Jena (kobinet) Für die Bundesgeschäftsführerin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland - ISL e.V. -, Barbara Vieweg ist der für den 11. Dezember 2004 geplante Auftritt von Peter Singer bei einer Veranstaltung in Heidelberg eine Provokation, die nicht hingenommen werden kann. (siehe kobinet-nachrichten vom 11.11.2004. In einem Brief an das Deutsch Amerikanisches Institut fordert sie dieses auf, Peter Singer wieder auszuladen. «Ethische Fragestellungen sind für uns von zentraler Bedeutung, insbesondere im Zusammenhang mit dem Lebensrecht behinderter Menschen und ihrem Anspruch auf Gleichberechtigung in der Gesellschaft. In den vergangenen fünfzehn Jahren war dieser Diskurs auch immer wieder mit der Person Peter Singers verbunden. Herr Singer stellt das Lebensrecht behinderter Menschen grundsätzlich in Frage, insbesondere bei behindert geborenen Menschen. Wir haben uns in all den Jahren mit Peter Singer auseinandergesetzt. Seine Thesen sind für behinderte Menschen bedrohlich und treffen auf eine in der Gesellschaft mittlerweile offen geführte Kostendiskussion. Die Anwesenheit von Peter Singer auf Ihrer Veranstaltung empfinden wir als eine Zumutung, da behinderte Menschen nicht bereit sind, über ihr Lebensrecht zu diskutieren», schreibt Barbara Vieweg in ihrem Brief. Auch wenn es in der Veranstaltung nicht explizit um Behinderung gehe, sehe die ISL und viele andere Verbände im Auftreten von Peter Singer eine Provokation, die diese nicht hinnehmen wollen. «In Ihrem Einleitungstext heben Sie ab auf die 'Epochenschwelle, weil der Wandel grundsätzlich ist, müssten auch die Grundsätze überprüft werden'. Gerade im Überprüfen der Grundsätze sehen wir einen Angriff auf die Menschenwürde, der nicht nur behinderte Menschen betreffen wird. Die grundsätzlichen Positionen zur Menschenwürde sind für uns nicht hinterfragbar, auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland nicht. Es handelt sich hierbei um eine konstituierende Grundlage unserer Gesellschaft, hinter die wir nicht zurückgehen werden», so Vieweg. «Wir fordern Sie auf, die Einladung an Peter Singer zurückzunehmen, da dieser einer Aufklärung der Öffentlichkeit nicht dienlich sein, sondern nur eingleisige Meinungsäußerungen provozieren wird. Herr Singer hat seine Auffassung zu der von Ihnen geplanten Thematik seit Jahren nicht geändert und wird auch hier wohl nur seine provozierenden und für uns nicht hinnehmbaren pseudoliberalen Thesen vertreten», so die Forderung der ISL. omp
Gerd Frank schrieb am 21.11.2004, 22:21
Ich kann es nicht glauben das solch ein Mensch mit seinen menschenverachteten Äußerungen nach Deutschland eingeladen wird. würde Hitler noch leben würden die Organisatoren womöglich diesen Verbreecher wohl auch noch einladen. sicher würden dann beide in ein Horn blasen und Menschen mit Behinderungen die Lebebenswertigkeit absprechen, das ja Peter Singer in senen Zitaten von sich gibt. An die Organisatoren gerichtet: wollen sie sich mit Peter Singers menschenverachteten zitaten auf eine Stufe stellen Ich kann ihnen nur den Rat geben laden sie diesen "Verbrecher" der Menschlichkeit aus. Den sollte man/frau in die Wüste schicken und langsam verdursten lassen.Eines sollte ihnen klar sein jeder behinderte Mensch hat sein Lebensrecht wie auch jeder nichtbehinderte Mensch sein Lebensrecht hat. oder wollen sie sich mit diesem "Verbrecher"auf eine Stufe stellen. Wenn sie Peter Singer nicht ausladen liegt es nahe das sie seine menschenveachteten Äußerungen vertreten. Anscheinend haben Sie aus der unserer Vergangenheit nichts gelernt Haben sie etwa vergessen das da behinderten Menschen auch das Lebensrecht abgesprochen wurde.Wenn sie Peter Singer kommen lassen sind sie für mich kein deut besser als ein Nazi. Sie sollten einsehen das gerade sie gerade rechtradikale Parteien unterstützen wenn sie diesen "Verbrecher" kommen lassen. Mein Rat laden sie Peter Singer aus, ansonsten ist davon auszugehen das sie genauso denken wie er. Wir wollen hier in Deutschland seine menschenveachteten Zitate nicht hören, ebenso ihn hier Deutsschland nicht sehen
Renate Krüger schrieb am 19.11.2004, 17:12
Die Namen der anderen vergleichsweise prominenten Diskussionsteilnehmer lassen ahnen, welche Aufwertung die von Peter Singer vertretene "Ethik" erfahren hat.Sie ist in den deutschen Geisteswissenschaften anscheinend angekommen.
Durch die Teilnahme der deutschen Hochschulprofessoren Julian Nida-Rümelin, Reinhard Merkel und Rüdiger Wolfrum werden die Singerschen Thesen endgültig als seriöse Diskussionsgrundlage anerkannt, auf die zurückzugreifen dann keinen Tabubruch mehr bedeutet.
Dies gilt aber nicht nur für den Bereich von Forschung und Lehre,denn oben genannte Hochschulprofessoren wurden bzw. sind in Gremien des Bundestages als Sachverständige berufen worden und nehmen durch ihre Expertisen Einfluss auf die Formulierung von Gesetzen und Stellungnahmen.Julian Nida-Rümelin war Kulturstaatsminister im Kabinett Schröder.
Darüber hinaus werdendie drei aufgrund ihrer Positionen in Wissenschaft und Politik auch in den Medien häufiger zitiert.
Der Protest gegen den Auftritt von Peter Singer ist sicher mehr als angebracht.
Aber selbst wenn er tatsächlich wieder ausgeladen würde, muss der hier bereits vorhandenen und zunehmenden Anfälligkeit für seine "Ethik" angesichts von Kostendebatten entgegengewirkt werden.
Die Selbstbestimmt Leben Bewegung und die sich entwickelnden Disability Studies sind ein Gegenentwurf zur Singerschen "Ethik" und ihren deutschen Varianten.
Denn schon allein die Bereitschaft oben erwähnter Hochschulprofessoren mit Singer öffentlich zu diskutieren, zeigt wie bitter nötig die Einbringung von Disability Studies auch in deutsche Universtäten ist.