
Mainburg (kobinet) Die Lebenshilfe Landshut e.V. erhielt dieser Tage einem Bericht der Hallertauer Zeitung zufolge den Förderbescheid vom Bezirk Niederbayern über einen Zuschuss in Höhe von 176.530 Euro für die Errichtung eines Wohnheimes für geistig behinderte Menschen in Mainburg mit 20 Plätzen. Dem Bericht zufolge stelle das Wohnheim eine Ergänzung der im Jahr 2000 in Mainburg in Betrieb genommenen Werkstatt für behinderte Menschen mit 120 Plätzen dar. Der zweckgebundenen Zuwendung für das Wohnheim lägen förderfähige Kosten in Höhe von 1.765.300 Euro zugrunde, davon würden zehn Prozent vom Bezirk Niederbayern als Projektförderung im Wege der Fehlbedarfsfinanzierung gewährt. Für das Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen ist dieser Wohnheimbau ein fatales Beispiel dafür, wie weiterhin falsche Weichen in der Behindertenpolitik gestellt werden. «Wer von uns will heute noch in Gemeinschaften mit 20 Personen leben. Das schafft vor allem für behinderte Menschen eine Sonderwelt und eine Vielzahl von unnötigen Zwängen», kritisiert der Koordinator der Kampagne «Marsch aus den Institutionen - Reißt die Mauern nieder», Ottmar Miles-Paul, das Vorhaben. «Während in anderen Ländern längst klar sei, dass eine durchschnittliche Familiengröße das höchste der Gefühle für das Zusammenleben von behinderten Menschen darstellt, werden hierzulande nach wie vor Wohnheime gebaut, die die Integration und das Leben der Individualität erschweren», so Miles-Paul. Erschwerend komme noch hinzu, dass die behinderten Menschen schon in der Werkstatt in einer Sonderwelt arbeiteten und noch auch noch in einer Sonderwelt wohnen. «Wir hätten uns da vom Bezirk Niederbayern mehr erwartet, anstatt dass weiterhin Steuergelder in solche Sonderwelten gepumpt werden», so Miles-Paul. hjr