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21.11.2004 - 08:00

Wohnzentrum für junge behinderte Menschen eingeweiht.

Wetter-Oberwengern (kobinet) Die Evangelische Stiftung Volmarstein (ESV) hat ein Wohnzentrum für 16 junge körperbehinderte Menschen in Wetter-Oberwengern eingeweiht. Darin soll nach Angabe der ESV selbstständiges Wohnen trainiert werden. Zuvor wäre eine etwa halbjährige Umbauzeit notwendig gewesen, um das von der ESV gekaufte Gemeindezentrum Haus Hove in Oberwengern barrierefrei auszustatten. Laut ESV-Vorstandssprecher Pfarrer Ernst Springer sei das Ziel «die Integration der behinderten Menschen, ein Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten, wie sie bereits der Volmarsteiner Dorfpfarrer Franz Arndt vor hundert Jahren bei seiner Gründung der ESV vor Augen hatte». Mit der Differenzierung und Dezentralisierung im Wohnbereich der ESV und die Förderung des selbstständigen Lebens durch das Wohnen in verschiedenen Stadtteilen käme die ESV ihrem Ziel ein erhebliches Stück näher. ESV-Bewohnerinnen und -bewohner aus dem stationären Wohnbereich erhielten mit Haus Hove die Möglichkeit, eigenständiges Wohnen in kleinen Gruppen zu üben, um dann später gegebenenfalls in eine ambulant betreute Wohnsituation zu wechseln. Das Wohntraining solle bis zu zwei Jahre dauern. Doch Haus Hove solle nicht allein Durchgangsstation sein. Die Einrichtung von festen Wohngruppen sei ebenfalls in der Planung. Elke Bartz, Vorsitzende des Forums selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA), das derzeit mit weiteren Organisationen die Kampagne «Marsch aus den Institutionen - Reißt die Mauern nieder» durchführt, kommentiert die Meldung: «Es klingt sehr gut, wenn ambulante Strukturen ausgebaut und Heimbewohnerinnen und -bewohnern die Türen zu einem selbstbestimmteren Leben geöffnet werden. Viele, wenn auch längst nicht alle Menschen, die jahre- und jahrzehntelang in aussondernden Heimstrukturen gelebt haben, müssen das Leben ‚in freier Wildbahn‘ erst lernen. Lebenspraktische Fähigkeiten haben sie nicht trainieren können, da sie es beispielsweise nicht nötig hatten Mietverträge abzuschließen, Einkäufe zu planen und vieles andere mehr, das zum Lebensalltag gehört. Hier kann Wohntraining eine sinnvolle Unterstützung bedeuten». Traurig sei es, dass es überhaupt Menschen gibt, die eigenständiges Leben erst trainieren müssen, weil sie keine normale Sozialisierung erfahren haben. «Wer ganz normal in der Familie aufwächst und nicht in die Institutionen marschieren musste, wird in der Regel wesentlich besser auf das Alltagsleben vorbereitet sein. Natürlich gibt es auch Eltern, die ihre behinderten Kinder überbehüten. Aber das scheint sich mittlerweile zu ändern. Jedenfalls muss niemand eingegliedert werden, der nicht zuvor ausgegliedert wurde. Das ist nicht nur menschenwürdiger, sondern spart sogar ohnehin knappe finanzielle Mittel». Da feste Wohngruppe in der Planung seien, müsse jedoch darauf geachtet werden, dass nur diejenigen in diese Wohngruppen ziehen, die das auch tatsächlich wünschen. Es dürfe laut Bartz nicht sein, dass seitens der Betreiber selektiert wird, wer in eigene Wohnung ziehen darf und wer ins betreute Wohnung. «Wenn das Wunsch- und Wahlrecht gewährleistet ist, finden wir das Konzept sehr gut und können es nur unterstützen». hjr  

 
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