
Von kobinet-Redakteur Harald Reutershahn Frankfurt a.M. (kobinet) Nach 16 Jahren hätte es fast geklappt, dass die Stadt Frankfurt einen Aufzug zur U-Bahn-Station an der Alten Oper gebaut hätte. Diesmal wäre sogar Lutz Sikorski, der grüne Vorsitzender des Verkehrsausschusses dafür gewesen, der 1988 den Aufzug, der behinderten Menschen den Zugang zur U-Bahnstation ermöglichen würde, wegen «ästhetischen Bedenken» verhindert hatte. In einem Bericht der Frankfurter Rundschau bezeichnet es Sikorski heute als «Wahnsinn», dass mit «ästhetische Bedenken» gegen die Mobilität für Behinderte argumentiert werden könne. Nachdem der grüne Opernplatz-Ästhet und die Allparteienkoalition der Gegner des U-Bahn-Aufzugs den Widerstand gegen die alte Forderung der Frankfurter Behindertenarbeitsgemeinschaft (FBAG) aufgegeben haben, stellt sich jetzt Baudezernent Franz Zimmermann (FDP) quer. Er hat nun das Projekt wegen der schwierigen Finanzlage verschoben auf das Jahr 2007. Dann wird es fast 20 Jahre her sein, seit der damalige Baudezernet Protzmann (SPD) den Bau des Aufzugs zugesagt hatte. Die Frankfurter Rundschau vermutet hinter der finanziell begründeten Ablehnung Zimmermanns die alten Einwände, die Ästhetik des Platzes werde durch einen Aufzug für Behinderte beeinträchtigt. Bei der behindertengerechten Sanierung der öffentlichen Toilettenanlage auf dem Paulsplatz wird mit den gleichen Gründen der Bau eines Aufzugs blockiert. Die zuständige Umweltdezernentin Jutta Ebeling (Grüne): «Wir dachten eigentlich, dass alles klar ist». Doch das Stadtplanungsamt hält den Behindertenaufzug zur Toilette ebenfalls aus «ästhetischen» Gründen für Unvorteilhaft und ist dagegen. Behinderte sollen deshalb in einem anderen Gebäude auf dem Paulsplatz zur Toilette gehen. Denen stinkt jedoch die Aussonderungsästhetik im Römer inzwischen gewaltig.
jasmin niazi schrieb am 17.02.2005, 14:29
Ich muss mich ja schwer am Riemen reissen, um nicht ins Witzeln über Aufzugskabinen und Rollitoiletten im Jugendstil zu geraten. Denn in der Realität kann einem das Lachen dann doch im Halse stecken bleiben. Da haben mal wieder Menschen Angst vor dem Anderen und schieben die Ästhetik vor. Aber wir sind da, Teil dieser Gesellschaft und auch teilhabende derselben. Daher ist es nur eine Frage des Stils, wie die jewiligen Bebauungen aussehen, aber sicher keine Frage des ob oder ob nicht!