
Berlin (kobinet) Anlässlich des 10. Jahrestages des Inkrafttretens des Benachteilgungsverbotes für behinderte Menschen im Grundgesetz haben die kobinet-nachrichten eine Reihe von Mitgliedern des damaligen Initiativkreise Gleichstellung Behinderter nach ihrer Einschätzung der Entwicklung gefragt. Folgende Antworten haben wir bisher bekommen:
«Es ist ein langer mühsamer Prozess, bis es gesetzliche Regelungen in unserem Sinne gibt. Dann dauert es noch länger, bis diese umgesetzt werden. Bis sich also tatsächlich etwas zum Guten verändert, dauert es irre lange. Erschwerend kommen die zwischenmenschlichen Reibungsverluste hinzu. Mein Wunsch ist es, dass es mehr Frauen und Männer gibt, denen es tatsächlich um die Sache geht. Leider spielen viel zu oft Faktoren wie Eitelkeiten, Macht, Konkurrenz eine Rolle. Wenn es mehr 'ÜberzeugungstäterInnen' gäbe, wären wir erfolgreicher und die Arbeit würde mehr Spaß machen», so Dr. Sigrid Arnade vom Vorstand des Netzwerk Artikel 3 aus Berlin.

Für den freien Publizisten Hans-Günter Heiden aus Berlin, der damals den Initiativkreis Gleichstellung Behinderter entscheidend koordinierte, zählt der lange Atem beim Wirken für die Gleichstellung:
«Wenn ich heute zurückblicke, dann muss ich feststellen: Der Einsatz für Gleichstellung benötigt einen langen Atem. Es war im März 1990, als ich für den Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. (BSK) die Tagung organisiert habe, die zum Ausgangspunkt der verbandsübergreifenden Gleichstellungspolitik wurde. Vier Jahre harter Kampf waren dann nötig für die Verfassungsergänzung in Artikel 3 des Grundgesetzes. Daran schlossen sich weitere acht Jahre Einsatz für ein konkretes Gleichstellungsgesetz im Jahr 2002 an. Und das zivilrechtliche Gesetz werden wir wohl im Jahre 2005 nach weiteren drei Jahren Mühe erhalten. Macht alles in allem 15 Jahre Knochenarbeit. Hat sich dieser Einsatz nun gelohnt? Ich denke ja, denn der Menschenrechtsansatz in der deutschen Behindertenpolitik ist nun unumkehrbar, auch wenn es auf der sozialpolitischen Flanke derzeit nicht gut aussieht. Doch machen wir uns nichts vor: Die bisherigen 15 Jahre waren nur der Anfang: Die eigentliche Arbeit wird in den nächsten 15 bis 20 Jahren mit der flächendeckenden Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes und des Antidiskriminierungsgesetzes noch vor uns liegen», so Hans-Günter Heiden. omp