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kobinet-nachrichten 14.10.2004 - 09:48
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Blinde Menschen lassen in «ihre Welt» blicken

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Von kobinet-Korrespondent Franz Schmahl Berlin (kobinet) Am internationalen Tag des weißen Stockes werden morgen blinde und sehbehinderte Menschen wieder ihre Probleme im Alltag und Verkehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken. Auf die Idee, Blinde mit einem weißen Stock als Schutz- und Erkennungszeichen auszurüsten, kam 1930 in Paris die französische Aristokratin Guilly d'Herbement. Sie wurde von der Redaktion des «Echo de Paris» unterstützt und konnte am 7. Februar 1931 in Anwesenheit von Ministern und Vertretern von Blindenorganisationen die ersten weißen Stöcke überreichen. 1969 riefen die Vereinten Nationen dazu auf, den Aktionstag der Sehbehinderten alljährlich am 15. Oktober zu begehen. Das Datum erinnert an den 15. Oktober 1964, als US-Präsident Lyndon B. Johnson in einem symbolischen Akt weiße Langstöcke an blinde Menschen überreichte, um deren systematische Ausbildung im Orientierungs- und Mobilitätstraining zu unterstützen. Seitdem gehen Blinde und Sehbehinderte mit Informationsständen und Aktionen einmal im Jahr auf die Straße, um ihren Mitbürgern Einblick «in ihre Welt» zu geben und für die Überwindung von Hemmnissen und Schwierigkeiten zu werben. Der Schweizerische Blindenbund wird in Winterthur Gelegenheit bieten, sich mit Spezialbrille und Stock in die Lage von Menschen ohne Augenlicht zu versetzen. Auf ähnliche Weise kann am Innsbrucker Hauptbahnhof schon das neue Leitsystem getestet werden, das die Österreichischen Bundesbahnen 2005 komplett installieren wollen. Das taktile Leitsystem gehört zu dem Plan, diese Verkehrsdrehscheibe zur behindertenfreundlichsten in ganz Österreich zu machen. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und seine rund 270 Landes- und Ortsvereine wollen dieses Jahr unter dem Motto «Wie ist das, blind zu sein?» über die Alltagsprobleme der 145.000 blinden Menschen in Deutschland informieren. Zugleich gibt es Aktionen gegen die Absicht von Landesregierungen, das Blindengeld zu kürzen oder ganz abzuschaffen. «Bayern, Berlin und Niedersachsen haben Anfang dieses Jahres das Blindengeld drastisch gekürzt. Hamburg und Thüringen wollen ab Anfang Januar 2005 die Höhe des Blindengeldes deutlich herunterfahren. Niedersachsen will das Blindengeld abschaffen und empfiehlt diesen Schritt allen anderen Bundesländern zur Nachahmung. Wenn das nicht gestoppt wird, heißt ‚blind sein' sehr bald auch wieder automatisch ‚arm sein', denn die Pflegeversicherung zahlt bei Blindheit nicht», so Jürgen Lubnau, selbst blinder Präsident des DBSV. In diesem Sinne wird morgen an alle Menschen mit einem sozialen Gewissen in diesem Land appelliert, sich für den finanziellen Nachteilausgleich für Blinde einzusetzen (www.blindengeld-muss-bleiben.de). Bei der Abschaffung des Blindengeldes müssten Menschen ohne Augenlicht ihre behinderungsbedingten Kosten beispielsweise für private Vorlesehilfen, Begleitpersonen zu Arztbesuchen und ähnliches selbst tragen, bis ihre Ersparnisse soweit aufgebraucht sind, dass sie die Voraussetzungen für den Bezug von Sozialhilfe erfüllen. Guilly d'Herbement starb 1980, fast vergessen, im hohen Alter von 91 Jahren. 1938 hatte sie in Lausanne den weißen Stock an die ersten 100 Blinden und Sehbehinderten des Kantons Waadt überreicht und gleichzeitig für die öffentliche und amtliche Anerkennung dieses Hilfsmittels gesorgt. In der schweizerischen Straßenverkehrsordnung steht seitdem im Artikel 6: «... unbegleiteten Blinden, die durch Hochhalten des weissen Stockes anzeigen, dass sie die Strasse überqueren wollen, ist der Vortritt zu gewähren ...»  

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