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01.11.2004 - 20:08

PDS ohne behindertenpolitischen Sprecher im Vorstand.

Potsdam (kobinet) Am Wochenende wählte der 9. Parteitag der PDS in Potsdam einen neuen Vorstand. Dr. Ilja Seifert, der bisherige behindertenpolitische Sprecher und anerkannte Aktivist der deutschen und europäischen Behindertenbewegung scheiterte knapp und wurde nicht wieder in den Pareivorstand gewählt. Er erhielt zwar 53,6% der Delegiertenstimmen, was jedoch wegen vier fehlender Stimmen für eine Wiederwahl nicht reichte. Ilja Seifert erklärte nach seiner Abwahl, dass man mit solchen Ergebnissen immer rechnen müsse, wenn man sich irgendwo zur Wahl stellt. Das Ergebnis sei zu respektieren, es sei jedoch «kein gutes Signal nach außen». Er bezeichnete es als schmerzlich für alle, die wollen, dass Behindertenpolitik in allen Parteien als wichtiges Querschnitts-Politikfeld begriffen und mit sachkundigen Betroffenen besetzt werde. Seifert erklärte gegenüber den kobinet-nachrichten, er selbst werde innerhalb der AG «Selbstbestimmte Behindertenpolitik» in der PDS aktiv bleiben. Mit und in ihr werde er sich dafür einsetzen, dass die PDS im Herbst kommenden Jahres ihre 5. Behindertenpolitische Konferenz abhält. «Diese hat dann zwei große Aufgaben: Zum einen muss und wird sie klare behindertenpolitische Inhalte für das Bundestagswahlprogramm 2006 der PDS vorgeben. Und zum anderen muss und wird sie ein klares Bekenntnis der Partei zur Selbstvertretung behinderter Menschen im höchsten deutschen Parlament einfordern», kündigte Seifert an. Da er aus der Behindertenbewegung über alle parteipolitischen Grenzen hinweg zahlreiche Aufforderungen erhalten habe, seine in vergangenen Wahlperioden bewiesene Kompetenz wieder einzubringen, stehe er als Kandidat zur Verfügung, sagte Seifert. Wie dringend er und die ganze PDS-Fraktion im Bundestag gebraucht werde, zeige sich darin, dass seit seinem Ausscheiden im Herbst 2002 auch noch so großtönende Worte des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung in der praktischen Politik nichts mehr bewegt habe. Sollten behinderte Menschen kurz vor der nächsten Bundestagswahl außer «lyrischen Zugeständnissen» doch noch ein zivilrechtliches Antidiskriminierungsgesetz «geschenkt» bekommen, will Ilja Seifert einer derjenigen sein, die aus dem Parlament heraus hartnäckig darum kämpfen werden, dass es wirklich lebt und dass Nachteilsausgleiche mit Substanz eingeführt werden. hjr  

 
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Petra Groß schrieb am 10.11.2004, 08:52

Schade Ilja

Hallo Ilja halt den kopf hoch und mach weiter so das du vieleicht beim Wählen wieder rein kommst.
Du hast dich für vieles stark gemacht.
Ich wünsche für dich alles gute gruß aus Kassel Petra Groß beim Netzwerk People First

Maik Nothnagel schrieb am 04.11.2004, 16:31

So ist das Leben

Schade Ilja,

aber leider ist das Leben so. Nichts ist selbstverständlich, auch nicht ein behindertenpolitischer Sprecher beim PDS Bundesvorstand. Lieber Ilja lass den Kopf nicht hängen, die nächsten Wahlen kommen bestimmt und in der Zwischenzeit müssen wir das "Beste" daraus machen. Behindertenpolitik als Querschnittsaufgabe muss auch weiterhin unser aller Ziel sein und in der AG "Selbstbestimmte Behindertenpolitik" werden wir die richtigen Arbeitsformen finden müssen, damit Behindertenpolitik beim Bundesvorstand nicht außen vor bleibt.

Bis bald Maik

Michael Rüther schrieb am 04.11.2004, 16:30

Kopf hoch

Hallo Ilja, eben saßen wir noch beim Verbandstag des ABiD beinander und nun ereilt mich diese Nachricht. Damit hast Du sicher nicht gerechnet, dass Sie Dich aus dem Bundesparteivorstand rauskanten! Ausgerechnet ein Genosse aus MeckPomm hat Dir den letzten Platz weggeschnappt? Er gehört leider nicht zu den fähigsten. Aus meiner Sicht ein herber Verlust für die PDS und die Behindertenbewegung national und international. Aus Sicht der PDS möglicherweise besser für die Genossen, warum sollen sie sich mit solchen unerfreulichen Sachen wie Behindertenpolitik weiter beschäftigen, da sie sich auch ohne Engagement für uns schon wieder im Bundestag sehen. Ich glaube ohnehin, Selbstbestimmung schließt Bindung an eine Partei aus. Da gingen unsere Meinungen aber schon immer auseinander.
Rot - Rot aus MV lässt Grüßen!
Die Maske ist gefallen - das Spiel ist aus! Das Stigma wirkt unabhängig von Parteien - Du bist das aktuellste und Wolfgang Schäuble das prominenteste Opfer dieser Diskriminierung!
Halt Dich tapfer und bleibe ungebrochen der Bewegung erhalten. Ich Grüße Dich wie immer mit Hochachtung, Michael

Uwe Heineker schrieb am 02.11.2004, 11:20

"Paradigmawechsel" hin und her ...

... dieser Vorgang ist mehr als ein eindeutiger Beweis, welchen Stellenwert behinderte Menschen haben ...

... es bleibt also für uns als innovative Behindertenbewegung noch viel zu tun

Ottmar Miles-Paul schrieb am 02.11.2004, 11:20

Schade

Das ist echt schade, dass es für Ilja nicht gereicht hat, wieder in den Vorstand der PDS gewählt zu werden. Damit haben wir in Deutschland keine in den Parlamenten vertretene Partei, in der behindertenpolitisch engagierte behinderte Menschen vertreten sind. Das ist ein echter Verlust. Ilja bleib dran und lass dich nicht entmutigen.

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