom 18.9.2004.

«Heute Morgen schlug ich die Zeitung auf, da hat es mich fast umgehauen, als ich gelesen habe, dass die Landesregierung Jugendliche wieder in geschlossenen Anstalten unterbringen will. Als jemand, der sich als misshandeltes Heimkind gegen die Untaten von damals einsetzt und damals selbst auf dem Kalmenhof war ich bei dieser Nachricht so niedergeschlagen, dass ich in Tränen ausgebrochen bin. Ich bin voller Wut und Hass gegen diese Entscheidung der Landesregierung, dass nun aus dem Kalmenhof in Idstein wieder eine Geschlossene Anstalt für straffällig gewordene Kinder werden soll», schrieb Heinz-Peter Junge an die kobinet-nachrichten.

«Ich frage mich ernsthaft, ob diese Leute aus der Vergangenheit nichts gelernt haben. Was habe ich damals alles durchmachen müssen in meiner Jugend als ich auf dem Kalmenhof eingesperrt war und dort misshandelt wurde. Ich bin erschüttert und verzweifelt. Glauben denn die in Wiesbaden wirklich, sie würden durch diese Maßnahme die Kinder bessern können. Ich als Betroffener weiss, wie das kommen wird. Sie werden Außenseiter werden. Als ich damals aus dem Kalmenhof entlassen wurde, wurde ich schnell straffällig, war ein Stadt bekannter Schläger, habe unter Drogen- und Alkoholsucht gelitten, habe drei gescheiterte Ehen hinter mich bringen müssen. Will Herr Koch und Frau Lautenschläger wirklich diese jungen Menschen zu Versagern machen, wo es heute doch wesentlich bessere Hilfen als das Wegsperren in geschlossenen Anstalten für Kinder und Jugendlich gibt», fragt sich Junge.

Beim Frust und Ärger will es Heinz-Peter Junge nicht belassen, der sich im Verband misshandelter Heimkinder engagiert. Im Oktober wirkt er bereits an einem Treffen der misshandelten Heimkinder auf dem Kalmenhof in Idstein mit. «Da wird viel Presse dabei sein und wir werden von unseren Erfahrungen erzählen und deutlich machen, was wir vom Wegsperren von Kindern und Jugendlichen halten. Ich überlege mir auch, welche Proteste wir anzetteln können, um das zu verhindern, denn die Wiederkehr der Geschichte ruft bei uns einen solchen Ärger hervor, dass wir einfach etwas tun müssen», so Junge. omp
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Martin Mitchell schrieb am 06.10.2004, 20:12

"HABEN DIE [BEHÖRDEN] DENN NICHTS GELEHRT?"

Zur Frage betreffs Geschlossener Unterbringung: "HABEN DIE [BEHÖRDEN] DENN NICHTS GELEHRT?"...

... eine Antwort von einem damalig Betroffenen, an alle die es interessiert ...

Wegsperren führt zu "Misshandelte Zukunft" für die Betroffenen!

BUCHEMPHEHLUNG!: Misshandelte Zukunft. – Eine Jugend in der Heimerziehung. – Dr. Gisela Lerman Verlag. – IBSN 3-927223-57-3 – Harry Graeber beschreibt in seiner Autobiographie seine Erziehung in Kinder- und Jugendheimen. Härte und Lieblosigkeit der Erzieher Dressur und Fremdbestimmung lassen ein nur schwer überwindbares Trauma und Angst vor einem späteren eigenverantwortlichen Leben entstehen. Rezensionen @ www.geocities.com/martinidegrossi2003/Misshandelte_Zukunft_-_Eine_Jugend_in_der_Heimerziehung .html , @ www.geocities.com/martinidegrossi2003/Missbrauchte_Zukunft_-_Heimerziehung_und_ihre_Folgen.ht ml , und @ www.geocities.com/martinidegrossi2003/Misshandelte_Zukunft_-_Heimerziehung_in_der_BRD.html .

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