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kobinet-nachrichten 08.11.2004 - 08:39
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15 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer

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Von kobinet-Korrespondent Franz Schmahl Berlin (kobinet) Morgen jährt sich zum 15. Mal der Tag, an dem in Berlin die Mauer fiel. Im Tränenpalast, der ehemaligen Grenzübergangsstelle am Bahnhof Friedrichstraße, wollen der Altkanzler aus Oggersheim und die einstige Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley aus Prenzlauer Berg vor Publikum diskutieren. Bohley, die für ihren Mut im Herbst 1989 von Burdas «Super-Illu» mit der «Goldenen Henne» ausgezeichnet wurde, betreut in Kroatien ein Kinderprojekt. Sie kommt auf Kosten der Christdemokraten nach Berlin zu einer Veranstaltung unter dem Motto: «Der Mauerfall und was wir daraus gemacht haben. Ein öffentliches Nachdenken mit Bärbel Bohley und Helmut Kohl». Auch CDU-Chefin Angela Merkel ist angesagt. Günter Schabowski, einst Chefredakteur des SED-Zentralorgans «Neues Deutschland» und am 9. November 1989 als Sprecher des Politbüros mit seiner fahrigen Ankündigung der neuen Reiseregel Auslöser des Ansturms auf die Mauer, genießt als Interviewpartner wieder Aufmerksamkeit. Von vielen Akteuren in diesem die Welt verändernden Herbst, die längst politisch keine Rolle mehr spielen, ist indes weniger die Rede. Immerhin gibt es in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt noch eine Diskussion über die Folgen des Mauerfalls, zu der Wolfgang Templin und Ulrike Poppe eingeladen sind. Templin, Mitbegründer der Initiative für Frieden und Menschenrechte, organisiert heute Gruppenreisen nach Polen und in die Ukraine. Poppe hat einen Job an der Evangelischen Akademie gefunden. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, der manchmal als Oberossi verspottete katholische Sozialdemokrat aus dem Prenzlauer Berg, sieht jetzt neue Chancen. Nachdem die erste Phase der Wiedervereinigung bewältigt sei, gehe es darum, gemeinsam das ganze Land zu reformieren. Das sei eine Chance für die Ostdeutschen, «endlich gleichberechtigt mitzumischen, mit ihren besonderen geschichtlichen Erfahrungen, zu denen die Veränderungserfahrungen der letzten 15 Jahre gehören». Thierse war am Ende der DDR dem Neuen Forum und später der SPD beigetreten. Der Fall der Mauer bleibe für viele Menschen trotz aller Alltagssorgen wie höhere Arbeitslosigkeit im Osten, niedrigere Löhne und Renten unvergesslich, so Thierse. Ingrid Köppen, Aktivistin für das Neue Forum, vom Runden Tisch und dem Sturm auf die Stasi-Zentrale als Gesicht der Wende manchen noch gut erinnerlich, hat nach vier Jahren im Bundestag die politische Bühne verlassen. Seit Abschluss ihres Jura-Studiums an der Viadrina in Frankfurt (Oder) lebt die 46-jährige Berlinerin heute im Oderbruch auf dem Lande, eine halbe Autostunde von ihrer Rechtsanwaltskanzlei in einer Kleinstadt entfernt. Das Bundesverdienstkreuz, das ihr verliehen werden sollte, hatte sie abgelehnt. «Stasi-Auflöser» Werner Fischer brauchte jetzt gerade 15 Minuten, um seinen Hartz-IV-Antrag auszufüllen. Der Langzeitarbeitslose hatte mit Templin die Initiative für Frieden und Menschenrechte gegründet und war zusammen mit Bohley nach seiner Verhaftung wegen «Verdachts auf landesverräterische Agententätigkeit» nach England abgeschoben worden. Fischer war im Oktober 1989 im Kontaktbüro der Gethsemanekirche tätig, wo Informationen über Übergriffe auf Demonstranten gesammelt wurden. Er bereitete im November 1989 den Runden Tisch vor, war Beauftragter der späteren Modrow-Regierung zur Auflösung des Staatssicherheitsdienstes und ab 1992 Pressesprecher der Bundestagsgruppe von Bündnis 90/Die Grünen. Es sei «schon krass», mit wie wenig er demnächst auskommen müsse, zitiert das Nachrichtenmagazin Spiegel heute den 54-Jährigen, aber «wer sich mit den Zahlen beschäftigt, muss einsehen, dass das System erneuert werden muss». sch www.chronik-der-wende.de  

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